Mittleres Wynental

Verbandspräsident Martin Widmer zum Bezstreit: «Schulprojekt muss reaktiviert werden»

Wegen des Bezirksschul-Streits hat das mittlere Wynental die regionale Zusammenarbeit sistiert – der Gemeindeverbandspräsident Martin Widmer nimmt Stellung.

Rahel Plüss
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«Sistierung bedeutet Stillstand. Und das wollen wir nicht», sagt Martin Widmer, Präsident des Gemeindeverbands aagauSüd impuls. rap

«Sistierung bedeutet Stillstand. Und das wollen wir nicht», sagt Martin Widmer, Präsident des Gemeindeverbands aagauSüd impuls. rap

Rahel Plüss

Die Gemeinden Unterkulm, Oberkulm und Teufenthal haben wegen des Bezirksschulstreits mit der Kreisschule Homberg (Reinach) die gesamte regionale Zusammenarbeit sistiert. Sie kritisieren, dass im Rahmen des Gemeindeverbands aargauSüd impuls zunehmend Eigeninteressen einzelner Gemeinden dem Gedanken der regionalen Zusammenarbeit vorangestellt würden.

Nun hat der Gemeindeverband zu den Vorwürfen Stellung genommen. Der Vorstand bedaure den Entscheid der Gemeinden, heisst es in der Medienmitteilung. Insbesondere, weil es auch Projekte treffe, die gut unterwegs seien. Im Zusammenhang mit dem gescheiterten Schulprojekt (siehe Text rechts) hält aargauSüd impuls fest, «dass gerade in diesem Projekt vor allem die beteiligten Gemeindebehörden teilweise versagt» hätten.

Unglücklich sei der Umstand gewesen, dass eine externe Projektleitung engagiert worden sei. Das Projekt sei nicht konsequent und zielorientiert geführt worden. Die «Schweiz am Wochenende» hat den Verbandspräsidenten Martin Widmer zu den Hintergründen befragt.

Herr Widmer, Sie sagen, die Behörden hätten versagt. Das sind happige Vorwürfe an die Adresse der abtrünnigen Gemeinden. Was steckt dahinter?

Martin Widmer: Das ist nicht ein Vorwurf an die drei Gemeinden im mittleren Wynental, sondern an sämtliche Gemeinden. Es kann nicht sein, dass die Gemeindebehörden auf die Argumente einer Seite, in dem Fall auf die der Kreisschule Homberg, hören und zulassen, dass das Projekt «Schaffung einer Kreisschule» sistiert wird. Da hat aus unserer Sicht der politische Wille gefehlt, das Projekt durchzusetzen.

Sie stützen die Argumente der Gemeinden im mittleren Wynental?

Im Grundsatz haben sie nicht unrecht. Es ist gut, dass sie reagiert haben. Die Art und Weise respektive der Zeitpunkt war in meinen Augen nicht richtig.

Was heisst das konkret?

Man hätte zuerst das Gespräch mit uns suchen müssen. Die Sistierung der Zusammenarbeit auf der ganzen Linie ist der falsche Weg. Sistierung bedeutet Stillstand. Und das wollen wir nicht. Man kann ein Timeout machen, aber dann muss man konsequent sagen, wie und wann es weiter geht. Wir erwarten von den Gemeinden, dass sie die Zukunft der regionalen Zusammenarbeit noch einmal überprüfen und hoffen, dass sie die aktive Mitarbeit wieder suchen und unterstützen.

AargauSüd impuls schreibt, das Projekt sei nicht konsequent und zielorientiert geführt worden. Es lief aber unter dem Patronat des Gemeindeverbands. Üben Sie Selbstkritik?

Ja, in gewisser Weise schon. Ich will hier zwar einmal mehr betonen, dass wir bei dem Projekt «Schaffung einer Kreisschule» nur eine Beisitzerrolle hatten. Als Gemeindeverband versuchen wir, zu koordinieren, Projekte anzureissen und zum Fliegen zu bringen. Aber dafür müssen wir einen konkreten Auftrag und auch gewisse Kompetenzen von den Gemeinden haben. Diese hatten wir in diesem Fall nicht. Und hier übe ich Selbstkritik. Wir haben uns da zu wenig in Szene gesetzt. Wir hätten wahrscheinlich eingreifen und die Gemeinderäte auffordern müssen, das Zepter in die Hand zu nehmen und nicht einfach die operative Seite machen zu lassen.

Das fordert der Gemeindeverband jetzt in seiner Stellungnahme?

Das ist so. Man muss es immer positiv sehen. Wir wissen nun, wie man es nicht macht. Und die Konsequenz muss sein, diese Chance zu ergreifen und das Schulprojekt sofort aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Die politischen Verantwortungsträger – dazu gehört auch Menziken – müssen zusammen kommen, aus dem Vergangenen lernen, die Zukunft planen und vor allem die gleiche Sprache sprechen. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Wenn wir nichts machen, entscheiden andere Instanzen. Das Schulprojekt muss sofort reaktiviert werden.

Welche Rolle will aargauSüd übernehmen?

Wir vom Vorstand aus sind bereit, in diesem Gremium Einsitz zu nehmen und auch mitzuarbeiten, in welcher Form auch immer. Aber es muss klar festgehalten werden, dass der Gemeindeverband keine Staatsebene ist. AargauSüd impuls kann nicht befehlen – ausser wenn wir Kompetenz und Auftrag erhalten, bei einem bestimmten Projekt die Leitung zu übernehmen.

Das tönt nicht nach einem Riesenfrust?

Nein, wir sind nicht frustriert. Natürlich hat es uns getroffen, dass aargauSüd impuls als Prügelknabe herhalten musste. Und es tut uns leid, dass jetzt verschiedene Dinge vermischt werden, die nichts miteinander zu tun haben. Das gefährdet auch gut aufgegleiste Projekte.

Zum Beispiel das Zivilschutz-Fusionsprojekt Fusio2018, bei dem Sie Projektleiter sind?

Ja, es hat mich zuerst persönlich sehr getroffen, als Unterkulm androhte, auch dieses Projekt sistieren zu wollen – obwohl es ja gar nichts mit aargauSüd impuls zu tun hat, sondern im Auftrag des Kantons passiert. Insgesamt sind zwölf Gemeinden involviert. Unterdessen steht aber fest, dass alle drei Gemeinden im mittleren Wynental das Projekt an ihren kommenden Gemeindeversammlungen traktandieren werden. Darüber bin ich erleichtert.

Gescheitertes Schulprojekt ist Auslöser

Das Projekt «Schaffung einer Kreisschule» hatte zum Ziel, die Kreisschulen Homberg und Mittleres Wynental unter einer Führung zu vereinen. Dies im Hinblick auf die kantonalen Vorgaben, wonach Bezirksschulen ab Schuljahr 2021/22 in mindestens sechs Abteilungen zu führen sind. Das Vorhaben war im vergangenen Sommer aber abgebrochen worden. Die Interessen der beiden Schulen konnten nicht annähernd auf einen Nenner gebracht werden. Insbesondere die grössere Schule, die Kreisschule Homberg, sah keinen Bedarf für eine Zusammenarbeit. In der Folge fehlen der Kreisschule Mittleres Wynental nächstes Schuljahr zehn Schüler, um die erste Bez doppelt führen zu können. Die Kreisschule Homberg hat die künftigen Bezschüler der Gemeinden Zetzwil und Gontenschwil – die bis anhin Ortswahlfreiheit hatten – annektiert. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Gemeinden im mittleren Wynental haben die gesamte regionale Zusammenarbeit sistiert.