Würenlingen

Während der Fasnacht wird die Strassenbeleuchtung nachts wieder eingeschaltet

Gemeindeammann Zoppi: «Nach der Fasnachtseröffnung sind einige Reaktionen von besorgten Bürgern eingegangen.» Nun brennen die Strassenlaternen während der Fasnacht wieder in der Nacht.

Andreas Fretz
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An der Fasnacht soll es auf den Würenlinger Strassen sicher zu- und hergehen. Hunziker

An der Fasnacht soll es auf den Würenlinger Strassen sicher zu- und hergehen. Hunziker

Einmal im Jahr, um 4 Uhr in der Früh, wird der berühmteste Lichtschalter der Schweiz gedreht. In Basel gibt es einen Morgenstreich-Schalter, mit dem die öffentliche Beleuchtung der gesamten Innenstadt auf einen Schlag abgeschaltet wird.

Dann gehen 3000 Strassenlampen gleichzeitig aus und die Pfeifer und Tambouren stimmen synchron den «Morgestraich» an. Es ist der Höhepunkt der Basler Fasnacht.

Auch in Würenlingen gehen derzeit nachts die Lichter aus: Der Gemeinderat hat im Dezember beschlossen, während einer viermonatigen Versuchsphase von 1 bis 5 Uhr die Strassenbeleuchtung abzuschalten. Die Massnahme betrifft alle Gemeinde- und Kantonsstrassen, ausgenommen sind einige Verkehrsknotenpunkte.

Nach der Fasnachtseröffnung am 9. Januar regte sich gegen den Beschluss Widerstand. «Ich habe mich gewundert, dass ich in diesem Jahr um 1.30 Uhr im Dunkeln nach Hause laufen musste», beschwerte sich Urban Meier aus Würenlingen. Und weiter: «Ich bin der Meinung, dass hier am falschen Ort gespart wird. Die Abschaltung der Strassenbeleuchtung sollte nicht mit dem Risiko eines Unfalls einhergehen. Oder noch schlimmer: eines Übergriffs auf die in der Dunkelheit nach Hause gehenden Jugendlichen oder Erwachsenen.»

Meier bat die Verantwortlichen, den Entscheid zu überdenken und an Festanlässen die Beleuchtung im Dorf brennen zu lassen.

Nach den jüngsten Übergriffen auf Frauen in Deutschland steht die öffentliche Sicherheit auf dem Prüfstand. Eine Woche vor der Fasnacht verteilt zum Beispiel der Kanton Luzern in Asylzentren Broschüren mit Benimm-Regeln. Anlass für die Luzerner Aktion waren die Silvester-Übergriffe in Köln sowie Ängste in der Luzerner Bevölkerung.

André Zoppi, Gemeindeammann in Würenlingen, stellt eine «Sensibilisierung» fest. «Nach der Fasnachtseröffnung sind bei uns einige Reaktionen von Bürgern eingegangen», bestätigt er.

Im Gemeinderat ist auch deshalb die Überlegung gereift, dass die Sicherheit Vorrang geniesst. Während der Fasnacht wird die Strassenbeleuchtung wieder eingeschaltet. Dies soll in Zukunft generell bei grösseren Anlässen im Dorf gelten.

Allerdings steht in Würenlingen mehr die Sicherheit der Fussgänger und Verkehrsteilnehmer im Vordergrund. «Nach ein, zwei Bieren ist es bestimmt von Vorteil, wenn man den Randstein gut erkennen kann», sagt Dominik Bächli von der Fasnachtsgesellschaft Würenlingen mit einem Augenzwinkern. Er gibt auch zu bedenken, dass in einer Winternacht die Strassen eisig und glatt sein können.

Dass es Übergriffe geben könnte, daran glaubt in Würenlingen kaum jemand. «Es gab in der Vergangenheit nie Probleme», sagt Bächli und appelliert an den gesunden Menschenverstand.

In der Fasnachtsgesellschaft wurde die Angst vor Übergriffen bisher nicht speziell thematisiert. Auch Gemeindeammann Zoppi kann sich nicht vorstellen, dass es im geselligen Rahmen der Würenlinger Fasnacht Probleme geben wird. «Es gibt ein Veranstaltungs- und ein Sicherheitskonzept. Darüber hinaus haben wir keine besonderen Vorkehrungen getroffen», sagt Zoppi.

Anders in Baden: Die uniformierte polizeiliche Präsenz während der Fasnacht wird massvoll erhöht. Die Stadtpolizei Baden ist auch für Würenlingen zuständig.

Bisher gab es aber wegen der Fasnacht keinen Kontakt zwischen den Behörden. «Unsere Fasnacht ist überschaubarer als jene in Baden», sagt Zoppi, «die Leute sind bei uns nachts nicht in Gassen unterwegs, sondern in Restaurants und Zelten.»