Bad Zurzach

Kreatives Schaffen mit seelischem Tiefgang

Tagebücher aus Stein, ein Rhinozeros-reitender Mann, skurrile Katzen mit Knopfaugen und geheimnisvolle Landschaften aus handgeschöpftem Japanpapier: in der Galerie Vita sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Ursula Burgherr
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Kunstausstellung in der Galerie Vita von Bad Zurzach
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Kunstausstellung in der Galerie Vita von Bad Zurzach
Kunstausstellung in der Galerie Vita von Bad Zurzach
Kunstausstellung in der Galerie Vita von Bad Zurzach

Kunstausstellung in der Galerie Vita von Bad Zurzach

Aargauer Zeitung

Kunstkennerin und -vermittlerin Anita Keller führte jahrelang grosse Galerien in Bern und Feldbrunnen (SO). Dann zog es sie aus privaten Gründen nach Bad Zurzach. Das Wohnhaus an der Rebbergstrasse 11 ist aber nicht nur ihr neues Refugium, sondern auch ein öffentliches Paradies der Kunst – sozusagen eine Haus-Galerie. Kunstschaffen kommt in diesem persönlichen Rahmen auf ganz besondere Art zur Geltung.

Der Blick in jede Ecke und Nische offenbart neue Preziosen, und so muss sich der Besucher schon etwas Zeit nehmen, um all die vorhandenen Objekte und Malereien entdecken und auf sich wirken lassen zu können. Der Ausstellungsreigen im Aargau wird mit vier Künstlern aus der deutschen und welschen Schweiz eröffnet: Nadette Bamert Kissling und Denis Perret-Gentil präsentieren eigenwillige Skulpturen aus Stein, Bronze und Keramik; Sandro Godel zeigt seine meditativen abstrakten Bildlandschaften und seelenvollen Porträts.

Katzen aus gegossenem Polyester

Der 2009 verstorbene Künstler Tonyl wird posthum geehrt: seine bemalten Katzenfiguren voller Witz und Poesie empfangen die Gäste gleich beim Eingang und zaubern ihnen ein Lächeln auf die Lippen. Tonyls Katzenfiguren (aus in Ton und Gips gegossenem Polyester) zeichnen sich durch karikaturistische Leichtigkeit aus.

Eine ganz andere künstlerische Sprache spricht die in Waltenschwil lebende Bildhauerin Nadette Bamert Kissling: Sie ist wohl die einzige Frau der Welt, die auf die Idee kam, Reisetagebücher in Speckstein zu hauen. Gespickt mit Details wie eingeritzten Schriften sowie heraus geschliffenen Figuren stellt sie diese auf schlanken Stahlstelen zur Schau. Ihr Oeuvre wird durch die «Reisebegleiter» ergänzt, archaische Bronzeengel, die sie in der freien Natur des Maggiatals geformt und gegossen hat.

Realistisch und philosophisch

Die Keramik-Objekte von Denis Perret-Gentil durchlaufen aufwändige Brenn- und Emaillierungsprozesse und bestechen durch ihren realistischen und gleichzeitig philosophischen Ausdruck. Ein Windhund auf dem Sprung – die Anspannung jedes einzelnen Muskels ist zu sehen.

Der dicke Mann mit den zwei Koffern steht als Metapher fürs Leben: «Vor den eigenen Problemen gibt es keine Flucht, egal wo man hingeht». Die abstrakten Bildwelten von Sandro Godel setzen sich aus vielfältigen Techniken und Materialien zusammen – geschichtete Japanpapiere, Pigmente, Tuschmalerei, Radierung etc. – und strahlen doch eine geradezu meditative Ruhe und Kraft aus. Godel vermag mit seinen Ausstellungen asiatisches, als auch amerikanisches und europäisches Publikum gleichermassen zu begeistern.

Die Sprache der Kunst ist eben universell. 2008 erhielt er ein Stipendium für einen halbjährigen Aufenthalt in New York. Dort entstand eine Serie von Porträts, die Persönlichkeit und Nähe ausstrahlen. «Äusserlichkeiten interessieren mich nicht», sagt er, «sondern nur Persönlichkeit und Seele eines Menschen.»