450 Überstunden angehäuft: Die Regionalpolizei Zurzibiet arbeitet am Limit

Die Aufgaben der Regionalpolizei Zurzibiet werden immer umfangreicher. Die zeitlichen Belastungen nehmen zu. Das zeigen die Zahlen aus dem Jahresbericht.

Daniel Weissenbrunner (Text und Bild) und Philipp Zimmermann (Grafiken)
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Repol-Chef René Lippuner (links) und Klingnaus Stadtammann Oliver Brun: Um das Wohl und die Sicherheit der Bevölkerung besorgt.

Repol-Chef René Lippuner (links) und Klingnaus Stadtammann Oliver Brun: Um das Wohl und die Sicherheit der Bevölkerung besorgt.

Daniel Weissenbrunner

Kaum hatte René Lippuner die Zahlen aus dem Jahr 2016 den Medien am Freitag vorgelegt, rief ihn bereits wieder die Pflicht. Alltag für den Chef der Regionalpolizei Zurzibiet. Lippuner eilte zum nächsten Einsatz.

Er und sein Team kümmern sich im Bezirk um die Sicherheit der Bevölkerung. Sie leisten Präventionsarbeit, führen Verkehrskontrollen durch, verhängen wenn nötig Bussen und rücken bei entsprechenden Hinweisen aus.

Über 1400 Einsätze leistete die Repol Zurzibiet, nach Aargau Süd die zweitkleinste Regionalpolizei im Kanton, im vergangenen Jahr. Das geht aus dem veröffentlichten Jahresbericht hervor. Lippuner sagt aber auch: «Mehr liegt kaum mehr drin.» Beim Aufwand sei man inzwischen am Limit angelangt. 14,5 Stellen stehen ihm total zur Verfügung. Die Mitarbeiter haben sich letztes Jahr 450 Überstunden angehäuft.

Keine zusätzlichen Mittel

Der Leistungsauftrag sieht einen Zweischichtbetrieb vor – sieben Tage die Woche (unter der Woche von 7.30 Uhr bis Mitternacht, am Wochenende bis 3.30 Uhr) plus Pikettdienst. Für eine Entlastung müssten zusätzliche Mittel gesprochen werden. Gefragt wäre hier die Politik. Oliver Brun, Stadtammann von Klingnau und Vorsitzender des Repol-Führungsausschusses, ist sich der Belastung der Repol bewusst, macht Lippuner aber gleichwohl wenig Hoffnung, dass sich am Status quo vorläufig etwas ändern werde. «Stand heute ist nicht davon auszugehen, dass mehr Ressourcen bereitgestellt werden können.» Oberstes Ziel sei, laut Brun, einen gut funktionierenden Service public anzubieten. Trotz der hohen zeitlichen Beanspruchung konnten laut René Lippuner diese Vorgaben erfüllt werden: Über 26'000 Stunden haben er und seine Leute im letzten Jahr geleistet (siehe Grafik).

Auffallend ist die massive Zunahme der Einsatzstunden bei der Sicherheit und Ordnung. Insbesondere bei der häuslichen Gewalt schoss 2015 die Zahl nach oben. Um 52 Prozent von 55 auf 78 Fälle. Gestiegen sind ausserdem die Amts- und Rechtshilfegesuche aus anderen Kantonen und dem Ausland. Durch die Verlagerung zugunsten der öffentlichen Sicherheit, führte die Repol im Zusammenhang mit dem Kriminaltourismus mehr Verkehrskontrollen durch. Signifikant zugenommen haben hier die Anzeigen wegen Trunkenheit am Steuer (+72 Prozent), Nichttragen der Gurten (+101), Nichtgewähren des Vortritts bei Fussgängerstreifen (+77) und Telefonieren während der Fahrt (+32). Bei den Geschwindigkeitskontrollen waren rund 17 Prozent der gemessenen Fahrzeuge zu schnell unterwegs.

60 Hotspots unter Kontrolle

Starke Präsenz markierte die Repol wie gewohnt an den Hotspots, von denen im Bezirk über 60 ständig kontrolliert werden. Entspannt habe sich die Lage erfreulicherweise in den Asylunterkünften, sagt Lippuner. Während die Unterkunft in Rekingen 2015 regelmässig Probleme bereitete, verzeichnete man, wie auch in Felsenau, keine nennenswerten Vorkommnisse.

René Lippuner verwies in seiner Präsentation auf einen kantonalen Vergleich. Der Bezirk Zurzach verzeichne unterdurchschnittlich wenig Einbrüche und Einschleichdiebstähle. Alles bestens? Nicht ganz: Die Repol Zurzibiet feiert heuer ihr zehnjähriges Bestehen. Wegen fehlender zeitlicher und finanzieller Kapazitäten wird auf einen Anlass für die Bevölkerung verzichtet.