Endingen

Trainerlegende Heinz Schärer tritt ins zweite Glied zurück

Heinz Schärer hat während mehr als fünf Jahrzehnten die jungen Handballer aus dem Surbtal geformt. Der 71-Jährige ist eine Legende und für Generationen von Handballern aus dem Surbtal ein väterlicher Ausbildner. Nun tritt er kürzer.

Alexander Wagner
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Ohne ihn gäbe es wohl keinen TV Endingen Handball: Trainerlegende Heinz Schärer.

Ohne ihn gäbe es wohl keinen TV Endingen Handball: Trainerlegende Heinz Schärer.

Alexander Wagner

Am Mittwochabend spielt der TV Endingen auswärts gegen Lakers Stäfa. Für die Surbtaler geht es um den Aufstieg in die Nationalliga A, die höchste Handball-Liga der Schweiz. Einer wird besonders mitfiebern – Heinz Schärer, der viele der jungen Endinger Handballer zu erstklassigen Spielern gemacht hat. Schärer ist viel mehr als nur ein passionierter Junioren-Trainer. Er ist eine Legende und für Generationen von Handballern aus dem Surbtal ein väterlicher Ausbildner.

Bis zu drei Trainings pro Woche

Mit festem Händedruck und einem gewinnenden Lächeln begrüsst Heinz Schärer seine Gäste. Im Juli wird er 72. Doch das merkt man ihm in keinem Moment an. Der Mann ist körperlich enorm fit. Dies kommt nicht von ungefähr. Auch jetzt trainiert er noch zwei bis drei Mal pro Woche selber. Sein Geist ist hellwach und geschärft. Auch dies ist kein Zufall.

So besucht er hin und wieder die Senioren-Uni in Zürich. Und seine Interessen sind breit gestreut, gehen weit über Handball und Sport hinaus. So geht er regelmässig ins Theater oder Kino. «Kultur ist in unserer Familie sehr wichtig», erklärt der pensionierte Lehrer.

Dass Kultur und Sport einen grossen Stellenwert haben, spiegelt sich auch in den Kindern wieder: Sohn Stefan war selber ein sehr erfolgreicher Handballspieler, der in der Nationalmannschaft einer der absoluten Leistungsträger war und es bis an die Olympischen Spiele brachte. Tochter Monika arbeitet seit über zwei Jahrzehnten beim Schweizer Radio und Fernsehen als Kulturredaktorin.

Auch sonst ist Schärer immer noch stark engagiert und macht Taxifahrten für das Rote Kreuz. «Uns geht es gut, und so kann ich der Gesellschaft etwas zurückgeben.» Mit «uns» meint Schärer jetzt sich und seine Frau Beatrice, die ihn in all den Jahrzehnten unterstütze, als er fast jeden Abend und zahlreiche Wochenenden in irgendeiner Handballhalle dieses Landes verbrachte.

«Meine Frau ist oft zurückgestanden», ist er sich bewusst. «Sie hat mich immer unterstützt. Das half enorm, so konnte ich es ohne schlechtes Gewissen machen. Es ging nur dank ihrem Verständnis», betont Schärer. Doch seit der Pensionierung vor neun Jahren können sie sehr viel gemeinsam unternehmen. Und weil er jetzt nach über fünf Jahrzehnten als Handball-Ausbildner ins zweite Glied zurücktritt, bald noch mehr.

Von null auf begonnen

1963 kam der junge Döttinger direkt aus dem Seminar ins Surbtal und unterrichtete alle Fächer, darunter auch Turnen. Doch in diesen Tagen waren sowohl der Platz als auch das Material äusserst knapp. So organisierte sich der damalige Goalie einige Bälle und stellte den Barren in die Mitte der Halle, sodass man von beiden Seiten einen Treffer auf das improvisierte Torgehäuse erzielen konnte.

So hat alles begonnen. Daraus entstanden ist ein Handballclub, den es in der heutigen Form ohne Heinz Schärer nicht geben würde. Seit 25 Jahren spielen die Surbtaler ununterbrochen in der Nationalliga. Mal im Oberhaus, momentan wieder in der Nationalliga B. Heute Abend steht das zweite Barrage-Spiel gegen Stäfa an. Die erste Begegnung hat Endingen 30:28 gewonnen und könnte nun erneut den Sprung in die Bel-Etage des Schweizer Handballs schaffen – dank der unermüdlichen Arbeit, die Schärer während mehr als fünf Jahrzehnten an der Basis geleistet hat.

Nie die Motivation verloren

Was treibt diesen Mann an, immer wieder das Gleiche zu erklären, immer wieder mit den nächsten Knirpsen ganz von vorne zu beginnen? Heinz Schärer muss nicht lange überlegen: «Ich bringe Jugendlichen gerne bei, dass sie miteinander etwas zustande bringen können.» Und das hat er immer geschafft. Denn «wenn man die Begeisterung rüberbringen kann, ist die Hälfte gewonnen».

Dabei gehe es nicht darum, der Beste zu werden, «sondern miteinander Spass, Freude und Genugtuung zu haben». Und dies auch, wenn man mal verliert.

So setzte Schärer seine Teams aus einer Mischung zusammen, die auch Niederlagen einstecken musste. Er hat ganz bewusst die grossen Talente mit jenen spielen lassen, die nicht ganz so prädestiniert für den Handball waren. «Aber es geht mir mehr um die Entwicklung als den kurzfristigen sportlichen Erfolg», betont er. Er stellte immer den Spass und die Leistung auf die gleiche Stufe. «Es geht um die langfristigen Perspektiven und um Kontinuität.»

Die Kontinuität hat Schärer seit 1963 vorgelebt. Doch jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um ins zweite Glied zurückzutreten. Ihm war es immer wichtig, dass sich mindestens zwei geeignete Trainer sich um die «Dreikäsehochs» kümmern. Diese wurden mit Marc Schurgast und Silvio Köpfli gefunden. So, wie Schärer sich mit Werner Pissoke lange ergänzt hat.

Jetzt springt er noch manchmal bei der U13 ein, macht Individualtrainings und stellt den Talenten auch mal eigene Trainingspläne zusammen. Kreativ, etwas anders und mit viel Herzblut – so, wie Heinz Schärer immer war. Und sein grosses Wissen wird er auch in Zukunft an die nächsten Endinger Handball-Generationen weitergeben.

Barrage-Spiel TV Endingen gegen Lakers Stäfa

Mittwoch, 19.30 Uhr, Frohberg Stäfa.
Die Endinger steigen auf wenn a) Endingen gewinnt oder b) bei Unentschieden oder c) bei Endinger Niederlage mit einem Tor Differenz oder d) bei Niederlage mit zwei Toren Differenz, wenn Endingen mehr als 28 Tore schiesst.