Im neusten Streich der Freilichtbühne erwachen die 70er zu neuem Leben

Theaterbegeisterte engagieren sich für das neue Spektakel «Open Air 70» der Freilichtbühne Surbtal. Darin geht es um die 70er-Jahre, un Aufbruchstimmung und die rebellische Jugend samt Generationenkonflikt.

Rosmarie Mehlin
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29 Figuren umfasst das Stück «Open Air 70». Geprobt wird vorerst noch in kleineren Gruppen.

29 Figuren umfasst das Stück «Open Air 70». Geprobt wird vorerst noch in kleineren Gruppen.

Rosmarie Mehlin

Umgeben von Wiesen, Ackerland und vereinzelten Bäumen steht der Forstwerkhof Tegerfelden mitten in einer ruhigen Idylle. Doch rund um das stattliche Gebäude geschehen zurzeit abends bisweilen seltsame Dinge: Ein klappriger roter VW-Bus mit über 50 Jahren auf dem Blech tuckert heran. Eine kunterbunte Schar junger und älterer Menschen tummelt sich vor dem Werkhof – ein Gigolo mit Hut im hellen Anzug, eine Serviertochter mit weissem Schürzchen. Einer scheint Metzger zu sein, ein anderer Bauer. Eine Trockenhaube wie zu Omas Zeiten steht herum, etwas entfernt sind Bistrotische, Stühle und eine Art Theke aufgebaut, auf einem Regal liegen leere «Onkel Benn’s»-Reisschachteln.

Was sich da tut? «Open Air 70» entsteht – der jüngste Streich der Freilichtbühne Surbtal. Noch dauert es rund 15 Wochen bis zur Premiere – fast ebenso lange wird bereits geprobt. «Mitte Februar hatten wir mit den ersten Leseproben begonnen», klärt Regisseur Gallus Ottiger auf. Er war nicht nur Initiant der Freizeitbühne, sondern auch der Autor und Regisseur aller Produktionen: Angefangen hatte es 2011 mit der «Surbtalbande», 2013 waren im August «Tell» in Böbikon sowie im September das «Epochen-Karussell» im Rahmen des Endinger Sommerfestes gefolgt.

Rollen auf den Leib geschrieben

Und nun also «Open Air 70» in Tegerfelden. «Die Idee zu diesem Spektakel spukte schon sehr lange in meinem Kopf herum. Denn die 70er-Jahre haben mich schon als Jugendlicher fasziniert», bekennt Gallus Ottiger mit Jahrgang 1966. Es gehe in dem Stück um die Aufbruchstimmung in der Bautätigkeit und der Musik jener Jahre, über die rebellische Jugend und den Generationenkonflikt. Diesmal, sei er, so der Lengnauer weiter, als Autor anders als in den vorherigen Produktionen vorgegangen: «Zuerst habe ich vor einem Jahr ein Casting durchgeführt und dann die Rollen den Mitwirkenden auf den Leib geschrieben.» 29 Darstellerinnen und Darsteller sind mit von der Partie – der jüngste 10-, der älteste 67-jährig – neun von ihnen sind neu dabei.

Ein Vielfaches an Fachleuten, Helferinnen und Helfern stehen als gute Geister ausserhalb des Scheinwerferlichts im Einsatz. «Nicht nur sämtliche 74 Vereinsmitglieder engagieren sich in irgend einer Form an der Produktion, auch andere machen motiviert und engagiert mit», strahlt Vereinspräsident Ives Jordi.

Ferien vor dem Endspurt

Gegenwärtig besonders fleissig am Wirken ist beispielsweise Daniela Pfändler aus Lengnau. Stolz trägt sie das pinkfarbene T-Shirt mit den Aufschriften «Open Air 70» auf der Brust und «Freilichtbühne Surbtal» auf dem Rücken. Pfändler ist für die Kostüme verantwortlich – für Miniröcke und Servierschürzchen, Sonnenhut und Metzgerhemd, wie sie in den 70ern Mode waren. Ruhig und souverän organisiert Corinne Waldvogel aus Ehrendingen als Regieassistentin unter anderem die gesamte aufwendige Organisation der Proben.

«Wir proben jede Woche an drei Abenden. Dabei müssen vorläufig noch nicht immer alle Schauspieler gleichzeitig präsent sein», sagt Ottiger. Zwischen Juli und August gehen die «Open Air 70»-Macher drei Wochen in die Ferien, um danach frisch gestärkt den Endspurt bis zur Premiere am 3. September in Angriff zu nehmen. Dazu gehört auch eine vierköpfige Live-Band, welche von Christian Antonius Müller eigens komponierte Musik spielt. Ermöglicht wird das ambitionierte Projekt durch eine stattliche Reihe von Sponsoren.

Das Freilichtspektakel «Open Air 70» feiert am 3. September Premiere und wurd bis zum 19. September beim Forstwerkhof Tegerfelden 11-mal aufgeführt.

Umfrage: Das erzählen diese fünf Personen von ihrem Theater-Engagement:

Gallus Ottiger, Rasenberater aus Lengnau «Als Autor finde ich es jedes Mal aufs Neue schön, wie aus einem weissen Blatt plötzlich auf 60 Seiten eine Geschichte entsteht. Und wie aus ersten Gedanken schliesslich Figuren werden, die ich dann als Regisseur zum Leben erwecken kann. Ich arbeite gerne mit Schauspielern und fluche als Regisseur auch gerne ab und zu über den Autor.»

Gallus Ottiger, Rasenberater aus Lengnau «Als Autor finde ich es jedes Mal aufs Neue schön, wie aus einem weissen Blatt plötzlich auf 60 Seiten eine Geschichte entsteht. Und wie aus ersten Gedanken schliesslich Figuren werden, die ich dann als Regisseur zum Leben erwecken kann. Ich arbeite gerne mit Schauspielern und fluche als Regisseur auch gerne ab und zu über den Autor.»

Rosmarie Mehlin
Stefan Kloter, Sanitärinstallateur aus Lengnau «Ich bin seit dem Anfang bei der Freilichtbühne Surbtal dabei; Theaterspielen ist ein grosses Hobby von mir, in ‹Open Air 70› bin ich der Opa Heiri. Ich mag die Kollegialität und die Spannung zu Beginn der Proben, wenn man nicht weiss, wie sich alles entwickelt und was schliesslich herauskommt. Klar, manchmal kostet es auch Nerven.»

Stefan Kloter, Sanitärinstallateur aus Lengnau «Ich bin seit dem Anfang bei der Freilichtbühne Surbtal dabei; Theaterspielen ist ein grosses Hobby von mir, in ‹Open Air 70› bin ich der Opa Heiri. Ich mag die Kollegialität und die Spannung zu Beginn der Proben, wenn man nicht weiss, wie sich alles entwickelt und was schliesslich herauskommt. Klar, manchmal kostet es auch Nerven.»

Rosmarie Mehlin
Poldi Thumann, 4.-Klässler aus Lengnau «Ich war schon vor zwei Jahren im ‹Tell› in Böbikon dabei. Da habe ich Walterlis kleinen Bruder gespielt. Es macht total Spass, in so verschiedene Rollen zu schlüpfen. Hier spiele ich den Schüler Eugen. Das ist ein ganz cooler Typ. Ich bin auch ziemlich cool, spiele in der Freizeit Unihockey, Handball und fahre Rennvelo.»

Poldi Thumann, 4.-Klässler aus Lengnau «Ich war schon vor zwei Jahren im ‹Tell› in Böbikon dabei. Da habe ich Walterlis kleinen Bruder gespielt. Es macht total Spass, in so verschiedene Rollen zu schlüpfen. Hier spiele ich den Schüler Eugen. Das ist ein ganz cooler Typ. Ich bin auch ziemlich cool, spiele in der Freizeit Unihockey, Handball und fahre Rennvelo.»

Rosmarie Mehlin
Diana Patrizio, Operations- und Notfallschwester aus Untersiggenthal «Auf einer Bühne das eigene Ich ablegen und eine Seite von sich auszuleben, die man sonst vielleicht nicht preisgibt – das fasziniert mich. Ich spiele auch in anderen Gruppen Theater und werde von meinem Mann dabei unterstützt. Hier spiele ich die Coiffeuse Iris; persönlich gehe ich jeweils gerne zum Coiffeur.»

Diana Patrizio, Operations- und Notfallschwester aus Untersiggenthal «Auf einer Bühne das eigene Ich ablegen und eine Seite von sich auszuleben, die man sonst vielleicht nicht preisgibt – das fasziniert mich. Ich spiele auch in anderen Gruppen Theater und werde von meinem Mann dabei unterstützt. Hier spiele ich die Coiffeuse Iris; persönlich gehe ich jeweils gerne zum Coiffeur.»

Rosmarie Mehlin
Christian Antonius Müller, Berufsmusiker aus Tegerfelden «Ich habe Klavier und Komposition studiert und es freut mich sehr, dass ich als Komponist für ‹Open Air 70› engagiert worden bin. Ich habe auch, nach Vorgaben, die Songtexte geschrieben. Was musikalisch von mir erwartet wird, geht ganz in Richtung Progressive Rock, wie er in den 60er-Jahren entstand und mir sehr entspricht.»

Christian Antonius Müller, Berufsmusiker aus Tegerfelden «Ich habe Klavier und Komposition studiert und es freut mich sehr, dass ich als Komponist für ‹Open Air 70› engagiert worden bin. Ich habe auch, nach Vorgaben, die Songtexte geschrieben. Was musikalisch von mir erwartet wird, geht ganz in Richtung Progressive Rock, wie er in den 60er-Jahren entstand und mir sehr entspricht.»

Rosmarie Mehlin