Staffelbach

Sexting: Schüler verschickten Handy-Nacktbilder von Mädchen und Jungen

Zwei Sexting-Vorfälle rüttelten die Kreisschule Oberstufe Oberes Suhrental auf. Nach dem zweiten Fall entschloss sich die Schulleitung zu einem Infoabend gemeinsam mit Pro Juventute. Nun sollen die Handyregeln überarbeitet werden.

Janine Müller
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Die Kontrolle über die Nacktfotos geht im Netz verloren.

Die Kontrolle über die Nacktfotos geht im Netz verloren.

ZVG Pro Juventute/Symbolbild

Ein Mädchen macht mit dem Handy ein Nacktbild von sich und schickt es dem Freund. Dieser schickt es an seine Kollegen weiter und plötzlich weiss die ganze Schule davon. Dieser Vorgang wird Sexting genannt, zusammengesetzt aus den beiden englischen Wörtern «sex» und «texting».

Passiert ist dies an der Kreisschule Staffelbach gleich zweimal hintereinander. Im einen Fall betraf es ein Mädchen, im anderen einen Jungen. Das Mädchen war derart verzweifelt, dass es die Schulleitung informierte.

Für Thomas Graber, Schulleiter a.I. der Kreisschule Oberstufe Oberes Suhrental, waren diese Ereignisse ausschlaggebend für den Infoanlass, den die Schule am Montagabend gemeinsam mit Pro Juventute durchführte. Zur Teilnahme aufgefordert waren die Schüler und deren Eltern.

Verständnis und Geduld gefordert

Rasch zeigte sich, dass Eltern und Schüler unterschiedlich über die sozialen Medien wie Facebook und Instagram denken. Der Tipp von Laurent Sedano von der Pro Juventute: «Sprecht miteinander. Habt Verständnis und Geduld füreinander.»

Die Eltern von heute hätten schliesslich auch Freundschaftsbücher herumgereicht. Das sei nichts anderes als Facebook heute – einfach offline und dadurch verbreiteten sich die Fotos und Geschichten auch weniger rasch. Erstauntes Kopfnicken bei den Eltern, Gelächter bei den Schülern.

Sedano wies auch auf die Folgen von Sexting hin: «Oft wird ein Schulwechsel notwendig, und zwar nicht nur ein Wechsel in die Nachbargemeinde.» Viele Betroffene wurden auch unter Depressionen und Selbstmordgedanken leiden. Ein solcher Vorfall könne nicht einfach weggesteckt werden. Das Mädchen, das in Staffelbach Opfer wurde, musste professionell betreut werden.

Ruth Benz und Sonja Bossard Ruth Benz: «Ich denke, dass meine Kinder von diesem Abend einiges mitnehmen können.» – Sonja Bossard: «Ich kann nicht mehr, als meine Kinder über dieses Thema zu informieren, denn kontrollieren ist sehr schwierig.»
4 Bilder
Irène Klauser und Gaby Zihlmann Irène Klauser: «Oftmals wollen die Kinder von den Eltern nichts annehmen. Darum fand ich diesen Anlass gut. Jetzt hat es ihnen mal jemand anderes gesagt.» – Gaby Zihlmann: «Ich habe wertvolle Infos erhalten.»
Dennis (14), Lea (15) und Alisha (15) Dennis: «Krass ist, dass die Bilder nie mehr aus dem Netz verschwinden.» – Lea: «Von Sexting war ich noch nie betroffen, andere schon.» – Alisha: «Wenn ich Bilder hochlade, passe ich die Privatsphäreeinstellungen an.»
Thomas Graber, Schulleiter ad interim «Leider gibt es das Fach Medienkompetenz noch nicht. Es war wichtig, dass Eltern und Schüler informiert werden. Es ist unsere Aufgabe, den Kindern aufzuzeigen, was sie beachten sollen und welche Gefahren lauern.»

Ruth Benz und Sonja Bossard Ruth Benz: «Ich denke, dass meine Kinder von diesem Abend einiges mitnehmen können.» – Sonja Bossard: «Ich kann nicht mehr, als meine Kinder über dieses Thema zu informieren, denn kontrollieren ist sehr schwierig.»

Janine Müler

Strafbare Handlung

Still wurde es im Saal, als Sedano auf die rechtlichen Konsequenzen verwies: Das Herumschicken von solchen Bildern ist strafbar, geht unter Kinderpornografie. Auch jene, die die Bilder produzieren, machen sich strafbar.

Für die Schüler der Kreisschule Oberstufe Oberes Suhrental dürften die zwei Fälle Einfluss auf die Handyregeln an der Schule haben. «Wir müssen die Regeln anpassen», sagt Thomas Graber.

«Kein Handy während der Schulzeit, auch nicht während der grossen Pause. Das ist eine klare Regel, die auch kontrolliert werden kann.» Die Handyregeln sollen bald mit dem Lehrerkollegium besprochen und dann eingeführt werden.