Mittelalterwaren

Met, Felle, Lederwaren: Dieses Paar aus Menziken hat das Hobby zum Beruf gemacht

Noch werden Mittelalter-Fans auf der Strasse meist schräg angeschaut – doch Mittelaltermärkte liegen voll im Trend: Barbara Freis und Hans Widmers «Freyjas Swissteam» mischt hier vorne mit.

Ann-Kathrin Amstutz
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Lederwaren und Met dominieren die Auslage am Stand von «Freyjas Swissteam».

Lederwaren und Met dominieren die Auslage am Stand von «Freyjas Swissteam».

ZVG

Im Keller herrscht Schummerlicht. Es reicht gerade aus, dass sich den Augen ein ungewöhnlicher Anblick offenbart: Berge von Fellen, Regale voller Flaschen in allen Farben und Formen, Schwerter, Rüstungen, Ledertaschen. Die Liste liesse sich beliebig fortführen. Es ist das Reich von Hans Widmer und Barbara Frei von «Freyjas Swissteam».

Das Kerngeschäft der beiden besteht aus An- und Weiterverkauf von Met, Fellen und Lederwaren. Der Met, auch Honigwein genannt, sei früher der Wein der Armen gewesen, erzählt Widmer. «Die Herstellung ist einfach: Man nimmt Honig, mischt Wasser hinzu und lässt das ganze in Ruhe gären.»

Seinen Met stellt Widmer nicht selbst her, sondern kauft ihn in Deutschland. Momentan sind 20 Sorten Met, fünf Sorten Beerenwein sowie drei Sorten Metbier im Sortiment. «Wir wollen schrittweise auf 70 Metsorten ausbauen», verrät Widmer.

Barbara Frei und Hans Widmer sind sowohl geschäftlich als auch privat ein Paar. Seit 2014 verkaufen die beiden ihre Produkte an Mittelaltermärkten in der ganzen Deutschschweiz. Daneben bauen sie ihren Stand an Festivals wie dem Greenfield in Interlaken oder an normalen Wochenmärkten auf. «Dort sind wir dann die grossen Exoten», sagt Widmer.

Hobby zum Beruf gemacht

Der Verkauf von Mittelalterwaren wird zumeist hobbymässig betrieben. Auch «Freyjas Swissteam» war anfangs ein Freizeitprojekt, doch der Umsatz fiel unerwartet hoch aus: «So hoch, dass wir uns ins Handelsregister eintragen lassen mussten.»

In der Deutschschweiz gibt es laut Widmer nur fünf oder sechs Unternehmen wie das seinige. Es ist sein Traum, irgendwann einmal drei Stände und einen Showroom zu besitzen, in dem alles Platz hat, was im Mittelalter gebraucht wurde.

«Wehe, man lässt sich an einem Mittelaltermarkt mit dem Handy in der Hand blicken.» Barbara Frei bildet gemeinsam mit Hans Widmer «Freyjas Swissteam»

«Wehe, man lässt sich an einem Mittelaltermarkt mit dem Handy in der Hand blicken.» Barbara Frei bildet gemeinsam mit Hans Widmer «Freyjas Swissteam»

ZVG

Es ist von Markt zu Markt unterschiedlich, welches der präsentierten Produkte am besten läuft. Doch Widmer und Frei bieten etwas an, was sonst niemand hat: unverarbeitetes Offenleder in beliebig grossen Stücken. «Überall wird das Leder nur in ganzen, halben oder Viertelhäuten verkauft. Wenn Sie nun ein Armband selbst herstellen möchten, ist eine Viertelhaut viel zu viel Material.»

Widmer weiss, wovon er spricht. Sein Lager an der Plattenstrasse ist zugleich eine Werkstatt: Pro Jahr fertigt er hier neben Bändern und Taschen etwa 300 Geldkatzen, lederne Geldbeutel. Schon immer sei er fasziniert gewesen von Naturmaterialien wie Leder und Fellen.

Zeigen die Unternehmer ihre Leidenschaft fürs Mittelalter auch im Alltag? «Wir sind da zurückhaltend, solange meine Kinder noch in der Lehre sind», sagt Barbara Frei. «Wer in Mittelalterkleidung auf der Strasse herumläuft, erntet viele schiefe Blicke.» Umso mehr geniesst es das Paar, an den Mittelaltermärkten unter Gleichgesinnten zu sein. «Wehe, man lässt sich dort mit dem Handy in der Hand blicken», sagt sie und lacht.