Kleindöttingen

Landesverweis und Gefängnis für Profidiebe - das sagt der geschädigte «Kewa-Rad»-Besitzer

Einbrecher klauten 2018 in Kleindöttingen und am Zürichsee teure Velos aus Fahrradgeschäften. Nun hat das Bezirksgericht Horgen das Urteil die drei angeklagten Balten verurteilt. Zwei müssen ins Gefängnis.

Philipp Herrgen
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Bei zwei Einbrüchen im Jahr 2018 in Kleindöttingen und im zürcherischen Au erbeuteten Diebe 74 hochwertige Fahrräder im Gesamtwert von 426'000 Franken. Zwei lettische Brüder (39 und 32 Jahre) und ein Litauer (43) wurden vor dem Bezirksgericht Horgen angeklagt. Am Dienstag wurde das Urteil wegen Coronavirus in informellem Rahmen per Telefonkonferenz verkündet.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der Verhandlung eine Verurteilung wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Geldwäscherei gefordert. Der 43-jährige Litauer sei nach Ansicht des Gerichts Haupttäter der beiden Einbrüche gewesen. Er wurde daher in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe von 4 Jahren und einer Geldstrafe von 1500 Franken verurteilt. Zudem wird er für 10 Jahre des Landes verwiesen.

Der ältere der beiden lettischen Brüder wurde ebenfalls in allen Punkten schuldig gesprochen. Er habe beim Ein- und Ausladen der Velos geholfen und sie mit einem Transporter nach Deutschland gefahren, sei aber nicht der Chef der beiden Einbrüche gewesen, befand das Gericht. Er wurde zu 2,5 Jahren Haft und ebenfalls zu einer Geldstrafe von 1500 Franken verurteilt. Er erhält einen Landesverweis von 8 Jahren.

Haftstrafe bald abgesessen

Der jüngere Bruder hatte das Transport-Fahrzeug angemietet und beim Ausladen der Velos geholfen. Er wurde daher der Gehilfenschaft schuldig gesprochen und zu 12 Monaten bedingt und einer Geldstrafe von 600 Franken verurteilt. Da er sich, wie auch die anderen beiden Verurteilten, bereits seit April 2019 in Haft befindet, wird er demnächst seine Strafe abgesessen haben. Allerdings muss auch er die Schweiz für 6 Jahre verlassen.

Die lettischen Brüder hätten zwar gestanden, wie das Gericht festhielt, sich dabei auf das beschränkt was ohnehin offensichtlich gewesen sei. Der Anwalt des 43-jährigen Litauers hatte dagegen in der Verhandlung noch auf Freispruch plädiert. Die Erklärungsversuche des Verteidigers, warum sein Mandant nicht an den Taten beteiligt sein konnte, seien allesamt nicht nachvollziehbar.

Dessen Verurteilung ist aber unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass einer der beiden Letten nicht am Diebstahl direkt beteiligt war. Nach dem Einbruch in Au ZH berichtete der 39-jährige Lette seinem jüngeren Bruder am Telefon ausführlich und nachvollziehbar von den Geschehnissen und erwähnte dabei auch mehrfach den Namen des Litauers. Aus den Erzählungen ging zudem zweifelsfrei hervor, dass der Litauer Kopf der Bande gewesen war. Dieses Telefonat wurde wegen des Verdachts einer anderen Straftat von der deutschen Polizei abgehört und aufgezeichnet.

Späte Genugtuung

Der Einbruch wenige Tage später in Kleindöttingen sei auf beinahe identische Art und Weise durchgeführt worden, so das Gericht. Die Durchführung der Straftaten sei professionell und klar strukturiert gewesen. Zudem hätten alle Beteiligten über den genauen Tathergang Bescheid gewusst. Daher wurden die beiden Letten auch ohne direkte Beteiligung des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung schuldig gesprochen.

Walter Keller, Geschäftsinhaber des Velo-Geschäfts «KEWA-Rad» in Kleindöttingen, zeigt sich auf Nachfrage der AZ erstaunt über die lange Dauer des Strafverfahrens. Zudem weist er darauf hin, dass der finanzielle Schaden grösser gewesen sei als nur die gestohlenen Fahrräder. So hätten die Diebe sämtliche Velos von geringerem Wert auf einen Haufen geschmissen und dabei beschädigt. Immerhin sei das Urteil aber eine kleine Genugtuung. Keller: «Es ist gut zu wissen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und ihre Strafe abhocken müssen.»