Klingnau

«Räbehegel Klingnau»: Zwei Figuren mit Holzmasken jagen die Kinder

Wenn Angstschreie und Peitschenknallen durch das Städtli hallen, ist Räbehegelzeit. Zwei uralte Figuren – «s Lächerli» und «s Brieggerli» – treiben die Kinder aus den Klassenzimmern und hetzen sie danach unentwegt das Städtli hinauf und hinunter.

Angelo Zambelli
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Die beiden Räbehegel im Einsatz: Mit Geisseln jagen sie die Kinder, welche die Räbehegel von hinten mit Chabisstorzen bewerfen dürfen.
13 Bilder
Das Brieggerli (im Bild) und das Lächerli sind alte Klingnauer Fasnachtsfiguren.
Räbehegel Klingnau.
Unter der Räbehegel-Verkleidung stecken zwei Brüder, die über eine gute Kondition verfügen.
Szene vom Räbehegeltreibein im Städtchen: Der Brauch geht mindestens ins 19. Jahrhundert zurück.
Die Kinder nehmen Reissaus, wenn sich die Räbehegel plötzlich umdrehen und sie verfolgen. Erwachsene schauen vom Strassenrand zu.
Zwei junge Häschen - ob sie nur zuschauen, oder beim Räbehegeltreiben auch mitmachen?
Diese Knaben beweisen Mut, müssen sich jetzt aber sputen.
Vater mit Kind: Sie beobachten das Treiben genau.
Das Brieggerli und das Lächerli in Aktion.
Rund zwei Stunden lang dauert das Räbehegeltreiben.
Räbehegel Klingnau.
Nach dem Räbehegeltreiben schreien die Kinder vor Läden und Beizen - und erhalten Süssigkeiten.

Die beiden Räbehegel im Einsatz: Mit Geisseln jagen sie die Kinder, welche die Räbehegel von hinten mit Chabisstorzen bewerfen dürfen.

Angelo Zambelli

Regina Duss von den Organisatorinnen der Klingnauer Fasnacht hat vor einigen Tagen die Schulen besucht, um den Kindern und Jugendlichen die Klingnauer Fasnachtsbräuche zu erklären (die az berichtete). Das hat sich ausgezahlt.

Beim Fasnachtsauftakt am Schmutzigen Donnerstag wussten die Kinder, was zu tun war: Treiben die Hegel (César und Lukas Roth) eine der beiden Gruppen vor sich her, darf die nicht verfolgte die Hegel mit Chabisstorzen bewerfen. Um die Aufgabe ein wenig zu erleichtern, sind die Jutekleider der Hegel am Rücken mit Zielscheiben bemalt.

Doch wehe dem, der sich zu weit vorwagt: Mit einer blitzschnellen Drehung machen die Hegel aus den Werfern Verfolgte und aus den Verfolgten Werfer. Die Mutigsten wagen sich fünf oder sechs Schritte an die Hegel heran, doch das ist eine gefährliche Zone.

Wer von einem Peitschenhieb getroffen wird, hält sich danach für eine ganze Weile zurück. Absichtlich wollen die Räbehegel nicht treffen, denn die ganze Sache soll ja Spass machen und friedlich enden.

Schreikonzert für Leckereien

Nach der Jagd durch das Städtli ist schreien nicht nur erlaubt, sondern gefordert. Geschlossen gehts vor die Klingnauer Geschäfte, wo mit lautem und ausdauerndem Schreien um Süssigkeiten gebettelt wird. Diese werden auf ein Leiterwägeli geladen und anschliessend auf dem Kirchenplatz verteilt.

Den Abschluss des Klingnauer Räbehegels macht das Wurstzipfel-Fischen beim unteren Stadtbrunnen. Einer der beiden Hegel – Lukas Roth ist «s Lächerli», César Roth «s Brieggerli» – positioniert sich auf dem Brunnen, hängt einen Wurstzipfel an seine Geissel und lässt sie so lange über den Kinderköpfen kreisen, bis einer – oder eine – den Happen erwischt.