Corona-Pandemie

Essen aus dem Spital beliebter denn je – Hochbetrieb für den Mahlzeitendienst des Spitals Leuggern

Der Mahlzeitendienst des Spitals Leuggern wird in der Coronakrise rege genutzt. Gerade in den ersten paar Tagen nach dem Lockdown stieg die Nachfrage rasant an. Noch aber herrscht in der Spitalküche ansonsten Normalbetrieb.

Larissa Gassmann
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Mahlzeitendienst Spital Leuggern (08.04.2020)
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Sein Mahlzeitendienst erlebte in Zeiten der Pandemie einen regelrechten Anstrum.
Angehörige der Riskogruppe können sich auf diese Weise fixfertige Speisen vor die Haustüre liefern lassen.
In der heimischen Mikrowelle oder im Backofen können die bis zu fünf Tage haltbaren Gerichte aufgewärmt werden.
Trubel und Hektik ist sich Bundi als Koch gewohnt. Trotzdem hätte er wohl kaum mit einer derart grossen Nachfrage gerechnet.
Die Coronakrise fordert auch ihn, selbst wenn im Spital derzeit nur dringnd nötige Eingriffe vorgenommen werden.
Schutzhandschuhe sind Pflicht: In der Küche werden die Hygienevorschriften genauestens eingehalten und befolgt.
Solange sein Team aus genügend Angestellten besteht und keiner ausfällt, will Roland Bundi den Normalbetrieb aufrechterhalten.

Mahlzeitendienst Spital Leuggern (08.04.2020)

Roland Bundi

Kaum war der Lockdown in der Schweiz beschlossenen Sache, läutete das Telefon im Asana Spital Leuggern Sturm. Der gefragteste Mann? Küchenchef Roland Bundi. Nach dem Entscheid des Bundesrates wurde sein Mahlzeitendienst nahezu überrannt. Die in Kunststoffschalen ausgelieferten und im Spital Leuggern hergestellten Gerichte sind bei Angehörigen der Risikogruppe beliebter denn je. Fixfertige Speisen wie Schweinsschnitzel an Kräutersauce oder Tofuragout können auf diese Weise unkompliziert im Backofen oder der Mikrowelle erwärmt werden.

«Personen, die sich sonst nur ab und an meldeten, haben vermehrt Bestellungen aufgegeben. Unter den Anrufern waren auch viele Neukunden, die mehr oder weniger selbstständig sind, bedingt durch die aussergewöhnliche Lage aber auf unsere Dienste angewiesen sind», sagt Bundi.

Vor knapp zwei Jahren wurde der Mahlzeitendienst des Spitals Leuggern lanciert, durch den Kontakt mit Spitex-Organisationen aus dem Einzugsgebiet entstand schnell ein fester Kundenkreis, der sich nun einmal mehr vergrösstert hat. Im Vergleich zu Anfang März ist die Nachfrage nicht mehr derart stark angestiegen. Trotzdem wird Bundi als Leiter Hotellerie noch immer gehörig auf Trab gehalten. «Das Ganze hat sich wieder etwas beruhigt. Jetzt haben sich wohl viele darauf eingestellt. Die Zahl der Bestellenden bleibt allerdings konstant hoch.»

«In der Küche ist die Maskenpflicht schon speziell»

Um die fünfzig Mahlzeiten produziert sein Team mittlerweile pro Tag für den Lieferdienst, dreimal pro Woche werden diese von freiwilligen Helfern ausgeliefert. Das Einzugsgebiet umfasst rund zwanzig Gemeinden, darunter beispielsweise Kleindöttingen, Wil oder Koblenz. Weil sich im Normalfall pensionierten Personen – und somit Angehörige der Risikogruppe – für die Verteilung verantwortlich zeigten, musste rasch eine andere Lösung gefunden werden. Ein im Spital tätiger Zivildienstler und seine Kollegin, die als Lehrperson nun über mehr freie Zeit verfügt, liefern die Gerichte in Zeiten der Pandemie aus.

Die Einhaltung der Hygienevorschriften spielt bei der Verteilung eine noch grössere Rolle als sonst. «Die Auslieferungen sind mit viel Distanz verbunden. Früher hat man oft noch einen Schwatz abgehalten und die neuen Bestellungen gleich vor Ort aufgenommen», sagt Bundi. «Wer per E-Mail bestellen kann, erledigt das nun auf diese Weise oder meldet sich per Telefon. So geht das Persönliche etwas verloren.»

Auch die tägliche Arbeit in der Küche bedurfte einigen Anpassungen. Ein schnelles Abschmecken der Gerichte? Dank COVID-19 nicht mehr möglich. Bei der Arbeit gilt es, Abstände einzuhalten und eine mögliche Krankheitsübertragung so gut wie möglich zu verhindern. «In der Küche ist die Maskenpflicht schon ein bisschen speziell. Mittlerweile kommen wir damit aber gut zurecht», sagt Bundi.

Die Menschen vor Ort so gut wie möglich verpflegen

Ungewohnt ist auch der strenge Start in den Tag. Damit die Mahlzeiten um zwölf Uhr bereit für die Auslieferungen sind, müssen alle eine Stunde früher als sonst mitanpacken. Die Tage beginnen dank Corona nun bereits um sechs Uhr. Weil weniger Patienten vor Ort sind, werde immerhin die Abende gelassener angegangen. «Im Spital selbst ist es zurzeit relativ ruhig, da nur noch dringende Eingriffe vorgenommen werden. Falls der Ansturm grösser werden sollte, wären wir küchentechnisch aber gut aufgestellt», sagt Bundi.

Was eingefroren und vorproduziert werden kann, wird nach erledigt. Bisher musste das Küchenteam von Bundi glücklicherweise keine Ausfälle verkraften. Sollte sich dies ändern, so wäre vorgesorgt. «Im Notfall könnten wir auch mit weniger Personal den normalen Ablauf gewährleisten», so Bundi.

Am Menüplan des Spitals wurden vorerst keine Änderungen vorgenommen, selbst wenn nun auswärtige Besucher wegbleiben. Personal und Patienten sollen gleichermassen kulinarisch verwöhnt werden.«Solange wir genug Leute sind, möchte ich die Menschen vor Ort weiterhin so gut wie möglich verpflegen», sagt Bundi.

Mahlzeitendienst Spital Leuggern: 056 269 49 13