Klingnau
Gegner und Befürworter kreuzen die Klingen: Braucht es mehr Sportplätze im Grie?

Am 29. November entscheidet das Klingnauer Stimmvolk an der Urne über den Projektierungskredit über 110'000 Franken für die geplanten Sportanlagen im Grie. Am Samstag lud der Stadtrat Gegner, Befürworter und Interessierte zu einer offenen Diskussion ein.

Alexander Wagner
Merken
Drucken
Teilen
Der Klingnauer Stadtrat Kuno Schumacher (links) erlaeutert noch einmal das Projekt.
6 Bilder
Es geht um einen Projektierungskredit über 110'000 Franken für Sportplätze im Grie.
Unter anderem um einen zweiten Fussballplatz für den FC Klingnau.
Der heutige Fussballplatz liegt ausserhalb der Bauzone und in weniger als vier Jahren läuft der Pachtvertrag mit dem Kanton Aargau als Grundeigentümer aus.
Kuno Schumacher zeigt auf dem Plan, wo die Plätze geplant sind.
Der Reitverein Klingnau und Umgebung ist auf einen wetterunabhängigen Turnierplatz angewiesen.

Der Klingnauer Stadtrat Kuno Schumacher (links) erlaeutert noch einmal das Projekt.

Alex Wagner

Die Spieler des FC Chiasso aus der Challenge League dürften sich bei ihrer Schweizer-Cup-Partie vor zwei Jahren in Klingnau nicht schlecht gewundert haben, als sie nach dem Umziehen in der Kabine einen rund 600 Meter langen Fussmarsch zum Spielfeld hinter sich legen mussten. Natürlich ist nicht jeden Tag der FC Chiasso zu Gast auf dem Grie in Klingnau. Und bei Sommerwetter mag dies vielleicht noch als kleine Aufwärmübung gelten.

Doch nirgends sonst im Kanton Aargau sind die Kabinen so weit vom Fussballplatz entfernt wie in Klingnau. Der Gang in die Kabine Bei Matchpausen ist schlichtweg unmöglich. Doch beim Projektierungskredit von 110000 Franken für die geplanten Sportanlagen im Grie, einige hundert Meter vom aktuellen Fussballplatz entfernt und neben dem Schwimmbad gelegen, geht es um mehr als nur einen neuen Kunstrasenplatz für den FC.

Der FC Klingnau im Duell gegen den FC Chiasso (in Weiss) im Schweizer Cup 2018: Auf dem Platz im Grie hat der Fussballklub zu wenig Platz, damit alle 19 Mannschaften trainieren können.

Der FC Klingnau im Duell gegen den FC Chiasso (in Weiss) im Schweizer Cup 2018: Auf dem Platz im Grie hat der Fussballklub zu wenig Platz, damit alle 19 Mannschaften trainieren können.

Archiv/Severin Bigler

Am 29. November stimmen die Klingnauer an der Urne über den Kredit ab, nachdem Gegner erfolgreich das Referendum gegen das Ja an der Sommergmeind ergriffen hatten. Am Samstag diskutierten Stadtrat, Befürworter und Gegner bei einer Begehung vor Ort über das Projekt.

Der Reitverein Klingnau und Umgebung ist auf einen wetterunabhängigen Turnierplatz angewiesen. So können die Reiter auf einem neuen Sandplatz ihre Concours und Dressurprüfungen auf dem aktuellen Niveau durchführen. Diese sind eine der wichtigsten Einnahmequellen des Vereins.

Auch die beiden Hundevereine aus Klingnau möchten weiterhin mit ihren Vierbeinern trainieren: Sowohl für den Schäferhundeclub als auch den Kynologischen Verein Klingnau sind ihre Veranstaltungen und Wettkämpfe ebenfalls ein wichtiger Posten im Budget.

Die Visualisierung zeigt die favorisierte Variante für die Sportplätze. Die Start- und Landepiste für die Modellflieger wurde allerdings gestrichen. (links oben).

Die Visualisierung zeigt die favorisierte Variante für die Sportplätze. Die Start- und Landepiste für die Modellflieger wurde allerdings gestrichen. (links oben).

ZVG

Gegner stören sich vor allem am Lärm

«Dies ist erst ein Konzept. Und ein Konzept ist noch kein Projekt», betonte Stadtrat Kuno Schumacher bei der Orientierung und Begehung, bevor er von den Gegnern, allesamt Anwohner, vehement angegangen wurde.

Es ging immer wieder um das Thema Lärm: Sei es von den Fussballern im Training oder von den Zuschauern der Reiter und Kicker, vom Verkehr der Reitsportler oder Hündeler, die ins Grie fahren, von allfälligem Lärm eines Clubhauses oder gar dem Lärm der wiehernden oder bellenden Vierbeiner. Deshalb machen sich die Quartierbewohner auch mit Flugblättern für ein «Nein» an der Urne stark.

Im Grie befindet sich jedoch gemäss Bau- und Nutzungsordnung die einzige Zone, in der die Stadt Klingnau Sportanlagen errichten und unterhalten kann. Dabei lassen die Einsprecher ein Argument nicht gelten: «Für die Sportinfrastruktur gibt es gar keinen anderen Weg», betonte Stadtammann Reinhard Scherrer. Um dann zu ergänzen: «Wenn es jetzt ein Nein an der Urne gibt, dann geht über zehn oder gar zwanzig Jahre nichts mehr.»

Im Grie befindet sich gemäss Bau- und Nutzungsordnung die einzige Zone, in der die Stadt Klingnau Sportanlagen errichten und unterhalten kann.   

Im Grie befindet sich gemäss Bau- und Nutzungsordnung die einzige Zone, in der die Stadt Klingnau Sportanlagen errichten und unterhalten kann.   

Alexander Wagner

Der Reitsportverein würde dann vermutlich vor dem Aus stehen. Und auch der FC Klingnau – immerhin in den Top Acht des Kantons Aargau – steht vor einer sehr ungewissen Zukunft: Wo sollen das Fanionteam in der 2. Liga interregional und die weiteren Mannschaften trainieren? Und ihre Cup- und Meisterschaftspartien austragen?

Der heutige Fussballplatz liegt ausserhalb der Bauzone und in weniger als vier Jahren läuft der Pachtvertrag mit dem Kanton Aargau als Grundeigentümer aus. Und der Stadtammann erinnerte noch einmal eindringlich daran, welch wertvolle Jugendarbeit alle Vereine im Städtchen leisten.

Der Stadtrat gab am Samstag offen zu, dass längst noch nicht alle Fragen beantwortet seien. Um präzise Aussagen zum Bauprojekt machen zu können, auch zu den effektiven Kosten und ihrer Finanzierung, müsse jetzt die Projektierungsphase gestartet werden können. Dann könne mit allen Beteiligten, auch den Gegnern des Projekts, eine Version ausgearbeitet werden, mit der alle leben – und vor allem die Vereine weiterleben können.