Familiendrama

Klinik über Semun A.: «Er hat sehr freundlich und ruhig gewirkt»

Der 36-jährige Semun A. war zum Zeitpunkt der Bluttat von Würenlingen nicht mehr in der psychiatrischen Klinik untergebracht, in die er am 24. März eingeliefert wurde. Seine drei Kinder wurden vor ihm in Sicherheit gebracht.

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Bluttat in Würenlingen.

Bluttat in Würenlingen.

Keystone

Der 36-jährige Semun A., der am Samstag in Würenlingen AG vier Personen erschoss und sich selbst richtete, befand sich zum Zeitpunkt der Bluttat nicht mehr in der fürsorgerischen Unterbringung. Er war seit dem 24. März auf ärztliche Anordnung in einer psychiatrischen Klink gewesen. Am 30. April wurde er entlassen.

"Er war draussen", bestätigte Mario Häfliger, Vorsteher der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Ausserschwyz gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Ärzte der psychiatrischen Klinik und nicht die KESB hätten diesen Entscheid gefällt.

Bei der Klinik handelt es sich um die Clienia Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Littenheid TG. Gegenüber dem Regionalsender «TeleM1» sagte die ärztliche Direktorin Silke Bachmann über Semun A.: «Er hat durchgehend sehr freundlich und ruhig gewirkt.» Semun A. sei kooperativ gewesen in den Behandlungen. «So hat man ihm relativ rasch ein bisschen Ausgang geben können», sagte Bachmann. So habe man aus Sicht der Klinik die fürsorgerische Unterbringung aufheben können.

Sehen Sie das vollständige Interview mit Silke Bachmann sowie dem Psychiater Josef Sachs hier:

«Zustand deutlich verbessert»

Die Klinikverantwortlichen schreiben weiter, Semun A.s Zustand hätte sich deutlich gebessert. Dabei seien während der Behandlung laufend «alle Aspekte der Gefährdung» beurteilt. Ihm wurden sogar zwei Tagesurlaube während seines Aufenthalts gewährt. Ausserdem seien zwei Belastungsproben zu Hause durchgeführt worden, welche neben den üblichen Abläufen zur Austrittsvorbereitung positive verlaufen seien. Deshalb wurde die «Fürsorgerische Unterbringung ärztlicherseits» aufgehoben.

Mit Medikament entlassen

Die Zeit nach der Entlassung, so die Klinik, sei vor dem Austritt sorgfältig geplant worden. Darunter fallen die Termine beim Hausarzt und der psychiatrischen Spitex. Zudem wurde Semun A. vor seiner Entlassung ein länger wirksames Medikament verabreicht - ein sogenanntes Depot-Medikament, welches zwei Wochen wirkt.

Bereits vor seiner fürsorgerischen Einlieferung war Semun A. im Jahr 2011 in der gleichen Klinik und während drei Wochen behandelt worden. Zudem liess er sich 2013 freiwillig für einige Tage einliefern. Nach diesen Aufenthalten sei er jeweils ambulant weiterbehandelt worden.

Kinder waren gefährdet

Die KESB hatte im März Gefährdungsmeldungen bezüglich der drei Kinder des Mannes erhalten, wie die Kantonspolizei Schwyz mitteilte. Aufgrund der Gefährdungssituation habe eine Intervention der Polizei in der Familie stattgefunden. Als Folge dieser Intervention platzierte die KESB die Kinder in geeigneten Institutionen.

Beamte in Zivil laden beschlagnahmte Gegenstände in ein Fahrzeug mit Aargauer Kennziffer.
5 Bilder
Zeri Dinic steht vor der amtlich versiegelten Tür der Wohnung von A. Er litt sehr unter seinem Nachbarn und ist froh, dass er weg ist.
Die Polizei hat die Wohnungstür versiegelt.
Hier wohnte der Täter von Würenlingen
Semun B. hatte vor seiner Wohnungstür eine Kamera installiert.

Beamte in Zivil laden beschlagnahmte Gegenstände in ein Fahrzeug mit Aargauer Kennziffer.

Alex Spichale

Täter wurde 2004 eingebürgert

Der türkischstämmige Semun A. hatte 2004 im Rahmen einer erleichterten Einbürgerung im Kanton Schwyz das Schweizer Bürgerrecht erhalten.

Gegen den zuletzt arbeitslosen Mann waren im Kanton Schwyz keine Strafuntersuchungen offen. Das im Jahr 2007 geführte Verfahren wegen einfacher Körperverletzung, Tätlichkeiten, Beschimpfungen und Hausfriedensbruch (Nachbarschaftsstreit) wurde rechtskräftig eingestellt, wie die Kantonspolizei schreibt.

Gestützt auf das Waffengesetz machte die Kantonspolizei Schwyz im März 2012 und am 24. März 2015 ausserhalb eines Strafverfahrens am Wohnort des Mannes zwei Hausdurchsuchungen.

Dabei wurde präventiv nach Waffen gesucht. Die Kantonspolizei stellte keine Waffen sicher. Am 24. März wurde der Mann dem polizeilichen Dienst des Kantons Schwyz zugeführt.

In einem ruhigen Wohnquartier in Würenlingen hatte der Mann seinen Schwiegervater, seine Schwiegermutter und seinen Schwager mit mehreren Schüssen getötet. Bevor er sich selbst richtete, erschoss er einen Nachbarn seiner Schwiegereltern. (sda)