Reinach

Winzenried, Deubelbeiss und Miss Marple

Im TaB startet am 27. Februar ein kriminologisch-kultureller Zyklus der Kulturstiftung Pro Argovia

Peter Weingartner
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Peter Weingartner

«Tatort Aargau – Verbrechen, Ermittlung, Strafe». Das ist das Thema des diesjährigen Veranstaltungszyklus› der Kulturstiftung Pro Argovia. Traurige Aktualität nach den Morden von Rupperswil. Der lokale Aufhänger für den Start im Theater am Bahnhof freilich ist der Postraub von Reinach vor just 64 Jahren. Wie die Überschrift «Polizist oder Computer» vermuten lässt, geht es dabei um Methoden der Ermittlung.

Fall Deubelbeiss und Schürmann

Wie hat man damals ermittelt? 2010 kamen Deubelbeiss und Schürmann, die beiden Posträuber, als Theaterstück auf die TaB-Bühne. TaB-Präsident Clo Bisaz erinnert sich: «Wer ein Beret trug, war verdächtig.» Schliesslich überführte ein Zufall die Täter. Und heute? Erleichtern Pre-Crime-Programme die Arbeit der Polizisten, welche aufgrund der Daten die Einbrecher am Tatort erwarten?

Am 27. Februar moderiert Erich Obrist, Stiftungsratspräsident von Pro Argovia, ein Gespräch mit dem ehemaligen Aargauer Kripo-Chef Urs Winzenried und Willi Wottreng, der ein Buch über den Fall geschrieben hat. Bisaz liest daraus vor. Und vielleicht kommen auch noch Reinacher Zeitzeugen zu Wort. «Eine megaspannende Geschichte», sagt Erich Obrist, «und die Verbindung von Wissenschaft und Kultur, beziehungsweise Geschichte, entspricht dem Zweckartikel der Stiftungsstatuten.» Sie stammen übrigens aus dem Jahr 1952, als in Reinach über 100 Schüsse fielen.

Am 18. März geht es in der Bosshardscheune Windisch unter der Affiche «Therapie oder Strafe» um Kunst in der forensischen Psychiatrie. Jaqueline Fahrni, ehemalige Kuratorin der Sammlung Königsfelden, präsentiert in einem Referat Objekte und Bilder straffälliger Patienten. Ein Podiumsgespräch, unter anderem mit Josef Sachs, dem ehemaligen Leiter der Forensischen Psychiatrie in Königsfelden, kreist um die Themen Umgang mit psychisch kranken Straftätern, Funktion der Kunsttherapie und das Spannungsfeld Therapie und Strafe.

Der Müheler Meisterdieb, Schürzenjäger und Ausbrecherkönig Bernhart Matter steht im Zentrum des Anlasses vom 21. Mai in Muhen. Markus Kirchhofer und Mike Zeller wissen in einem Rundgang durch Matters Heimatdorf Interessantes und Kurioses zu erzählen. Sein Tod – er wurde 1854 in Lenzburg geköpft – führt folgerichtig zur letzten Veranstaltung des Zyklus: die Justizvollzugsanstalt Lenzburg. Eine Führung bringt nicht nur die Architektur näher, sondern auch den modernen Strafvollzug. Der Eintritt zu den Veranstaltungen kostet inklusive Apéro jeweils 30 Franken. Details unter www.proargovia.ch, www.tab.ch.