Flugzeugabsturz Würenlingen
Alt-Gemeindeammann Schneider bei Gedenkfeier: «Wir kämpfen für Gerechtigkeit und gegen das Vergessen»

Heute vor 50 Jahren explodierte in einer Swissair-Maschine eine Bombe. Es ist immer noch eines der grössten Verbrechen der Schweizer Geschichte. Heute hat in Würenlingen die Gedenkfeier stattgefunden.

Deborah Gonzalez
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Gedenkanlass 50 Jahre Flugzeugabsturz Würenlingen 21.2.2020
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Viele Menschen sind gekommen, um den Opfern des Flugzeugabsturzes vor 50 Jahren in Würenlingen zu gedenken.
Ruedi Berlinger, Sohn des Piloten hat an der Gedenkfeier Dudelsack gespielt.
Der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (links), Alt-Nationalrätin Corina Eichenberger-Walther (Mitte) und Jacob Keidar (rechts), Botschafter Israels in Bern an der Gedenkfeier.
Der Sohn des Piloten des Unglückflugzeugs hat auch eine Rede gehalten.
Der Gedenkstein soll an die 47 Todesopfer erinnern.
Überall legen die Besucher Blumen ab.
Die Angehörigen der Opfer legen eine Schweigeminute ein.
Besucher, darunter auch Angehörige sind in den Wald gekommen, um die Opfer zu feiern.
Auf dem Rednerpult vor dem Gedenkstein werden Reden gehalten.
Eine Aufmerksamkeit der Gemeinde Würenlingen.
Mit einer Schweigeminute gedenken die Angehörigen den Opfern.
Ruedi Berlinger, Sohn des damaligen Kapitäns des Unglücksfliegers, entzündet die Kerzen vor dem Gedenkstein.
Nach seiner Rede tritt Jacob Keidar vom Rednerpult, um Blumen niederzulegen.
Viele Leute sind an die Absturzstelle im Wald bei Würenlingen gekommen, um den Opfern zu gedenken.
Peter Stoller aus Zürich: «Hier in diesem Wald habe ich vor 50 Jahren jemanden verloren, der mir sehr nahe stand.»
Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum eine Bombe. Sie war von palästinensischen Terroristen gelegt worden.
Nach der Bombenexplosion im Frachtraum stürzte die Coronado der Swissair ab.
Trümmerteile liegen nach dem Absturz verstreut im Wald von Würenlingen, ganz in der Nàhe des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) und des AKW Beznau.
Den ersten Helfern zeigt sich ein Bild des Grauens: Trümmer- und Leichenteile liegen verstreut im Wald.
Die Unglücksmaschine: Die Convair-990 Coronado HB-ICD der Swissair.
Passanten sehen sich die Trümmer des Flugzeuges an.
Der Swissair-Captain versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurückzufliegen. Doch Rauch im Cockpit verunmöglichte die Sicht.
Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben.
Pressekonferenz der Eidgenössischen Flugunfall-Kommission: Dr. Jakob Meier vom Wissenschaftlichen Dienst der Zürcher Stadtpolizei zeigt das grösste Trümmerteil. Dr. Jakob Meier vom Wissenschaftlichen Dienst der Zürcher Stadtpolizei zeigt das grösste Trümmerteil.
Die Trümmer der Maschine.
Ehrenzermonie nach der Ankunft der Körper der israelischen Opfer auf dem Flughafen Lod inahe Tel Aviv am 6. März 1970.
Die Trümmer der Maschine.
Links ein neuer, rechts der in den Trümmern gefundene, zerstörrte Höhenmesser, der die Explosion im Frachtraum auslöste.
Ein Wegweiser führt in Würenlingen zum Denkmal bei der Absturzstelle im Wald.
In der Tonhalle in Zürich fand am 26. Februar 1970 eine Trauerfeier statt.
Die Bundesräte Roger Bonvin (links) und Ernst Brugger (rechts) bei der Trauerfeier in der Tonhalle in Zürich.
Bei Würenlingen wird am 7. März 1971 an der Absturzstelle eine Gedenkstätte eingeweiht.
Die Gedenkfeier am 18. Februar 1990 beim Denkmal auf der Absturzstelle.
Der mutmassliche Attentäter, Sufian Radi Kaddoumi.

Gedenkanlass 50 Jahre Flugzeugabsturz Würenlingen 21.2.2020

Keystone

Um genau 13.34 Uhr ist es 50 Jahre her. Am 21. Februar 1970 stürzte in einem Waldstück in Würenlingen eine Swissair-Maschine neun Minuten nach Start in Zürich auf dem Flug nach Tel Aviv ab. 47 Menschen starben. Geklärt wurde der Fall bis heute noch nicht. Palästinensische Terroristen sollen die Bombe gezündet haben. Vor Gericht kamen sie aber nie.

Heute, 50 Jahre später findet in genau diesem Waldstück die Gedenkfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes statt. Schon um Mittag treffen die ersten Leute ein. Langsam füllt sich der Ort. Einige legen Kerzen bei dem Gedenkstein nieder. Auch Peter Stoller ist gekommen. Er ist Angehöriger eines Opfers und spricht darüber, was damals passiert ist: «Hier in diesem Wald habe ich vor 50 Jahren jemanden verloren, der mir sehr nahe stand.» Ähnlich wie ihm geht es vielen der Besucher. Sie alle wollen den Opfern gedenken.

Pünktlich eröffnen Ruedi Berlinger, Sohn des damaligen Kapitäns, und seine Partnerin die Feier. Sie spielen «Amazing Grace» auf dem Dudelsack. Ansonsten herrscht absolute Stille im Wald. Die vielen Besucher würden zeigen, dass der Tag nicht vergessen werde, sagt Berlinger.

«Die Trauer wird nicht kleiner»

Dann tritt der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati ans Rednerpult. Das Flugzeug habe eine Schneise in den Wald gerissen und ebenso eine Schneise in die Herzen der Angehörigen. «Die Trauer wird nicht kleiner, die Ergriffenheit ist auch 50 Jahre danach gleich gross», sagt er. Der Kanton Aargau habe seit 50 Jahren alles in seiner Macht stehende getan, damit die Hintergründe aufgeklärt werden, so Gallati weiter. Leider sei es trotzdem nie gelungen, die Attentäter zur Verantwortung zu ziehen.

Doch genau das wolle die Bevölkerung. «Die Angehörigen warten weiterhin auf Antworten auf die Frage, was damals geschah», sagt der ehemalige Würenlinger Gemeindeammann Arthur Schneider. Heute aber sei nicht der Tag, um Schuldzuweisungen zu machen. «Heute stehen die Opfer im Zentrum.»

Doch das möchte er nicht so ganz stehen lassen: «Die Bundesanwaltschaft zeigte kein Mitgefühl.» Für die Angehörigen habe es kein Care-Team gegeben. Aus dem und weiteren Gründen, seien sie die «Helden von Würenlingen».

Es wird von einem Terroranschlag gesprochen

Unter den 47 Opfern waren 15 israelische Staatsbürger. Darum trat auch Jacob Keidar, Botschafter Israels in Bern, ans Pult. «Mit gesenktem Kopf und Trauer im Herzen denken wir an alle Familien, deren Leben bei diesem Terroranschlag auf den Kopf gestellt wurden», sagt er.

Und weiter: «Es steigen mir jedes Mal die Tränen in die Augen, wenn ich die letzten Worte des Kapitäns höre: ‹Goodbye everybody›.» Er spricht von einem Terroranschlag. Nach der Rede tritt Keidar vom Rednerpult, um Blumen niederzulegen. Danach wurde unter anderem das jüdische Totengebet «Kaddish» vorgetragen. Auch ein katholischer Seelsorger und ein evangelisch-reformierter Pfarrer sprachen Gebete.

Arthur Schneider spricht das Schlusswort: «Wir kämpfen weiter für Gerechtigkeit und gegen das Vergessen.» Und so wie der Gedenkanlass begonnen hat, endet er auch: Mit einem Dudelsackspiel von Ruedi Berlinger.

Den genauen Verlauf der Gedenkfeier vom Freitagmittag können Sie hier im Newsticker im Detail nachlesen: