Zurzibiet

Beatrice Schärer kennt alle Steuer-Kniffe

Beatrice Schärer arbeitet für den Steuererkärungsdienst der Pro Senectute Bezirk Zurzach. Pro Jahr betreut die pensionierte Angestellte der Gemeinde Döttingen rund 15 bis 20 Kunden. Im ganzen Bezirk beanspruchen ungefähr 150 Personen den Dienst.

Nadja Rohner
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Beatrice Schärer arbeitet für den Steuererklärungsdienst der Pro Senectute Bezirk Zurzach.

Beatrice Schärer arbeitet für den Steuererklärungsdienst der Pro Senectute Bezirk Zurzach.

Nadja Rohner

Die Steuerrechnung 2013 ist verschwunden – aber allzu weit weg kann sie nicht sein. Frau Meier (Name geändert) durchsucht ihr Wohnzimmer. Wir sind irgendwo im Studenland, in einem sehr, sehr abgelegenen Haus, fast im Wald. Frau Meier lebt ganz alleine hier, allzu fit ist die alte Dame nicht mehr. Hat sie keine Angst? «Wovor? Es weiss doch gar niemand, dass es hier noch Häuser hat.» Bei den Einkäufen und der Korrespondenz hilft ihr eine Bekannte. Und einmal im Jahr, noch vor dem Frühling, kommt Beatrice Schärer. Sie arbeitet beim Steuererklärungsdienst der Pro Senectute Aargau für den Bezirk Zurzach und macht für Frau Meier schon seit mehreren Jahren die Steuererklärung.

«War alles gut letztes Mal?» ist eine der ersten Fragen, die sie der alten Dame stellt. «Sehr gut», sagt Frau Meier, und findet in diesem Moment die letztjährige Steuerrechnung. Nun fehlt noch der Zusammenzug der Krankenkasse, wo alle selbstgetragenen Krankheitskosten vermerkt sind. «Es wäre schade, wenn wir die nicht abziehen könnten», sagt Schärer. «Haben Sie denn noch irgendwo ein ‹Biigeli› ungeordnete Dokumente?»

Frau Meier sucht weiter. Währenddessen beteuert Schärer, diese Klientin sei eigentlich sehr gut auf den Besuch des Steuererklärungsdiensts vorbereitet – wie die meisten: «Wer sich bei der Pro Senectute Beratungsstelle anmeldet, erhält eine Checkliste. Darauf sind alle Dokumente aufgelistet, die wir fürs Ausfüllen brauchen.» Schärer sagt «wir» – aber ihre Klienten haben eigentlich nicht viel zu tun. Sie übergeben der Expertin alle Dokumente, Schärer nimmt sie mit nach Hause und erledigt die Steuererklärungen dort mit der Software Easy Tax. Mit den fertigen, ausgedruckten Formularen geht sie noch einmal bei den Klienten vorbei und holt sich die Unterschrift – und manchmal bringt sie das grosse Couvert sogar noch zur Post. So einfach geht das.

Nicht alle Senioren sind reich

Inzwischen hat Frau Meier weitere Dokumente gefunden. «Hier ist er ja», sagt Schärer und zieht zufrieden den Brief der Sanitas aus dem Stapel. «Erhalten Sie jetzt Ergänzungsleistungen?», will sie von Frau Meier wissen. Noch nicht. Frau Meiers steuerbares Vermögen ist knapp zu hoch. Dafür bekommt sie jetzt Hilflosenentschädigung. Schärer hat sie darauf hingewiesen, dass sie diese doch beantragen könne. Auch dafür sei der Steuererklärungsdienst gut, sagt sie: «Oft wissen die Klienten gar nicht, was sie alles abziehen können oder wofür sie finanzielle Unterstützung zugut hätten.» Auch Frau Meier nicht.

Früher hat sich ihr Mann um alles gekümmert, heute ist sie verwitwet, und es habe gedauert, bis sie «die Papiere im Griff hatte». Die Hilflosenentschädigung ist nicht hoch, aber «ein Sackgeld», wie Schärer sagt. Reich ist Frau Meier nicht, sie lebt sehr einfach. Überhaupt sei es längst nicht so, dass alle älteren Leute viel Geld haben, so Schärer, im Gegenteil. Deshalb kostet der Steuererklärungsdienst der Pro Senectute auch nicht für alle gleich viel: Es gibt Verrechnungsstufen, die sich nach der finanziellen Situation der Klienten richten.

Der Mindestansatz liegt bei 25 Franken und steigt je nach Einkommen und Vermögen. Schärer erhält einen symbolischen Betrag für ihre Arbeit. «Ich mache es ja auch nicht fürs Geld, sondern weil es eine schöne Aufgabe ist. Dazu gehört auch, dass man sich mit den Leuten hinsetzt und ein wenig mit ihnen plaudert. Man merkt dann, dass man jemandem etwas Gutes tut.» Was sie bei ihren Besuchen antreffe, berühre sie tief: «Ich sehe, wie einsam Senioren oft sind und wie dankbar, wenn sie wieder einmal Besuch bekommen». Und es gebe auch schöne Momente: «Zu sehen, wie betagte Leute noch selbstständig zu Hause wohnen können, oder wie Ehepaare auch im hohen Alter noch zufrieden zusammen leben, gibt einem viel Zuversicht.»

Pro Jahr betreut die pensionierte Angestellte der Gemeinde Döttingen rund 15 bis 20 Kunden – immer Anfang Jahr, bei Todesfällen macht sie auch unterjährige Steuererklärungen. Im ganzen Bezirk Zurzach nehmen ungefähr 150 Personen den Dienst in Anspruch – «Es dürfen gerne noch mehr sein», sagt Schärer. «Aber vielen ist der Steuererklärungsdienst gar nicht bekannt. Oder sie trauen sich nicht, Hilfe zu holen.» Die Klienten müssen sich selber bei der Pro Senectute in Bad Zurzach melden, dann wird ihnen ein Experte vermittelt. So war es auch bei Frau Meier. Jemand hatte sie auf den Dienst aufmerksam gemacht, und sie ist froh darüber: «Wunderbar» mache Beatrice Schärer das. «Sind Sie nächste Woche zu Hause, damit ich noch mal vorbei kommen kann?», fragt Schärer zum Abschied. «Immer», sagt Frau Meier. «Ich bin hier und lerne, alt zu werden.»

Der Steuererklärungsdienst für Menschen ab 60 Jahren der Pro Senectute Bezirk Zurzach ist erreichbar unter Tel. 056 249 13 30