Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler verhängt: Kanton pfeift Schulpflege zurück

Weil an den Standorten Menziken, Reinach und Unterkulm mehrere Coronafälle bestätigt sind, hat die Kreisschule eine Maskenpflicht für die Schülerinnen und Schüler verhängt. Dies, obwohl die Pflicht laut Weisungen des Kantons nur für Erwachsene gilt. Dieser hat sich nun eingeschaltet.

Flurina Dünki
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Schulpflegepräsidentin Christina Camadini.

Schulpflegepräsidentin Christina Camadini.

Britta Gut

Die Schulpflege der Oberstufen-Kreisschule aargauSüd ist nicht glücklich mit dem Corona-Vorgehen des Kantons. Dies zeigt die Aussage von Schulpflegepräsidentin Christina Camadini in einem veröffentlichten Facebook-Post: «Die von der Kreisschule verordnete, obligatorische Maskenpflicht im Schulhaus und auf dem Schulhausareal, musste (trotz bestätigten Corona-Fällen) aufgrund einer Weisung des BKS (Departement Bildung, Kultur und Sport) rückgängig gemacht werden.»

Und weiter: «Liebe Eltern: Ich verstehe Ihre Besorgnis und teile diese mit Ihnen. Die Kreisschule ist in ständigem Kontakt mit dem BKS und macht alles, was im gesetzlichen Rahmen liegt.»

Was war geschehen? «Weil wir inzwischen an allen Standorten Coronafälle haben, seien es Lehrer oder Schüler, haben wir am letzten Dienstag für die Jugendlichen und die Lehrer eine Maskenpflicht im Schulhaus und Schulareal verfügt», sagt Camadini auf Anfrage der AZ. «Am Dienstag wurden wir von der Schulaufsicht des BKS auf die aktuelle Weisung verwiesen. Der Kanton meldete der Gesamtschulleitung, dass die Kreisschule nicht selbstständig eine Maskenpflicht für Schüler verhängen dürfe. Wir müssten uns an die am Montag vom Kanton veröffentlichte Weisung halten, dass die Pflicht nur für erwachsene Personen gilt.»

17 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne

Das BKS bejaht die Aufforderung an die Kreisschule, die Maskenpflicht aufzuheben, auf Anfrage der AZ und schreibt: «Die Anordnung einer solchen umfassenden Massnahme liegt nicht in ihrer Kompetenz. Die Durchsetzung wäre aufgrund dessen auch sehr schwierig. Deshalb wurde die Schule aufgefordert, sich an die Weisung des Departements BKS zu halten und die weitergehenden Massnahmen zurückzunehmen».

Grund der von der Schule verhängten Maskenpflicht für Schüler und Schülerinnen waren die steigenden Coronafälle, die mittlerweile an allen Schulstandorten (Menziken, Reinach und Unterkulm) bestätigt sind. Mittlerweile sind es einige positiv bestätigte Fälle, mehrere Testergebnisse sind noch ausstehend. Insgesamt hat die Kreisschule 950 Schüler. Die Kreisschule unternehme alles mögliche um die Ausbreitung einzudämmen.

Wie die Schulpflegepräsidentin aus eigenen Informationen weiss, hätten Eltern daraufhin wegen der Maskenpflicht ihrer Kinder interveniert. So habe der Kanton davon erfahren und gemäss Weisung vom 19. Oktober geantwortet. «Wir haben die Maskenpflicht hernach in eine Empfehlung abgeändert» so Camadini, «und eine von Covid betroffene Klasse des Oberstufenschulhauses Menziken am Donnerstagabend in Quarantäne schicken müssen».

Die betroffene Klasse besteht aus 17 Schülerinnen und Schülern und wird bis mindestens 30. Oktober im Homeschooling per Videokommunikation unterrichtet und von der Lehrperson betreut. Der definitive Zeitpunkt, ab dem die Klasse wieder ins Schulhaus zurückkehren kann, bestimmt der Kanton. Die Kreisschule ersucht die Jugendlichen in Quarantäne unter anderem, nur für Arztbesuche ihr Zuhause zu verlassen und auch innerhalb der Familie Kontakt zu vermeiden, also im eigenen Zimmer zu bleiben und auch dort zu essen. Die Familienmitglieder brauchen aber nicht selbst in Quarantäne zu gehen, solange keine Symptome erkennbar sind.

«Unwahrheiten und Gerüchte»

Das Verhängen und Zurückziehen der Maskenpflicht hat im Wynental (in die Kreisschule gehen Jugendliche von Teufenthal bis Menziken) für Gerüchte gesorgt. Etwa, dass in der Schule der Abstand nicht eingehalten worden sei oder Schüler mit Covid nicht nach Hause geschickt worden seinen und weiterhin im Unterricht waren. Es sei «sehr bedenklich, was für Unwahrheiten und Gerüchte, bezüglich des Coronavirus an der Oberstufe Menziken, verbreitet werden», schreibt die Schulpflegepräsidentin dazu auf Facebook. «Beide Gerüchte sind falsch. Wir haben stets transparent zur Coronasituation informiert und professionell und weitsichtig gehandelt», sagt sie.

Auf Facebook stellt Camadini nicht nur Fakten klar, sie drückt auch ihren Unmut über das Vorgehen aus: «Ironischerweise hat der Kanton Luzern, zum selben Zeitpunkt, an den Oberstufen des Kantons eine flächendeckende Maskenpflicht eingeführt», schreibt sie dort.

Die Kreisschule aargauSüd ist aus den ehemaligen Kreisschulen «Mittleres Wynental», «Homberg» sowie der Schule Menziken entstanden. Der Unterricht startete diesen August. Camadini (33) ist SVP-Mitglied und seit Januar 2020 Schulpflegepräsidentin.