Würenlingen

Verfasser des anonymen Flugblatts fliegt aus der Würenlinger SVP

Nach dem Debakel bei der Gemeinderatswahl hat die Leitung der Orts-SVP gehandelt und dem Verfasser des anonymen Flugblatts die rote Karte gezeigt. Nach offizieller Version ist der Austritt Primo Miottis aus freien Stücken erfolgt.

Angelo Zambelli
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Das anonyme Flugblatt

Das anonyme Flugblatt

AZ

Seit Donnerstag ist Primo Miotti nicht mehr Mitglied der SVP Würenlingen. Im Anschluss an eine Aussprache mit der erweiterten Parteileitung im Restaurant Heimat in Rüfenach gab der 80-Jährige seinen Austritt aus der Ortspartei bekannt. Thema der Aussprache war das anonyme Flugblatt, das Miotti wenige Tage vor den Gemeinderatswahlen in eigener Regie verfasst und an die Haushaltungen verteilt hatte.

Der Frontalangriff Miottis auf Gemeindeammann André Zoppi führte zur Abwahl des Gemeinderats Joe Merki und diese wiederum dazu, dass die SVP nicht mehr im Gemeinderat vertreten ist.

«Unwürdiges Flugblatt»

In einer Pressemitteilung nimmt Parteipräsident Robert Frech im Namen der erweiterten Parteileitung Stellung zum wohl doch nicht ganz so freien Austritt Miottis. Die Parteileitung habe sich im Vorfeld der Gemeinderatswahlen mit dem Vorstand der anderen Parteien für einen fairen und anständigen Wahlkampf ausgesprochen, schreibt Frech in der offiziellen Mitteilung.

«Dies wurde auch den Parteimitgliedern im internen Publikationsorgan der SVP Würenlingen so weitergegeben. Leider hat sich ein Mitglied von uns (Primo Miotti, d. R.) nicht daran gehalten und in einer Einzelaktion ein unwürdiges Flugblatt verteilt, dessen Urheberschaft nun von den meisten Einwohnern der Gemeinde der SVP-Ortspartei zugeschrieben wird.»

Bei der Aufarbeitung der Geschehnisse durch die erweiterte Parteileitung sei festgestellt worden, dass diese unüberlegte Aktion zur Nichtwahl von Gemeinderat Joe Merki beigetragen und für die Ortspartei zu einem Imageschaden geführt habe. «Ein solches Vorgehen will und kann die Parteileitung der SVP Würenlingen nicht tolerieren», schreibt Parteipräsident Robert Frech. Mit dieser konsequenten Parteistrategie könnten Flugblätter nicht verhindert werden, «aber wenigstens ist jetzt klar, dass die Ortspartei solche Aktionen nicht akzeptiert.»

Mit dem Austritt Miottis sei die betrübliche Angelegenheit für die SVP Würenlingen erledigt, schreibt Parteipräsident Frech. Die erweiterte Parteileitung sei überzeugt, die Hausaufgaben gemacht zu haben und werde auch weiterhin ein wachsames Auge auf die Dorfpolitik werfen.

Miotti: Schwer enttäuscht

Primo Miotti zeigte sich schwer enttäuscht, dass er in den Reihen der SVP Würenlingen nicht mehr erwünscht ist. Er verweist darauf, dass er an der Aussprache in Rüfenach vor die Wahl gestellt wurde, freiwillig zurückzutreten oder andernfalls an der nächsten Parteiversammlung per Beschluss der Mitglieder aus der Partei ausgeschlossen zu werden. «Ich habe den Mitgliedern die Entscheidung abgenommen und bin selbst aus der Partei ausgetreten», schreibt Miotti in einer kurzen Stellungnahme, die er als seinen letzten Leserbrief deklariert. Auch weist Miotti darauf hin, dass die Vögel Joe Merkis Abwahl schon Monate vor seiner Flugblattaktion von den Dächern gepfiffen hätten.

Im letzten Abschnitt seines Schreibens entschuldigt sich Miotti bei allen, die sich über seine Leserbriefe und Aktionen geärgert haben, «vor allem bei meiner Frau, bei meinen Kindern und bei meinen Freunden, die jeweils einiges zu ertragen hatten.»