Emil Welti

Einer der grössten Staatsmänner des Landes kam aus Zurzach – nun liegt die Biografie über ihn vor

Emil Welti (1825 - 1899) war Bundesrat und gilt als «Der Schweizer Bismarck». Jetzt ist eine Biografie erschienen. Die geplante Präsentation in Bad Zurzach musste wegen Corona aber abgesagt werden.

Louis Probst
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Emil Welti (1825–1899). HO

Emil Welti (1825–1899). HO

Nach einer Spurensuche, die mehr als zehn Jahre gedauert hat, ist vor kurzem die Biografie «Bundesrat Emil Welti. 1825–1899» von Claudia Aufdermauer und Heinrich Staehelin erschienen. Am Samstag hätte im Gemeindezentrum Langwies in Bad Zurzach die Buchvernissage – mit alt Bundesrätin Doris Leuthard, der Verfasserin des Vorwortes – stattfinden sollen. Aufgrund der Coronapandemie musste der Anlass abgesagt werden.

Den Anstoss für die Biografie des aus Zurzach stammenden, liberalen Politikers hatte vor vierzehn Jahren der 2008 verstorbene alt Ständerat und Regierungsrat Hans Jörg Huber gegeben. In der Folge übernahm die Historische Vereinigung des Bezirks Zurzach unter der Leitung vom Max Kalt die Federführung für das Projekt.

2007 wurde der Verein «Projekt Biografie Emil Welti» gegründet, der von Andrea Voellmin präsidiert wird. Als Autoren konnten Claudia Aufdermauer, Historikerin und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Alfred-Escher-Stiftung, sowie Heinrich Staehelin, Historiker, früherer Geschichtslehrer an der Alten Kantonsschule Aarau und Verfasser des zweiten Bandes «Der Geschichte des Kantons Aargau» gewonnen werden.

«Der Schweizer Bismarck»

Der Bundesrat aus Zurzach – den das «Biografische Lexikon des Aargaus» zu den «grössten Staatsmännern unseres Landes im 19. Jahrhundert» zählt – ist zweifellos eine faszinierende Persönlichkeit. Das kommt nicht zuletzt darin zum Ausdruck, dass er zuweilen als «schweizerischer Bismarck» betitelt worden ist. Was nach den Autoren der neuen Biografie nicht nur auf eine gewisse Ähnlichkeit des späteren Welti mit dem «Eisernen Kanzler» zurückzuführen ist.

Auch andere Gründe hätten für einen Vergleich gesprochen, stellen sie fest: «Bismarck war gleichzeitig wie Welti an der Macht. Obwohl sie sich nie persönlich getroffen hatten, freute sich Welti über Bismarcks entscheidende Stellungnahmen zu Gunsten der Gotthardbahn. Welti und Bismarck hatten beide Rechtswissenschaften studiert und vertraten ähnliche politische Positionen.»

So schien auch Welti nicht allzu viel von der Meinung des Volkes zu halten. «Volkswünsche sind für mich nur so lange massgebend, als sie mit meiner Überzeugung übereinstimmen», soll er jedenfalls 1862 im Grossen Rat geäussert haben. Und wie Bismarck konnte auch Welti mit der politischen Mitwirkung der Bevölkerung und den «sozialen Fragen», nicht viel anfangen.

Welti sah sich als Teil einer Elite, die legitim gewählt, dazu berufen war, mit bestem Wissen und Gewissen über die Angelegenheiten des Volks zu entscheiden. Das soll aber Weltis grosse Verdienste als Bundesrat – vor allem um das Eisenbahnwesen, um die Modernisierung der Armee und das Rechtswesen – sowie als aargauischer Regierungsrat in einem bewegten Abschnitt der Geschichte des Kantons – Stichwort Judenemanzipation – keineswegs schmälern.

«Die Bilanz von Weltis Leistungen als Erziehungsdirektor darf sich sehen lassen, manche Teile seines Werks sind bis heute erhalten geblieben», so Heinrich Staehelin. «Die je nach Zeitraum und Quelle positiven beziehungsweise negativen Darstellungen von Welti scheinen sich diametral gegenüberzustehen und bisweilen unvereinbar zu sein», stellen jedenfalls die Autoren fest.

Steile Karriere innerhalb von wenigen Jahren

Die Spurensuche von Heinrich Staehelin und Claudia Aufdermauer beginnt mit einem Blick auf «Weltis Welt», auf die Zeit um 1825, als der spätere Bundesrat, als Sohn des Jakob Friedrich Welti und der Barbara Welti-Fischhaber in Zurzach das Licht der Welt erblickte. Sie folgt seinem Weg, der ihn, über die Kantonsschule Aarau und Studien der Rechtswissenschaften in Jena und Berlin, zurück nach Zurzach führte, wo er 1847 als Fürsprecher eine eigene Anwaltspraxis eröffnete. Und sie zeichnet seine steile politische Karriere nach: 1852 Präsident des Bezirksgerichtes Zurzach. Im März 1856 Grossrat. Bereits am 2. April des gleichen Jahres Regierungsrat. 1857 Ständerat. 1866 Bundesrat.

Am 8. Dezember 1891 Erklärung des Rücktrittes nach der Ablehnung des Rückkaufes, respektive der Verstaatlichung, der Centralbahn in der Volksabstimmung. Am 24. Februar 1899 verstarb Emil Welti in Bern.

Das Buch von Claudia Aufdermauer und Heinrich Staehelin zeigt – sorgfältig eingebettet in das jeweilige politische und gesellschaftliche Umfeld – nicht nur den Politiker Emil Welti, sondern auch den Menschen. Dabei kommt auch die Rolle, die er in der Affäre seiner Schwiegertochter Lydia Welti-Escher und des Kunstmalers Karl Stauffer-Bern spielte, zur Sprache.