Referendum
Pachtvertrag läuft 2024 aus: Verliert der FC Klingnau seinen ersten Fussballplatz nach 75 Jahren?

In knapp vier Jahren läuft der Pachtvertrag mit dem Kanton für den bestehenden Fussballplatz des FC Klingnau aus.

Stefanie Garcia Lainez
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Die erste Mannschaft des FC Klingnau gehört zu den besten im Kanton Aargau, die Infrastruktur dagegen wohl zu den schlechtesten.

Die erste Mannschaft des FC Klingnau gehört zu den besten im Kanton Aargau, die Infrastruktur dagegen wohl zu den schlechtesten.

Philipp Zimmermann

Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt sich Klingnau mit einem neuen Fussballplatz. Ein erstes Projekt scheiterte 2009 an der Urne. Diesen Sonntag kommt es zur nächsten Urnenabstimmung.

Ein Komitee von Anwohnern hat erfolgreich das Referendum gegen den Projektierungskredit über 110'000 Franken für die Sportanlagen im Grie ergriffen, welche die Gmeind im August genehmigte. Wie der folgende Plan zeigt, geht es dabei vor allem um einen zweiten Platz für den FC Klingnau und um einen neuen Sandplatz für den Reitverein. Zudem sind Plätze für Hundehalter und Bogenschützen vorgesehen:

ZVG

Doch was passiert mit dem bestehenden Fussballplatz einige hundert Meter entfernt? Denn die Gemeinde schreibt in den Abstimmungsunterlagen, dass der Pachtvertrag mit dem Kanton per Ende 2024 ausläuft.

Am 28. August 1949 wurde der erste Fussballplatz im Grie eröffnet. Vierzig Jahre später trat am 1. Juli 1989 das Stauseedekret in Kraft. Damit soll das Naturschutzgebiet am Klingnauer Stausee als international bedeutendes Nahrungs-, Rast- und Überwinterungsgebiet für ziehende Wasser- und Watvögel erhalten bleiben. Der Fussballplatz geniesst einen Bestandsschutz, eine gesetzliche Garantie für die zuvor erstellten Bauten, die grundsätzlich nicht befristet sei, sagt Felicitas Sie­bert vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Ein Pachtvertrag, der alle sechs Jahre erneuert wird, regelt die Benützung des Platzes. Der Pachtzins bewege sich im dreistelligen Bereich und sei als symbolisch zu bezeichnen. Sofern weder der Kanton noch der FC Klingnau den Vertrag sechs Monate im Voraus kündigen, verlängert er sich automatisch um weitere sechs Jahre.

Aufenthaltsräume müssen bis August 2021 weg

Der Bestandsschutz beinhaltet aber einzig den Unterhalt der bestehenden Bauten und Anlagen. Erweiterungen und Erneuerungen sind nicht erlaubt. Das Dekret verunmöglicht also den Bau einer grösseren und zeitgemässen Anlage für die 19 beim Fussballverband gemeldeten Mannschaften inklusive der Futsal-Mannschaft. So mussten vor zwei Jahren auch die Spieler des FC Chiasso aus der Challenge League vor der Schweizer-Cup-Partie nach dem Umziehen in der Kabine einen rund 600 Meter langen Fussmarsch zum Spielfeld zurücklegen. Felicitas Siebert:

Eine grössere Anlage im Grie am aktuellen Standort ist nicht möglich.

Wenn die Bauten und Anlagen am Ende ihrer Lebensdauer angelangt seien, dürften sie nicht ersetzt werden und der Bestandsschutz falle ersatzlos dahin.

Konkret heisst das: «Die Bestandsgarantie gilt für das bewilligte Klubhaus, das Materiallager sowie die zwischenzeitlich sanierte Beleuchtungsanlage.» Davon ausgeschlossen sind der Pachtvertrag für die Benutzung des Platzes oder unbewilligte Bauten wie der weisse Container mit Aufenthaltsräumen:

Der FC Klingnau stellte die weissen Container ohne Bewilligung im Grie auf und muss sie wieder entfernen.

Der FC Klingnau stellte die weissen Container ohne Bewilligung im Grie auf und muss sie wieder entfernen.

Philipp Zimmermann

Diesen habe der FC Klingnau in Abweichung von den Bestimmungen im Pachtvertrag ohne Baubewilligung erstellt, sagt Felicitas Siebert. Das Gesuch sei im nachträglichen Verfahren abgewiesen und der Rückbau angeordnet worden. «Nachdem der Gemeinderat zusicherte, dass eine neue Sportanlage in Planung ist, wurde die Frist für den Rückbau bis zum 1. August 2021 – ohne weitere Erstreckungsmöglichkeit – aufgeschoben.»

Dies gilt unabhängig davon, ob der Pachtvertrag für die Benützung des Platzes Ende 2024 erneuert wird oder nicht. Felicitas Siebert:

Eine Aufwertung des Auenschutzparks könnte ein Grund sein, den Pachtvertrag nicht zu verlängern.

Grundsätzlich seien Bauten und Anlagen in Landschaftsschutzzonen per se unerwünscht. In diesem Fall befinde sich der konkrete Perimeter im Randbereich des Auenschutzparks Unteri Au-Machme. «Ein Entscheid beinhaltet eine umfassende Interessenabwägung.»

Benützung des Platzes könnte verboten werden

Neben dem Fussballplatz haben die Mitglieder des Kynologischen Vereins einen Platz vom Kanton gepachtet, der auch im Naturschutzgebiet liegt:

Philipp Zimmermann

«Es wurde eine Fixpacht bis Ende 2024 abgeschlossen – so sind dann beide Verträge harmonisiert», sagt Felicitas Siebert. Über das weitere Vorgehen in Bezug auf beide Verträge, also mit den Hündelern als auch mit dem FC Klingnau, sei noch kein Beschluss gefasst worden.

«Die Nutzung des Platzes könnte verboten werden, wenn der Pachtvertrag vom Kanton nicht über 2024 hinaus verlängert würde», sagt Felicitas Siebert. Sie präzisiert aber: «Ob der Planungskredit angenommen oder abgelehnt wird, hat damit nichts zu tun. Es würde im Falle einer Ablehnung einzig eine Alternative für einen Sportplatz entfallen.»