Mellikon
Damit Molche, Frösche und Kröten nicht in den Tod hüpfen: Dorf sperrt Strasse

Jedes Jahr kam es auf der Rooswisstrasse in Mellikon zu einem regelrechten Massensterben von Amphibien auf ihrem Laichzug. Seit zwei Jahren sperrt die Gemeinde deshalb temporär die Strasse in Richtung Rümikon. Bald ist es wieder so weit.

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Weibchen tragen oft die Männchen auf dem Rücken.

Weibchen tragen oft die Männchen auf dem Rücken.

Severin Bigler/Archiv

Wenn im Februar die Temperaturen nachts auf über fünf Grad steigen, ziehen sie wieder los: zahlreiche Frösche, Molche und Kröten, die vom nahen Wald am Tägerbach zu ihrem Laichplatz in der Melliker Kiesgrube wandern. Dafür müssen sie in der Dämmerung und in der Nacht die viel befahrene Rooswisstrasse und das Bahngleis überwinden. Mit tödlichen Folgen: Trotz Warntafeln wurden jeweils zahlreiche Tiere überfahren.

Zum Schutz der Amphibien wird deshalb die Strasse bald wieder temporär von 18 Uhr bis morgens um 6 Uhr gesperrt. «Sobald die ersten Tiere unterwegs sind. Das kann in den nächsten Tagen schon der Fall sein», sagt Thomas Urfer, Präsident des Vereins Naturschutz Rhytal-Studeland.

«Ein zusätzliches Warn-Triopan (Amphibien) wird vor dem Dorfeingang aufgestellt, um auf die Wanderungen der Frösche und Kröten zu ihren Laichplätzen aufmerksam zu machen», schreibt die Gemeinde auf der Kommunikationsplattform Crossiety. «Wir hoffen, damit auch dieses Jahr wieder möglichst viele Amphibien vor dem ‹Platt-Gefahrenwerden› zu schützen und danken der Bevölkerung für die Rücksichtnahme.»

Jahrelang hatten zuvor Thomas Urfer und Stefan Kolb mit Kesseln ausgerüstet die Amphibien Abend für Abend sicher über die Strasse gebracht. Dennoch starben pro Nacht 20 bis 30 Tiere. Umso verheerender, wenn es sich dabei um Weibchen mit bis zu 2000 Eier handelte, die oft noch Männchen auf dem Rücken tragen.

Daraufhin sanierte der Kanton die Weiher, Spezialisten der SBB montierten an den Schienen Abweisbleche und sparten für die Durchlässe im Schotter aus. Der Verein Naturschutz Rhytal-Studeland baute an mehreren Stellen Rampen. Seit 2020 wird auch die Rooswisstrasse gesperrt.

Froschsterben bei neuer Aue befürchtet

Mit der Auenrenaturierung im Meieried ist die Frage nach der Sicherheit der Amphibien wieder aufgekommen. Seit Herbst erstellt der Kanton in der Nähe der Badi Mellikon neue Lebensräume für Amphibien, Fische, Vögel und Insekten. Manche im Dorf befürchten, dass es auf der nahe gelegenen Kantonsstrasse zu einem ähnlichen Szenario wie auf der Rooswisstrasse kommen könnte.

Der Kanton versicherte jedoch, die Situation zu beobachten, um herauszufinden, wo am meisten Amphibien durchwandern und wo es welche Schutzmassnahmen brauche. Dies geschehe zum Beispiel mit einem Zaun und Eimer. So können die nachtaktiven Tiere die Strasse nicht selbst überqueren und werden am nächsten Tag aus den Kübeln gefischt und freigelassen. (sga)