Schöftland

Wird die Raiffeisenbank Reitnau-Rued zu gross für eine GV?

Weshalb eine Generalversammlung der Raiffeisenbank Reitnau-Rued noch möglich ist.

Peter Weingartner
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Die Genossenschafter stimmen den Anträgen zu. Viele von ihnen sind eher wegen des anschliessenden Essens da. Peter Weingartner

Die Genossenschafter stimmen den Anträgen zu. Viele von ihnen sind eher wegen des anschliessenden Essens da. Peter Weingartner

Peter Weingartner

6604 Genossenschafterinnen und Genossenschafter sind zur Generalversammlung der Raiffeisenbank Reitnau-Rued eingeladen worden. 960 davon haben sich angemeldet, 872 sind anwesend. Und sie füllen die Dreifachturnhalle in Schöftland. Was, wenn alle ihr Recht wahrnähmen? Oder jeder Dritte? «Das ginge nicht mehr», sagt Verwaltungsratspräsident Hans Ulrich Ziswiler. Man hält sich an Erfahrungswerte: durchschnittlich 14 bis 15 Prozent besuchen die GV.

GV soll bleiben

Ziswiler steht klar hinter der Generalversammlung, auch wenn sie mit gut 100 000 Franken zu Buche schlägt. Man habe Alternativen diskutiert, sollte die Teilnehmerzahl ansteigen. Es gebe die Möglichkeit, die Kompetenzen an eine Delegiertenversammlung abzutreten, wie das grössere Genossenschaften praktizieren. Das sei schon ab einer Grösse von 500 Genossenschaftern möglich. Und dann wäre noch die schriftliche Urabstimmung. «Wir hoffen nicht, dass es so weit kommt», sagt Ziswiler. Zum Vergleich: Vor einem Jahr nahmen 760 (von 6422) Personen teil.

6,7...

...Prozent höher sind die Kundengelder 2016 ausgefallen: Sie stiegen um 28 Millionen auf 446 Millionen Franken. Die freien Reserven belaufen sich auf 24 Millionen Franken. Die Eigenmittel betragen 35 Millionen. Das Genossenschaftskapital stieg um 3,4 Millionen auf 4,69 Millionen Franken an. Dies dank Mehrfachzeichnungen von Anteilscheinen. Ein Mitglied kann maximal 25 Anteile zu 200 Franken besitzen. Sie werden zu zwei Prozent verzinst. Die Bank mit 27 Mitarbeitenden weist nach Steuern von 562 000 Franken einen Reingewinn von 486 000 Franken aus. (wpo)

«Banktechnisch ist die Generalversammlung für mich nicht wichtig», sagt Genossenschafter Jakob Kyburz aus Gontenschwil; seine Frau Margrit schätzt das Essen, das Treffen von Bekannten, das «Prichten». Die meisten sind wohl deswegen da.

Zeichen der Verbundenheit

Mehr als bloss ein gesellschaftlicher Anlass ist die Versammlung der Genossenschafter für Fritz Frehner aus Oberkulm. «Die Generalversammlung gehört zu einer Kultur, die man hochhalten sollte», sagt er. Und zwar im Interesse der Genossenschafter und der Bankleitung. Die Genossenschafter sehen die Bankverantwortlichen leibhaftig vor sich; Letztere müssen sich bei Bedarf direkt kritischen Fragen stellen. Und die Bankleitung verliert die Bodenhaftung nicht: «Das gibt eine andere Verbundenheit, und das ist wichtig.»

Fragen zum Geschäftsjahr 2016 gab es keine; nach einer Dreiviertelstunde waren die statutarischen Geschäfte abgehandelt. Dafür konnte der einzige Wortmelder, Werner Hochuli, sein Befremden über das (für alle Genossenschaften in der Schweiz einheitliche) Titelblatt der Einladung loswerden: Es zeigt Windräder auf dem höchstgelegenen Windpark Europas am Nufenenpass.

Raiffeisen ist Finanzpartnerin. Wie ein «Werbeprospekt für Windradhändler» sei ihm das vorgekommen, Werbung für die «Verspargelung der Landschaft», die ihn als Präsident der Windkraftgegner im Oberen Suhrental irritiert hat. Und weil sich die Gelegenheit dazu ergab, warb Werner Hochuli grad noch für ein Nein zum neuen Energiegesetz.