Waldshut

Luftiges Nachtessen stösst sauer auf: Deutsche wittern Catering-Protektionismus

Deutsche Gastronomen stören sich an Schweizer Zollbestimmungen und machen bürokratische Hindernisse bei der Einfuhr von Catering-Produkten aus. Aber auch Schweizer ärgern sich beim Liefern nach Deutschland

Nadja Rohner
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45 Meter über dem Rhein in Waldshut bringt ein Schweizer Gastrobetrieb ein mehrgängiges Menü auf den Tisch – das gefällt den deutschen Gastronomen überhaupt nicht.ZVG

45 Meter über dem Rhein in Waldshut bringt ein Schweizer Gastrobetrieb ein mehrgängiges Menü auf den Tisch – das gefällt den deutschen Gastronomen überhaupt nicht.ZVG

Zur Verfügung gestellt

Ein Schweizer Automobilhändler hat kürzlich nach Waldshut zu einem besonderen Nachtessen in luftiger Höhe geladen. Die rund 20 Gäste tafelten an einer Stuhl-Tisch-Konstruktion, die an einem Kran befestigt 45 Meter über dem Fluss hing – auf deutschem Boden, denn die Suva hatten zuvor eine Bewilligung verwehrt.

Der Veranstalter setzte trotzdem auf Schweizer Küche: Das vom Koch der Schweizer Fussballnationalmannschaft zubereitete Menü wurde von einem Cateringunternehmen aus Unterseen geliefert. Dieses hatte das Essen – Forellenmousse und Hackbraten – problemlos über die deutsche Grenze transportieren können, wie die Zeitung «Südkurier» berichtete.

Hoher Aufwand für Deutsche . . .

Diese vermeintlich unkomplizierte Einfuhr ärgert die deutschen Cateringkollegen: «Während die Schweizer bei unserem Zoll einfach durchfahren können, ist der bürokratische Aufwand für uns Deutsche enorm, wenn wir in die Schweiz liefern wollen», sagt Gastronom Thomas Zimmermann aus Waldhaus (D). Wolle er einen Auftrag in der Schweiz ausführen, brauche er für jedes Lebensmittel eine Einfuhrgenehmigung.

Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender der Kreisstelle Waldshut im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, erklärt: «Wenn wir Gulasch liefern wollen, müssen wir vorher eine genaue Zutatenliste beim Zollamt einreichen, bei Buffets die Herkunft jeder einzelnen Orangenscheibe deklarieren.»

Zimmermann liefert deshalb nicht mehr in die Schweiz, der bürokratische Aufwand sei zu gross. Den deutschen Caterern entgehe so in der Schweiz ein «Riesengeschäft», wie Zimmermann sagt: «Wir sind Preis-Leistungs-stärker als die Schweizer Kollegen, deshalb will man unterbinden, dass wir in die Schweiz liefern.»

Er betont: «Es geht mir nicht um die Zollgebühren.» Vielmehr störe er sich daran, dass deutsche Gastronomen durch hohe bürokratische Hürden auf dem Schweizer Markt benachteiligt seien.

Eine Nachfrage beim eidgenössischen Zollamt ergibt: Bei Cateringeinfuhren handle es sich um Sendungen mit «agrarpolitisch sensiblen Waren wie Fleisch oder Gemüse, die einer Bewilligungspflicht vom Bundesamt für Landwirtschaft oder anderen Ämtern unterliegen».

. . . aber auch für Schweizer

Tatsächlich spielen deutsche Gastronomen zumindest im Zurzibiet keine Rolle im Catering-Markt. Das bestätigen Erich Rüetschli, Inhaber der Gourmelino AG und Albert Köferli von der Metzgerei Köferli, die beide in Döttingen ansässig sind.

Allerdings: Es sei für Schweizer Unternehmen keineswegs einfacher, Lebensmittel nach Deutschland zu exportieren. «Ich habe das zweimal gemacht, und die Zollbedingungen waren extrem streng», sagt Rüetschli.

So sagt denn auch der Schweizer Veranstalter des luftigen Nachtessens in Waldshut auf Anfrage der Aargauer Zeitung, der raschen Zollpassage seien umfassende behördliche Vorbereitungen voraus gegangen.