Wegen Coronakrise: Beim Luxusledermöbel-Hersteller de Sede steht die Produktion still

Die Folgen der Coronakrise trifft zahlreiche Unternehmen hart − den Klingnauer Ledermöbelhersteller de Sede gleich doppelt.

Daniel Weissenbrunner
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Der Möbelhersteller de Sede beliefert aus dem Zurzibiet die ganze Welt.

Der Möbelhersteller de Sede beliefert aus dem Zurzibiet die ganze Welt.

SEVERIN BIGLER

Mit Krisen kennt sich Monika Walser aus. Als sie 2014 beim Möbelhersteller de Sede einstieg, stand dieser kurz vor dem Konkurs. Die frühere Chefin des Zürcher Taschenfabrikanten Freitag krempelte die Möbelmanufaktur um und schaffte die Trendwende. Das Unternehmen beschäftigt heute über 100 Mitarbeiter und stand bis Anfang dieses Jahres grundsolide da.

Die de Sede AG vertreibt Luxusledermöbel in die ganze Welt. Rund 70 Prozent der produzierten Möbel verkauft die Klingnauer Firma im Ausland. Als exportorientierter Betrieb ist de Sede besonders stark von der wirtschaftlichen Krise rund um das Coronavirus betroffen.

Ab Mitte Januar musste die Auslieferung beispielsweise nach China eingestellt werden. Kurz darauf kamen diverse europäische Länder mit Einschränkungen im freien Warenverkehr dazu. Die Folgen sind entsprechend einschneidend.

De Sede eröffnete 2019 einen Showroom in Shanghai:

Kurzarbeit für Mitarbeiter beantragt

Schwierigkeiten in der Logistik und Beschaffungsprobleme akzentuierten die ausserordentliche Lage. Inzwischen wurde die weltweite Auslieferung gestoppt, weil aus der Lombardei keine Teile mehr zur Fertigung der Möbel nach Klingnau gelangen.

Aus diesem Grund hat das Unternehmen die Produktion vorübergehend ausgesetzt und für seine Angestellten Kurzarbeit beantragt. Auch unter Berücksichtigung, dass die stete Einhaltung der behördlichen Vorschriften in der Manufaktur heikel geworden wäre sowie die erschwerten Bedingungen der vielen von de Sede beschäftigten Grenzgänger für die tägliche Einreise.

De Sede eröffnet 2017 ein Museum in Klingnau:

Umsatzverlust wegen Absage von Mailänder Messe

Die Coronakrise trifft die Firma ausgerechnet in einer Phase, in der die Auftragsbücher satt gefüllt waren. «Die aktuelle Lage war nach einem guten Start ins Geschäftsjahr und einer positiven Möbelmesse in Köln im Januar sehr gut. Die laufenden Investitionen waren auf die im April geplante Internationale Möbelmesse in Mailand ausgerichtet», sagt CEO Monika Walser.

Der Umstand, dass die Messe aufgrund der allgemeinen Lage in diesem Jahr nicht stattfinden werde, führte dazu, dass etliche Aufträge bereits zurückgezogen worden seien. Wie gravierend die Umsatzeinbussen sein werden, lasse sich derzeit noch nicht beziffern. «Stornierungen und der Verzicht auf die für uns als Verkaufsplattform für den Handel essenzielle Messe in Mailand werden jedoch zu einem erheblichen Umsatzverlust führen», sagt Walser.

Man hoffe, die Produktion jedoch unverzüglich wieder aufzunehmen, sobald die behördlichen Vorgaben dazu gegeben und die Probleme in Logistik und Beschaffung behoben sind, so Walser.

De Sede eröffnet 2017 einen Showroom in Hollywood

Bis es soweit ist, gilt auch für CEO Monika Walser, die Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. «Das nehme ich gerne auf mich, wenn ich damit sicherstellen kann, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund bleiben und in ein paar Wochen unversehrt nach Klingnau zurückkehren können.»

Ihre Angestellten liessen sich von der aktuellen Krise überdies moralisch nicht entmutigen. «Es ist ein krisenerprobtes Team», sagt Walser. Genau wie ihre Chefin.

Firmenchefin Monika Walser