Geldsuche

Naturzentrum am Klingnauer Stausee: Scheitert das Projekt wegen einer halben Million Franken?

Für 2 Millionen soll am Klingnauer Stausee ein Naturzentrum entstehen – das erste dieser Art. Doch die Geldsuche läuft harzig.

Manuel Bühlmann
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Der Klingnauer Stausee aus der Vogelperspektive. Das Naturzentrum ist auf der Kleindöttinger Seite (im Bild links) geplant.
29 Bilder
Promotoren des Naturzentrums: Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, und Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton Aargau, (v.l.) auf dem Aussichtsturm beim Klingnauer Stausee.
Der Blick über den Klingnauer Stausee von Döttingen her.
Für Vogelkundler (Ornithologen) ist der Klingnauer Stausee ist Begriff – man trifft sie fast täglich hier an.
Zuletzt sorgte der Klingnauer Stausee mehrfach für Schlagzeilen, weil wegen der Verlandung (durch angeschwemmte Sedimente) viel Material ausgebaggert werden soll.
Das Wasserkraftwerk Klingnau: Es produziert pro Jahr durchschnittlich rund 225 GWh elektrische Energie. Das entspricht dem Verbrauch von 50'000 Haushalten. Es ist im Besitz eines Konsortiums von Axpo und AEW Energie AG.
Klingnauer Stausee
Rund um den Klingnauer Stausee mit dem Velo unterwegs – das ist problemlos möglich.
Blick auf den Klingnauer Stausee mit Döttingen (links), Klingnau (Mitte) und dem AKW Leibstadt (im Hintergrund).
Die Bevölkerung des Unteren Aaretals nutzt die Naturperle, um ihre Seele baumeln zu lassen.
Der Klingnauer Stausee gilt als Naturparadies.
Den Weg rund um den Stausee nutzen auch viele Freizeitsportler – gerade an sonnigen Tagen.
Beliebt: Schwände und Enten füttern am Klingnauer Stausee.
Schwäne und Enten auf einer Insel im Klingnauer Stausee.
Zwei junge Rauchschwalben warten einträchtig auf die Mutter mit dem Futter.
Der letzte Atemzug – bevor der kleine Frosch im Rachen des Graureihers verschwindet.
Eine Rostgans geniesst das Bad im Klingnauer Stausee...
..., wie auch dieses Bild zeigt.
Seltener Gast. Ein Löffler rastet am Klingnauer Stausee.
Für seinen Zurzibiet-2015-Kalender hat der Zurzacher Zeichner Andreas Güntensperger dieses Bild vom Klingnauer Stausee mit Döttingen im Hintergrund gezeichnet.
Weisse Pracht: Ein Seidenreiher auf der Jagd am Klingnauer Stausee.
Auf Klingnauer Seite befindet sich das Naturschutzgebiet Machme, wo Wasserbüffel zeitweise leben und grasen.
Ein Alpenstrandläufer am Klingnauer Stausee auf Futtersuche.
Einfach schön: Die Skyline am Klingnauer Stausee.
Eine Anlegestelle mit einem Boot der Klingnauer Pontoniere. Sie trainieren allerdings nicht auf dem Stausee, sondern unterhalb des Wasserkraftwerks.
Eine der vielen gefiederten Schönheiten am Naturparadies: Eine Kolbente (Männchen).
Blick vom Winzerdorf Döttingen auf Reben, Klingnau und den Klingnauer Stausee.
An Silvester findet alljährlich der Gippinger Stauseelauf statt: Hunderte Läufer nehmen jeweils daran teil.

Der Klingnauer Stausee aus der Vogelperspektive. Das Naturzentrum ist auf der Kleindöttinger Seite (im Bild links) geplant.

Kurt Wächter

Der Klingnauer Stausee ist bei Mensch und Vogel gleichermassen beliebt. Jahr für Jahr spazieren, joggen oder fahren 100 000 Personen dem Ufer entlang; über 300 Vogelarten sind in diesem Gebiet schon gesichtet worden. Auch im Winter lassen sich auf und um den Klingnauer Stausee die unterschiedlichsten Vögel beobachten – für sie ein begehrtes Rückzugsgebiet in der kalten Jahreszeit.

Doch interessierte Besucher finden zurzeit neben einigen Infotafeln nur eine Aussichtsplattform vor. Zu wenig, finden die Verantwortlichen von Birdlife Aargau, dem grössten Naturschutzverband des Kantons. Gemeinsam mit Birdlife Schweiz und dem Kanton Aargau planen sie deshalb das erste ganzjährig betriebene Naturzentrum im Kanton Aargau, wo sich die Besucher über das Schutzgebiet informieren können.

Grösster Betrag von Privaten

Vergangenen Sommer stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und mit ihm den Zeitplan. Bis Ende Jahr, so die Idee, sollten die benötigten knapp 2 Millionen Franken organisiert sein. Doch nun zeigt sich: Die Geldsuche ist schwieriger als gedacht. Bereits im Sommer war den Initianten ein Beitrag aus dem Swisslosfonds, der sich auf maximal die Hälfte der Gesamtsumme beläuft, und erste Spenden zugesichert worden. Seither sind weitere 300 000 Franken an Beiträgen von den Gemeinden Böttstein, Klingnau, Döttingen, Koblenz, Mandach und Villigen sowie privaten Spendern zusammengekommen.

1,4 Millionen liegen aktuell für das Projekt bereit. Trotzdem fehlt unter dem Strich noch über eine halbe Million Franken. «Die Finanzierung steht noch nicht. Wir brauchen mehr Zeit als geplant», sagt Birdlife-Sprecherin Ann Walter. «Davon lassen wir uns aber nicht entmutigen.» Walter gibt sich zuversichtlich: «Die Stimmung ist grundsätzlich gut, das Interesse für das Naturzentrum gross.» Das zeige sich etwa bei den Standaktionen, die Birdlife-Mitglieder seit dem Herbst regelmässig sonntags am Stauseeufer durchführen.

«Die Besucher lassen sich gerne von uns erklären, welche Vögel in diesem Gebiet überwintern.» Der mit 240 000 Franken grösste Teil der bislang eingegangenen Gelder machen denn auch die privaten Spenden aus. Die Hoffnungen bei der Suche nach Geldern ruhen nun hauptsächlich auf Stiftungen. Man sei aber auch offen für Partnerschaften mit Unternehmen, die im Gegenzug etwa Schulungsräume im Naturzentrum nutzen könnten, sagt Walter.

Am 25. März findet zudem ein Sponsorenlauf statt – oder genauer: ein «Junior-Birdrace». Dabei geht es nicht um die gelaufenen Kilometer, sondern um die Anzahl der gesichteten Vogelarten: Je mehr erspähte Vögel, desto mehr Gelder von den Sponsoren. Teilnehmen können Kinder jeden Alters – allein oder in Gruppen. Die Verantwortlichen beim Naturschutzverband erhoffen sich davon neben einem finanziellen Zustupf auch einen Werbeeffekt für ihr Projekt am Stausee.

Am Zeitplan ändert die harzige Suche nach Geldern vorerst nichts: Seit Anfang Jahr ist das Grundstück in unmittelbarer Nähe des Uferwegs im Besitz von Birdlife. Bis zu den Sommerferien soll das Baugesuch eingereicht, bis im August oder September 2018 das Naturzentrum eröffnet werden.