Zurzibiet

Im Turnverein Zurzach fing alles an – heute fährt dieser Olympiamedaillen-Gewinner gerne Velo

Ulrich Bächli gewann Bob-Olympiamedaillen und nahm am Ironman teil. Inzwischen fährt der gebürtige Zurzibieter Velo-Langstreckenrennen.

Silvana Schreier, Daniel Weissenbrunner
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Knapp drei Wochen benötigte Ulrich Bächli vom Nordkap bis an den Bodensee.

Knapp drei Wochen benötigte Ulrich Bächli vom Nordkap bis an den Bodensee.

zvg

Seine sportlichen Höhepunkte füllen fast zwei A4-Seiten. Fein säuberlich hat Ulrich Bächli die Erfolge aufgelistet. Vor wenigen Wochen kam er von seinem bisher längsten Velorennen nach Hause. 4142 Kilometer strampelte er ab. Vom Nordkap in Norwegen bis nach Bregenz am Bodensee. Mit seinen 69 Jahren war er der älteste Teilnehmer. In etwas mehr als 20 Tagen erreichte er das Ziel.

Die sportliche Karriere von Bächli, der in den Zurzibieter Gemeinden Endingen und Zurzach aufgewachsen ist, begann 1968 als schnellster Jugendlicher in der Schweiz über 110 Meter Hürden. «Eigentlich wollte ich in meiner Schulzeit Radrennfahrer werden. Meine Eltern brachten mich aber davon ab.» So fing er mit Leichtathletik an. Nach einem halben Jahr Training verbuchte der damals 17-Jährige erste Erfolge. «Es lag mir einfach», sagt Bächli, der im Turnverein Zurzach gross wurde. Darum fasste er die Olympischen Spiele 1972 ins Auge: Um zwei Zehntelsekunden verpasste er die geforderte Limite.

Knapp drei Wochen benötigte Ulrich Bächli vom Nordkap bis an den Bodensee.

Knapp drei Wochen benötigte Ulrich Bächli vom Nordkap bis an den Bodensee.

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Von Olympia-Teilnahme im Radio erfahren

Kurz darauf tat sich für ihn aber die nächste Türe auf. Bobweltmeister René Stadler suchte neue Anschieber für seinen Viererbob. Zwei Winter lang trainierte Bächli, der heute im solothurnischen Erlinsbach wohnt, mit zwei verschiedenen Teams. Dann ging es 1976 an die Olympischen Winterspiele. «Das ist der Traum eines jeden Sportlers.» Und dieser ergab sich für Bächli unerwartet: Er war mit dem Auto auf dem Heimweg von den Schweizer Meisterschaften St. Moritz. Während der Fahrt hörte er Radio. Plötzlich hiess es: «Und Bächli hat sich auch qualifiziert.» Als Ersatzmann reiste er nach Innsbruck. Als Silbermedaillen-Gewinner kam er mit dem Team um Pilot Erich Schärer wieder nach Hause.

Es folgten zahlreiche weitere Erfolge: ein Jahr darauf Silber an den Weltmeisterschaften in St. Moritz, der Schweizer-Meister-Titel sowie der zweite Platz an den Weltmeisterschaften im amerikanischen Wintersportort Lake Placid im Jahr 1978. «Dann wollte ich eigentlich aufhören», sagt Bächli. Er sei damals frisch verheiratet gewesen, sei mit seiner Frau nach Erlinsbach gezogen und habe einen neuen Job begonnen.

Doch sie haben ihn immer wieder angefragt. Sein Können als Anschieber wurde gebraucht. So holte Bächli 1982 nochmals Bronze an der Europameisterschaft, Silber an der Weltmeisterschaft und Gold an der Schweizer Meisterschaft. 1984 verabschiedete er sich endgültig vom Bobsport. «Ich sagte ihnen: Jetzt müsst ihr einen Jüngeren suchen», erzählt der zweifache Vater und lacht.

Bächli kehrte dem Sport aber keinesfalls den Rücken, im Gegenteil. «Ich liess meine alte Liebe, das Velofahren, aufleben.» Er trainierte für den Ironman-Triathlon auf Hawaii. Eine Badmeisterin brachte Bächli das Kraulschwimmen bei. 1985, 1986 und 1990 nahm er schliesslich am bedeutendsten Triathlon der Welt teil.

Ab 2001 konzentrierte sich Bächli nur noch auf den Sport auf zwei Rädern. «Seither bin ich fast jedes Jahr ein verrücktes Rennen gefahren.» 1230 Kilometer auf der Paris-Brest-Tour. 540 Kilometer von Trondheim nach Oslo. 1527 Kilometer von Hamburg über Berlin nach Köln und wieder zurück. «Ich getraue mich nicht, mit dem Sport aufzuhören», sagt Bächli. Sein Vater sei nicht sportlich, aber in vielen anderen Engagements aktiv gewesen. Als er diese aufgrund seiner Gesundheit habe aufgeben müssen, sei er «drei Mal schneller gealtert». Bächli: «Das hat mich geprägt.»

«Nur» zehn Stunden am Tag auf dem Velo

Darum startete er am 20. Juni um Mitternacht seine bisher längste Velotour. Sie führte ihn durch Norwegen, Finnland, die baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Deutschland und Österreich. «Es war für mich Sport und Ferien gleichzeitig», sagt Bächli. Darum sei er nur etwa zehn Stunden pro Tag auf dem Sattel gesessen, während die Fahrer an der Spitze 15 bis 18 Stunden radelten. Unterwegs war Bächli auf sich gestellt. «Wenn man fünf Tage lang in Lappland auf der einzigen Strasse nach Süden durch den Wald fährt, kann einem langweilig werden», meint der Ausdauersportler.

Solche Touren würden denn auch mehr vom Kopf als vom Körper abhängen. Er geniesst das Strampeln aber auch: «So kann ich richtig abschalten.» Und die 20-tägige Reise habe ihn von einer schlechten Angewohnheit befreit: «Zuvor habe ich zu viel Fernsehen geschaut. Jetzt bin ich geheilt.» Zu seinen ehemaligen Turnkollegen in Bad Zurzach pflegt Bächli nach wie vor Kontakt. «Wir treffen uns regelmässig und lassen die guten alten Zeiten aufleben.»