Leuggern

Domspatzen sorgen in der ausverkauften Kirche für Glücksmomente

Der weltbekannte Chor aus Regensburg verzauberte 650 Besucher in der Kirche St. Peter und Paul.

Rosmarie Mehlin
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Regensburger Domspatzen

Regensburger Domspatzen

Badener Tagblatt

Was Spatzen von den Dächern pfeifen, ist vorwiegend Getratsche. Domspatzen hingegen pfeifen nicht, sie singen, wobei manch ein Domspatz den Mund aufsperrt, wie ein hungriges Spatzenkind im Nest. Domspatzen aber wollen nicht gefüttert werden. Aus ihren Kehlen dringen vielmehr so zauberhaft-reizvolle Töne, dass gar manchem Zuhörer vor lauter Begeisterung und Freude förmlich der Mund offen stehen blieb. So geschehen am Samstagabend im, bis auf den letzten Platz besetzten Gotteshaus in Leuggern.
Die anno 2003 gegründete Stiftung Kirche St. Peter und Paul lädt seit 2007 jeweils im Advent zu einem Benefizkonzert. Nach unter anderem «Furbaz», dem Chor der Klosterschule Disentis und den Mainzer Hofsängern, konnten fürs diesjährige Konzert die Regensburger Domspatzen, einen der ältesten und bekanntesten Chöre der Welt, engagiert werden. Seinen Ursprung hat der Chor in der, 975 am Bischofssitz gegründeten Domschule. Seit 1964 gehen die Domspatzen alljährlich auf eine Konzerttournee, die sie nebst durch Europa bisher unter anderem auch nach China, Japan, Südafrika und auf die Philippinen geführt hat. Heuer haben die 34 Buben und 22 jungen Männer zwischen Konzerten in Regensburg selbst, in Bietigheim-Bissingen und Friedrichshafen, Station in Leuggern gemacht.
Aus fünf Jahrhunderten

Nicht nur Präsident Beat Elsener und die weiteren Stiftungsmitglieder strahlten vor Glück – auch die Gesichter der über 650 Besucherinnen und Besucher begannen zu leuchten, kaum hatte der Chor Männer sich im Halbrund vor Domkapellmeister Roland Büchner aufgestellt. Seit 1994 leitet Büchner als erster Nicht-Geistlicher den Chor.

Sein Vorgänger Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI, hatte das Amt 30 Jahre inne gehabt. Roland Büchner hatte mit den zwischen 10 und 19 Jahre alten Sängern ein vielseitiges Programm mit Kompositionen aus sechs Jahrhunderten einstudiert – teils in Latein, teils Deutsch gesungen. Die glockenhellen Stimmen der Buben, gemeinsam oder im Wechselgesang mit den kraftvollen Tenören und Baritonen der Adulten zogen im ersten Teil unter anderem mit Johannes Brahms («O Heiland reiss den Himmel auf»), Bruckners «Ave Maria», einem gregorianischen Choral, aber auch mit zeitgenössischen Kompositionen, wie dem «Ave maris stella» des Briten Philip Stopford in Bann.
In der Pause wurde gar so manches bekannte Gesicht entdeckt – nicht nur aus dem Zurzibiet, auch aus Baden, Wettingen, Nussbaumen, Spreitenbach waren Gäste da. Viele von ihnen stiessen im Party-Zelt neben der Kirche auf den beglückenden Abend an. Dieser brachte im zweiten Teil auch vier Soli, darunter eines von J.S. Bach («Ermunt’re dich, mein schwacher Geist») und «Mariä Wiegenlied» von Max Reger. Den zarten, noch ungebrochenen Stimmen der Jüngsten zu lauschen, waren besondere Höhepunkte. Der wohl Gefühlseligste aber war das «Stille Nacht, heilige Nacht», bei dem vom Chor nur die Silhouetten sichtbar waren.
Mit der Matura ist Schluss

Die Domspatzen besuchen Musikgymnasium, das sie mit einer «ganz normalen» Matura abschliessen. Es ist eine reine Knabenschule der auch ein Internat angeschlossen ist. Nebst den üblichen Fächern mit Latein, spielen alle Schüler ein Instrument nach Wahl. Zusätzlich wird wöchentlich eine Lektion Stimmbildung sowie täglich eineinhalb Stunden Gesang unterrichtet. Die Matura in der Tasche, bedeutet zwingend das Ende als Domspatz.