Grossratswahlen

Wahlkampf im Bezirk Kulm: Wie Barbara Borer, Philipp Härri und Lukas Spirgi um Stimmen kämpfen

Barbara Borer-Mathys, Philipp Härri und Lukas Spirgi kämpfen derzeit um jede Stimme. Wie SVP-Bezirkspräsidentin Borer und die beiden jungen Freisinnigen Härri und Spirgi unterwegs sind.

Urs Helbling
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Stets auf Achse: Philipp Härri, Barbara Borer und Lukas Spirgi befinden sich mitten im Wahlkampf.

Stets auf Achse: Philipp Härri, Barbara Borer und Lukas Spirgi befinden sich mitten im Wahlkampf.

Ueli Wild/Urs Helbling (Fotomontage: AZ)
Die Holzikerin Barbara Borer ärgert sich über SVP-Kollegen ohne Anstand.

Die Holzikerin Barbara Borer ärgert sich über SVP-Kollegen ohne Anstand.

Fabio Baranzini

Barbara Borer-Mathys: Die Mutter unter Zeitdruck

Barbara Borer-Mathys (37, Holziken) ist in diesem Wahlkampf Doppelfunktionärin: Einerseits möchte sie selber in den Grossen Rat gewählt werden, andererseits soll sie als Präsidentin der SVP-Bezirkspartei dafür sorgen, dass ihre Partei ihre vier Sitze verteidigen kann.

Das werde schwierig, erklärt Barbara Borer. Den vierten Sitz hat die Partei 2016 auch dank des Bertschi-Effekts gewonnen. «Karin Bertschi hat ausserhalb der Kernwählerschaft viele Stimmen geholt», sagt Borer. Im Bezirk Kulm treten alle vier Bisherigen wieder an. 2016 erreichte die SVP eine Wählerstärke von 42 Prozent.

«Leuten nicht wochenlang unsere Gesichter zumuten»

Es ist der erste Wahlkampf von Barbara Borer. Eines hat sie schnell gemerkt: «Politik ist sehr zeitintensiv.» Die Herausforderungen seien für eine Frau besonders gross: Die Rechtsanwältin erzählt von ihren siebenmonatigen Zwillingen und ihrem zweieinhalbjährigen Töchterchen. Vom eigenen Beruf und vom Mann, der in einem anspruchsvollen 100-Prozent-Job arbeitet. «Ohne grosse Unterstützung durch das Umfeld wäre die Politik nicht zu schaffen.» Zum Glück weiss die Familie, was es bedeutet zu kandidieren: Vater Hans Ulrich Mathys war zuletzt Nationalrat (1999 bis 2007).

Wegen Corona sei der Wahlkampf auf Bezirksebene nicht richtig in Schwung gekommen, erklärt Borer. Die beiden geplanten Grossveranstaltungen mit alt Bundesrat Adolf Ogi und Bundesrätin Viola Amherd in Holziken hätten abgesagt werden müssen. Bis am letzten Wochenende seien sie mit dem Aufstellen von Plakaten eher zurückhaltend gewesen.

«Doch seither gehen wir raus mit den Köpfen», sagt Borer. Warum der späte Start? «Wir wollen den Leuten nicht wochenlang unsere Gesichter zumuten. Irgendwann gibt es einen Effekt von Überdruss.» Barbara Borer selber möchte im Schlussspurt vor allem Zeit investieren, um mit potenziellen Wählern persönlich in Kontakt zu treten.

SVP Kulm will auf hohem Niveau anständig sein

Am letzten Wochenende feierte die SVP Kulm einen kleinen Sieg: Sie gewann mit Hans Nötiger einen Bezirksrichter-Sitz dazu. Dies zusammen mit zwei anderen Parteien. Das ist Borer wichtig: «Wir können im Bezirk Kulm mit den anderen Parteien, insbesondere der FDP, gut reden.» Auf kantonaler Ebene fehle ihr etwas der bürgerliche Schulterschluss.

Nach der Bezirksrichterwahl seien sie aber jetzt im Kampfmodus. «Dabei wollen wir aber auf hohem Niveau anständig sein», betont die SVP-Politikerin und fügt an: «Wir haben da in den eigenen Reihen ausserhalb des Bezirks nicht nur Vorzeigebeispiele.»

Der Reinacher Philipp Härri (l.) und der Lüpuer Lukas Spirgi vor dem «Prima» in Schmiedrued.

Der Reinacher Philipp Härri (l.) und der Lüpuer Lukas Spirgi vor dem «Prima» in Schmiedrued.

Urs Helbling

Philipp Härri und Lukas Spirgi: Die politischen Zwillinge

Sie haben vieles gemeinsam, sind beide jung, wohnen im Bezirk Kulm und möchten als Freisinnige in den Grossen Rat einziehen. Dabei haben die zwei unabhängig voneinander schon erste politische Erfolge vorzuweisen: Philipp Härri (30) brachte eben mit einem Antrag an der Gemeindeversammlung in Reinach die flächendeckende Einführung von Tempo 30 zu Fall. Lukas Spirgi (26) ist seit Februar 2019 Gemeinderat in Leutwil und führt dort das wichtige Ressort Finanzen und Ortsplanung.

Im Wahlkampf in alle 17 Gemeinden

Härri und Spirgi betreiben gemeinsam Wahlkampf. Sie besuchen alle 17 Gemeinden im Bezirks Kulm, machen in der Regel vor dem Dorfladen Halt. Am letzten Wochenende trotzten sie in Gontenschwil, Schmiedrued und Schlossrued dem Regen. An diesem Wochenende sind Reinach, Menziken und Burg an der Reihe – dann ist es geschafft. Sie sind mit Velo und Anhänger unterwegs. «Dieses Fortbewegungsmittel basiert auf dem eigenen Einsatz und der Muskelkraft. Es soll auch meinen Wahlslogan ‹Mit Feuer und Leidenschaft für unsere Region› verkörpern», sagt Härri.

Neben Give-aways (etwa Zündhölzer und Wasserflaschen) haben die beiden FDP-Männer ein Glücksrad mit dabei. «Wenn man die Besucher auffordert, am Glücksrad zu drehen, ergeben sich trotz Corona und dem Einhalten von Distanzen – viele interessante Begegnungen und Gespräche», berichtet Härri über seine Erfahrungen.

Am 18. Oktober ist viel möglich

Es ist sein dritter Wahlkampf. Spirgi war 2016 (damals erst 22 Jahre alt) auch schon dabei). Härri schaffte es auf den vierten Ersatzplatz (kandidiert jetzt auf dem zweiten Listenplatz), der junge Spirgi trieb das Feld vor sich her. Am 18. Oktober ist viel möglich: Die einzige Bisherige der FDP Kulm tritt nicht mehr an, und die Partei hat realistische Chancen ein zweites Mandat zu gewinnen.
Härri und Spirgi sind beides Ökonomen.

Der eine mit Studium an der HSG St. Gallen, der andere an der Uni Zürich. Härri arbeitet als Wirtschaftsprüfer, Spirgi ist Alleinbuchhalter in einer Anwaltskanzlei und macht eine Zusatzausbildung zum Gymnasiallehrer. Sie vertreten klassische freisinnige Positionen, Spirgi mit dem Motto «weniger ist mehr».

«Unsere Region droht in Vergessenheit zu geraten»

Gemeinsam haben sie die Liebe zur Heimat. Spirgi schreibt von sich: «Ich möchte die Interessen des Bezirks Kulm vertreten und die Lebensqualität in unserem Kanton nachhaltig steigern.» Und Härri sagt: «Unsere Region ist sehr lebenswert und hat einiges zu bieten, droht aber weit weg vom ‹Speckgürtel› gerne in Vergessenheit zu geraten.»