Rietheim

Fairer Ausgleich stellt (fast) alle zufrieden

Seit Herbst 2009 haben der Gemeinderat Rietheim, der Kanton und Pro Natura in einem Mediationsverfahren über die Auenrenaturierung gestritten. Jetzt liegt das Ergebnis vor. Es stellt alle Beteiligten mehr oder weniger zufrieden.

Peter Jacobi
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An der gut besuchten Informationsveranstaltung informierten der Gemeinderat Rietheim, der Kanton und Pro Natura. Rietheims Gemeindeammann Beat Rudolf ging auf die intensiven und teilweise heftigen Mediationsgespräche zwischen Gemeinderat, Pro Natura und der Abteilung Landschaft und Gewässer ein.

Unter der Leitung von Mediator Emanuel Wassermann konnte von Herbst 2009 bis Herbst 2010 eine Lösung erarbeitet werden, die aus Sicht aller Beteiligten einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Standortgemeinde Rietheim gewährleistet.

Das Projekt «Chly Rhy»

Beim Projekt «Chly Rhy» ist die Öffnung eines Seitenarms des Rheins geplant, welcher mit einem künstlich befestigten Einlauf gesichert ist, der die Wassermenge kontrolliert.

Damit bleibt der Hochwasserschutz im bisherigen Rahmen gewährleistet und der Rheinuferweg durchgängig öffentlich benutzbar. Vizeammann Christian Schneider stellte die Vereinbarung im Detail vor. Als Bauherr tritt eine Co-Bauherrschaft auf, bestehend aus der Abteilung Landschaft und Gewässer und Pro Natura.

Eine wichtige Funktion hat die Begleitkommission mit Vertretern der Gemeinde Rietheim, die den Planungsprozess, den Bau und den Unterhalt begleitet.

Moratorium bis 2020

Wenn die Vertragsparteien keine frühere Realisierung einer zweiten Etappe des Auenprojektes wünschen, besteht ein Moratorium bis Ende 2020. In dieser Zeit werden die Erfahrungen mit dem Projekt ausgewertet. Die Vereinbarung hält auch fest, wie die betroffenen Parzellen bis zur vollständigen Realisierung bewirtschaftet werden dürfen. Festgelegt ist auch, wie Erosionsschäden, Schäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen, die der Biber verursacht, abgegolten werden.

Zu reden geben werden die Abgeltungen für einzelne Parzellen und der Landabtausch. An der Ortsbürgergemeindeversammlung vom 10. Juni 2011 und an der Einwohnergemeindeversammlung vom 17. Juni wird zu den künftigen Eigentumsverhältnissen Beschluss gefasst.

Projektleiter Ulysses Witzig von der Pro Natura sprach von einem «Herzstück des Auenschutzes». Der Rhein bei Rietheim ist die einzige Fliessstrecke am Hochrhein, der sonst von Stauwehr zu Stauwehr gebremst wird. Durch die Aktivierung des Seitenarms entsteht eine neue Dynamisierung am «Chly Rhy». Neue Pflanzen und Tiere finden hier ihren Platz, der Naturwert wird gesteigert.

Neuer und interessanter Rundweg

Erik Olbrecht von der Abteilung Landschaft und Gewässer ging auf die Details des Projekts «Auenrenaturierung Rietheim» ein. Der Einlauf bringt ganzjährig Wasser in den Seitenarm. Ein Wanderweg bietet Sicht auf das vielfach strukturierte Auengebiet. Mit den neuen Wegen zusammen ergibt sich ein Rundweg im Erholungsgebiet für die ganze Familie. Der Grillplatz wurde verschoben und befindet sich neu im interessanten Mündungsbereich. Für den Unterhalt des Wegnetzes sowie des geplanten Parkplatzes ist das Departement Bau, Verkehr und Umwelt zuständig.

Spatenstich soll 2012 erfolgen

Zum Schluss ging Gemeindeammann Beat Rudolf auf das weitere Vorgehen ein. Wenn die Gemeindeversammlungen dem Landabtausch zustimmen, wird eine Begleitgruppe das bilaterale Gespräch mit den direkt Betroffenen suchen. Ein grosses Anliegen ist Beat Rudolf der Hochwasserschutz und besonders die Sicherheit des «Paradieslihofes», mitten auf dem Rietheimerfeld.

Rund vier Millionen Franken wird die Ausführung kosten. Davon übernimmt der Bund 40 bis 60 Prozent. Für die Gemeinde Rietheim bleibt das Projekt kostenneutral. Sie profitiert von bestem Landwirtschaftsland und erhält ein natürlich geprägtes Bijou.