Leibstadt

Rettungsaktion am Grenzübergang: Zoll entschuldigt sich bei Aargauer Züchter und nimmt Busse zurück

Der Leibstadter Züchter Toni von Arb wollte eine verletzte Brieftaube retten, indem er sie am Grenzübergang von einer Deutschen übernahm. Nach der Busse macht der Zoll nun eine Kehrtwende und spricht von einem einmaligen Fall.

Philipp Herrgen
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An diesem Grenzübergang holte Toni von Arb das verletzte Tier ab – und wurde gebüsst. (Das Symbolbild wurde mehrere Wochen zuvor aufgenommen.)

An diesem Grenzübergang holte Toni von Arb das verletzte Tier ab – und wurde gebüsst. (Das Symbolbild wurde mehrere Wochen zuvor aufgenommen.)

Philipp Zimmermann

Nun also doch nicht: Der Brieftaubenzüchter Toni von Arb muss keine Strafe für die Rückholung einer verletzten Taube zahlen. Die Zolldirektion habe seine Busse unterdessen annulliert, so von Arb. Das bestätigte auch die Zollverwaltung gegenüber der AZ.

Es war vergangene Woche, als von Arb am gesperrten Grenzübergang Leibstadt-Dogern eine Schweizer Brieftaube in Empfang genommen hatte. Das flugunfähige Tier war in Deutschland aufgefunden worden, wäre dort aber wohl eingeschläfert worden. Wenige Meter nach der Übergabe wurde von Arb vom Grenzwachtkorps kontrolliert. Nachdem er die Beamten über den Sachverhalt aufgeklärt hatte, büssten sie ihn mit 100 Franken. Mit der Begründung, dass Warenübergaben an geschlossenen Grenzübergängen nicht gestattet sind. Dies bestätigte auch die Eidgenössische Zollverwaltung auf Nachfrage. «Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand?» fragte sich Toni von Arb.

Busse war korrekt – eigentlich

Nachdem die AZ über den Fall berichtet hatte, habe er sehr viele positive Nachrichten erhalten, wie von Arb erzählte. Manche hätten ihm geraten, einfach nicht zu bezahlen oder sogar zu klagen. Auf eine Gerichtsverhandlung wollte er es aber nicht ankommen lassen. «Das wäre doch den Aufwand nicht wert, wegen 100 Franken», sagte von Arb. Er habe sich allerdings auch schon überlegt, an ein Sozialwerk zu spenden und die Spendenquittung beim Zoll einzureichen. «Damit wäre wenigstens jemandem geholfen.»

Der Grenzübergang Leibstadt-Dogern ist wegen der Corona-Pandemie gesperrt.

Der Grenzübergang Leibstadt-Dogern ist wegen der Corona-Pandemie gesperrt.

Philipp Zimmermann

Unterdessen habe sich der Zoll direkt bei ihm gemeldet, so von Arb. Man habe sich entschuldigt und ihn gebeten, den Bussenzettel einzuschicken. Damit sei die Sache dann erledigt.

Warum aber wurde die Busse nun zurückgenommen? Roger Zaugg, Stellvertretender Chef der Region Zoll Nord, bestätigt: «Die Busse war grundsätzlich korrekt.» Im vorliegenden Fall läge tatsächlich ein Verstoss gegen Warenübergaben an geschlossenen Grenzübergängen vor. Die Mitarbeitenden der Eidgenössischen Zollverwaltung hätten demnach korrekt gehandelt. Aber, so Zaugg, man habe sich nach sorgfältiger Abwägung entschieden, die Busse zu annullieren: «Hier ist man vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen.»

Ein Einzelfall und kein Triumph

Dennoch handle es sich hier um einen sehr speziellen Einzelfall, der im aktuellen Grenzregime so noch nicht vorgekommen sei, betont Zaugg. Die Mitarbeitenden der Zollverwaltung würden aber gerade in dieser speziellen Corona-Zeit mit unzähligen, noch nie dagewesenen Fragestellungen sehr gute Arbeit leisten.

Brieftaubenzüchter Toni von Arb zeigte sich zufrieden über den Entscheid. Ein Triumph sei das für ihn aber sicher nicht. «Ich will hier nicht der grosse Gewinner sein», sagt er. Letztlich sei er einfach froh, dass diese «dämliche Geschichte» damit erledigt ist.

Die Taube ist ohnehin bereits tot und spenden kann Toni von Arb auch immer noch. Und wo der gesunde Menschenverstand bleibt, hat sich mittlerweile ebenfalls geklärt.