Bad Zurzach

«Dieses Projekt ist für uns wie eine Ohrfeige»

Eine Gruppe von Gegnern der Ostumfahrung hat eine Petition eingereicht. Sie wollen bis zum Letzten kämpfen, wie sie sagen. Franz Nebel, Gemeindeammann von Bad Zurzach, findet das falsch.

Corinne Rufli
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Das Streitobjekt, die Ostumfahrung Bad Zurzach, soll unter dieser Strasse durchführen und oben am Hang offen verlaufen. Walter Schwager

Das Streitobjekt, die Ostumfahrung Bad Zurzach, soll unter dieser Strasse durchführen und oben am Hang offen verlaufen. Walter Schwager

«Wir kämpfen bis zum Letzten», sagt Claudia Jordi aus Bad Zurzach. Sie ist direkt betroffen von der geplanten Ostumfahrung in Bad Zurzach. Ihr gehört ein Teil des Landes am Lusthüsli-Hang – dort, wo die Umfahrungsstrasse gebaut werden soll. «Der Gemeinderat hat mir angeraten, das Land zu verkaufen», sagt Jordi. «Wenn ich das nicht tun würde, könnte man mir das Land sogar enteignen.»

Doch so weit soll es nicht kommen: Die Gegner haben sich zusammengeschlossen und eine Petition eingereicht. Damit wollen sie verhindern, dass die Ostumfahrung bei der Gesamtrevision des Richtplans als Festsetzung eingetragen wird. In nur drei Tagen haben sie 135 Unterschriften gesammelt. Die Petition ging an die Gemeinde und den Kanton.

Mit der Petition wehrt sich ein Teil der Bevölkerung gegen die von Gemeinde und Kanton ausgearbeitete Umfahrungsvariante. Diese soll durch ein ruhiges Wohnquartier führen und nur teilweise überdeckt sein. Die Kosten belaufen sich auf 50 Mio. Franken.

«Der Gemeinderat hat immer gesagt, es gebe eine komplette Untertunnelung», sagt Susanna Foster aus bad Zurzach. «Dass das jetzt nicht mehr so ist, befremdet mich.» Sie könne nicht nachvollziehen, dass man dem Volk überhaupt so ein unausgereiftes Projekt unterbreite.

Beyeler sucht den Dialog

Auch Elsbeth Wengi aus Bad Zurzach setzt sich gegen die Umfahrung ein: «Für uns ist das Projekt wie eine Ohrfeige.» Es sei Zeit für einen Marschhalt, man müsse zur Besinnung kommen. «Es ist das kleinere Übel, jetzt aufzuhören, als eine schlechte Lösung durchzuziehen.» Sie könne nicht verstehen, dass es für einen kleinen Ort wie Bad Zurzach gleich 2 Umfahrungen brauche.

«Mit dieser Variante wird das Naherholungsgebiet rücksichtslos verschandelt», sagt Wengi. «Vom historischen Lusthüsli-Hang her hat man eine wunderbare Sicht auf den Flecken. Nachher gibts dort Stütz- und Schallmauern.»

«Sind denn die Menschen, die genau dort leben, wo die Umfahrungsstrasse nicht gedeckt ist, Bürger zweiter Klasse?» fragt Antonio Ritter aus Bad Zurzach. Er sieht die Variante als schlechten Kompromiss und fordert, dass nach weitläufigeren Lösungen für eine Verkehrsentlastung gesucht werden muss.

Regierungsrat Peter Beyeler hatte das Gespräch mit den direkt Betroffenen gesucht und ihnen eine zusätzliche Überdeckung zugesagt. Doch Claudia Jordi meint dazu: «Das Gespräch mit den Behörden und dem Regierungsrat Beyeler ist sehr schwierig. Sie wollen nicht mehr zurück. Sie wollen das einfach durchziehen, weil sie schon viel investiert haben.»

Nebel von der Petition überrascht

Franz Nebel, Gemeindeammann von Bad Zurzach, freut sich nicht sonderlich über die Petition der Gegnerschaft. «Wir sind überrascht über die vielen Leute, die unterschrieben haben. Es ist aber das gute Recht der Stimmbürger. Die Frage ist, ob der Zeitpunkt sinnvoll ist.»

Seiner Ansicht nach gibt es für die Bad Zurzacher Bevölkerung noch viele Mitsprache-Möglichkeiten. Er nennt die Abstimmung über den Kredit, das Auflageverfahren oder das Baugesuch. «Wir sind der Meinung, dass es der falsche Weg ist, die Planung jetzt abzuklemmen.» Der Gemeinderat habe auch dafür gesorgt, dass im Richtplan nur «Ostumfahrung Bad Zurzach» festgesetzt werden soll und nicht, welche Variante.

«Wenn es aber nicht zu einer Festsetzung im Richtplan komme», sagt der Gemeindeammann, «dann könnte das zu einer Verzögerung von 20 Jahren führen.» Nebel bleibt aber optimistisch: «Ich sehe die Planung nicht in Gefahr».

In den nächsten Tagen wird die zuständige Kommission des Grossen Rates über der Gesamtrevision des Richtplanes brüten.