Bad Zurzach

Kinder reissen an der «Chesslete» die Fleckenbewohner aus dem Schlaf

«Maskentreiben» verspricht das Warnschild am Dorfeingang von Bad Zurzach – «Kesseltreiben» wäre treffender gewesen. Um 6 Uhr früh versammelten sich heute fünf Schulklassen beim Sternenbrunne, um bei der «Chesslete» dem Winter den Garaus zu machen.

Nadja Rohner
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Die Devise lautet: Lärmen was das Zeug hält
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Kein Schlaf für die Einwohner von Bad Zurzach an der Chesslete.
Insgesamt rund 90 Kinder nahmen an der Chesslete teil.
Was ist das? Eine Larve hängt im Baum.
«Chesslete» in Bad Zurzach reisst die Bewohner aus dem Schlaf
Claude Ardin von den Fläcke-Geischter.

Die Devise lautet: Lärmen was das Zeug hält

Mathias Marx

Eine uralte Tradition sei das in Bad Zurzach, sagt Claude Ardin von den «Fläcke-Geischter». «In den 70er-Jahren gings jeweils schon um 4 Uhr los.» Heute lässt man die Kinder – und die Fleckenbewohner – länger schlafen.

Dennoch, «e chlii schwer» ist es Schüler Hassan schon gefallen, so früh aufstehen zu müssen. Für die Chesslete mache er das aber gern, er habe viel Spass beim Lärm machen – sagts, und schwingt zum Beweis seine Ratsche.

Etwa 90 Kinder sind gekommen. «Zum Glück sind nicht Schulferien», meint Claude Ardin. «Dann haben wir jeweils Mühe, eine grosse Schar zu versammeln.» Heute reicht es sogar für zwei Gruppen. Teils mit, teils ohne Gehörschutz ziehen sie durch verschiedene Quartiere, um möglichst viele Bad Zurzacher aus dem Schlaf zu reissen. Und das machen sie selbstverständlich lautstark: Manche haben Pfannendeckel oder Büchsen dabei, andere Trommeln, Blasinstrumente oder Bierdosen - hoffentlich nicht selbst geleerte. Eine Klasse, begleitet vom Lehrer mit kühner Rasta-Frisur, zieht Metallfässer auf einem Wagen mit.

«Was isch, mögeder scho nüm?», fragt der Lehrer, als an einer Kreuzung kurz eine eigentümliche Ruhe eintritt und der Verkehrsdienst die quirligen Kinder über die Strasse lotst.

Es geht in Richtung Thermalbad, dann vorbei am Schlaflabor, dessen Patienten wohl an diesem Morgen ausserordentliche Messwerte haben werden. Ein paar Kinder ziehen riesige Wellblechstücke hinter sich her und machen damit einen Höllenkrach.

Die Vorhut der Schülergruppe ist ohne Instrumente unterwegs. Bald zeigt sich, weshalb: Flink rennen sie durch Vorgärten zu den Haustüren, um Sturm zu läuten. Gerne mehrmals, und bevorzugt bei Mehrfamilienhäusern – das ist effizienter. Reihum gehen Lichter an, viele Bad Zurzacher winken. Man ist sich die «Chesslete» gewöhnt. Verblüffter sind da die Gesichter der S-Bahn-Passagiere: Auch sie kommen in den Genuss der ganz und gar unmusikalischen Darbietung.

Inzwischen ist es hell geworden, die Gruppe zieht zurück zum Gemeindezentrum. Dort warten nicht nur die «Gschpändli», sondern auch ein Znüüni.