Bad Zurzach
Alterszentrum Pfauen vermietet bald ganze Pflegeabteilung – für schweizweit einzigartiges Projekt

Das Zentrum für Pflege und Betreuung Pfauen in Bad Zurzach arbeitet ab August mit der Rückenwind Plus AG. Diese will eine Versorgungslücke im Schweizer Gesundheitswesen schliessen.

Stefanie Garcia Lainez
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Im Bad Zurzacher Generationenhaus befindet sich der Pfauen und die Kita des Vereins Tagesstrukturen Cheschtenebaum.

Im Bad Zurzacher Generationenhaus befindet sich der Pfauen und die Kita des Vereins Tagesstrukturen Cheschtenebaum.

Bild: Sandra Ardizzone

Über 96 Pflegezimmer verfügt das Zentrum für Pflege und Betreuung Pfauen in Bad Zurzach – 24 davon stehen zurzeit leer. Ab kommendem August ändert sich das: Ab dann vermietet der Pfauen einen der vier Flügel an die Rückenwind Plus AG. Das Unternehmen werde eine Versorgungslücke im Schweizer Gesundheitswesen schliessen, schreibt die Emil-Burkhardt-Stiftung, die Gründerin und Betreiberin des Pfauen.

Heute haben beispielsweise Para- oder Tetraplegiker nach einer Spitalbehandlung oder beim Ausfall von pflegenden Angehörigen nur zwei Möglichkeiten: Entweder gehen sie in eine teure Spezialklinik wie jener in Nottwil; oder sie müssten in ein Pflegezentrum, das weder über das entsprechende Personal, die entsprechende Kostendeckung noch über das entsprechende Know-how verfügt. Das Angebot der Rückenwind Plus AG bietet nun ab August eine spezialisierte Übergangslösung auch für Menschen mit einer neurologischen Erkrankung wie Parkinson, multiple Sklerose und amyotrophe Lateralsklerose.

Die Kosten für einen Aufenthalt sollen dereinst die Krankenkassen übernehmen. Das kantonale Departement Gesundheit und Soziales bereite eine entsprechende Vorlage an den Regierungsrat zur Aufnahme auf die Spitalliste vor.

«Keine Verflechtungen»: Peter Lude und Sabine Felber treten aus Stiftungsrat zurück

Hinter der Rückenwind Plus AG, die vom Pfauen unabhängig ist, stehen Vizeammann Peter Lude und Sabine Felber. Beide gehören auch dem Stiftungsrat an. «Damit hier keine Verflechtungen entstehen, treten beide spätestens per Ende Juli, also vor Eröffnung der Abteilung, aus dem Stiftungsrat zurück», heisst es in der Mitteilung. Der Stiftungsrat werde gemeinsam mit dem Gemeinderat als Wahlbehörde die Nachfolge regeln.

Daniel Holenstein, Stiftungsratspräsident Emil-Burkhardt-Stiftung.

Daniel Holenstein, Stiftungsratspräsident Emil-Burkhardt-Stiftung.

Bild: zvg

Seit der Gründung der Rückenwind Plus AG im vergangenen August sei eine Zusammenarbeit mit dem Pfauen im Raum gestanden, sagt Stiftungsratspräsident Daniel Holenstein auf Anfrage. «Ursprünglich war angedacht, dass die Rückenwind Plus AG mit zwölf Betten startet und später auf 24 erhöht.» Aufgrund der Unterbelegung wegen Corona übernehme die Rückenwind Plus AG nun von Beginn weg 24 Betten.

Durch die Vermietung erhalte der Pfauen ein zusätzliches Standbein, das Planungssicherheit schaffe. Die Rückenwind Plus AG muss die eigene Abteilung selber neu aufbauen, nicht aber in die Einrichtung investieren und kann sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, die spezialisierte Pflege für Menschen mit Querschnittlähmung oder querschnitttähnlichen Symptomen bei neurologischen Erkrankungen.

Für den Betrieb braucht die Rückenwind Plus AG spezialisiertes Personal. Zu Entlassungen im Pfauen kommt es durch das neue Mietverhältnis aber nicht. «Die Mitarbeitenden werden auf anderen Abteilungen gebraucht», sagt Daniel Holenstein.

Im Mietpreis der neuen Pflegeabteilung inbegriffen sind die Hauswartung, die Reinigung der Zimmer und der übrigen Flächen, das Waschen der Patienten-, Bett- und Personalwäsche sowie die Verpflegung der Patienten. «Die neue Abteilung der Rückenwind Plus AG wird keine völlig losgelöste Organisation sein», sagt Holenstein. Ziel sei ein reger Austausch der beiden Einrichtungen.

«Stabilisierung des Generationenhauses» sei wichtig

Erst vergangene Woche verliess Geschäftsleiter Thomas Jehle überraschend den Pfauen. Die Zusammenarbeit des Pfauen mit der Rückenwind Plus AG sei deshalb für Bad Zurzach, insbesondere für das Generationenhaus, eine Chance zum richtigen Zeitpunkt, heisst es in der Medienmitteilung. Die Stabilisierung des Generationenhauses mitten im Flecken sei sehr wichtig.