Interview
Bauvorsteher Maurus Frey zur Bauskepsis in Kriens: «Wollen die Leute viel früher in Entwicklungsprozesse einbeziehen»

Die letzten Abstimmungsergebnisse zeigen: In Kriens haben es Bauprojekte zunehmend schwer. Der Stadtrat will dem Rechnung tragen.

Stefan Dähler

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Ja zum Einzonungsmoratorium, Nein zu Wohnungen an der Weinhalde – die letzten Abstimmungen zeigen: Nach der regen Bautätigkeit der letzten Jahre haben viele Krienserinnen und Krienser genug von Kränen und Bauplänen. Selbst die Pilatus-Arena, von Stadt- und Einwohnerrat fast geschlossen unterstützt, wurde am Sonntag nur knapp angenommen. Wie reagiert der Stadtrat auf diese Entwicklung? Das sagt Bauvorsteher Maurus Frey (Grüne) dazu.

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Interview
Bauvorsteher Maurus Frey zur Bauskepsis in Kriens: «Wollen die Leute viel früher in Entwicklungsprozesse einbeziehen»

Die letzten Abstimmungsergebnisse zeigen: In Kriens haben es Bauprojekte zunehmend schwer. Der Stadtrat will dem Rechnung tragen.

Stefan Dähler

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Ja zum Einzonungsmoratorium, Nein zu Wohnungen an der Weinhalde – die letzten Abstimmungen zeigen: Nach der regen Bautätigkeit der letzten Jahre haben viele Krienserinnen und Krienser genug von Kränen und Bauplänen. Selbst die Pilatus-Arena, von Stadt- und Einwohnerrat fast geschlossen unterstützt, wurde am Sonntag nur knapp angenommen. Wie reagiert der Stadtrat auf diese Entwicklung? Das sagt Bauvorsteher Maurus Frey (Grüne) dazu.

Der Krienser Bauvorsteher Maurus Frey (Grüne).

Bild: Patrick Hürlimann

Wie will der Stadtrat mit der gewachsenen Skepsis gegenüber dem baulichen Wachstum umgehen?

Maurus Frey: Die Qualitätsansprüche an die bauliche Entwicklung sind seitens der Bevölkerung gestiegen, was auch absolut berechtigt ist. Unser Ziel muss nun sein, diesem Anspruch gerecht zu werden und die Mehrheitsfähigkeit der Stadtentwicklung wieder herzustellen. Ein erster und zentraler Schritt wird die Revision des Bau- und Zonenreglements sein, die ab Mitte bis Ende des nächsten Jahres beginnen soll. Darin wollen wir die geforderte Qualität festhalten. Wichtige Grundlagen dafür sind mit dem Regelwerk Luzern Süd sowie dem Konzept der sozialräumlichen Entwicklung bereits vorhanden. Diese zielen auf lebenswerte Quartiere mit öffentlich nutzbaren Räumen ab. Und dies ohne dass neues Land eingezont wird, was aufgrund der angenommenen Initiative für ein Einzonungsmoratorium nicht möglich sein wird.

Sie haben nach der Abstimmung am Sonntag betont, die Bevölkerung stärker einbinden zu wollen. Wie?

Im Rahmen der Revision des Bau- und Zonenreglements wollen wir eine breit angelegte Partizipation durchführen. Wir werden dafür einen grossen Aufwand betreiben. Auf dem Weg dahin suchen wir nun ganz bewusst auch den Dialog mit der Bevölkerung – etwa mit unseren Stadtgesprächen (siehe Infotext unten). Wir wollen hinhören, was den Menschen von Kriens auf dem Herzen liegt.

Neue Gesprächsreihe mit dem Krienser Stadtrat

Um den Dialog mit der Bevölkerung zu stärken, startet der Krienser Stadtrat die «Stadtgespräche», wie er mitteilt. Diese ersetzen die Sprechstunde mit einzelnen Stadträten. Stattdessen nimmt das ganze Gremium am Anlass teil. Das erste «Stadtgespräch» findet am 9. Dezember von 17 bis 18.30 Uhr statt; aufgrund der Coronapandemie in digitaler Form. Infos dazu gibt hier. Das zweite Gespräch folgt am 17. März 2021. 

Bei der Pilatus-Arena gab es im Frühling 2019 auch einen Mitwirkungsprozess. Das Interesse war bescheiden, es gab nur acht Rückmeldungen, obwohl das Projekt sehr umstritten ist, wie das Abstimmungsresultat zeigt. Wie wollen Sie künftig einen grösseren Teil der Bevölkerung erreichen?

Wir wollen nicht einfach nur die fertig entwickelten Projekte in einem Saal vorstellen, dann ein paar kritische Voten anhören, die Punkte aufnehmen und fertig. Wir streben mehr als eine Mitwirkung an, sondern eine echte Partizipation. Das heisst, wir wollen die Leute viel früher in Entwicklungsprozesse einbeziehen. Es kann mit-, aber auch eingewirkt werden. So wollen wir Vertrauen schaffen in die Entwicklung eines Projekts. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass auch so nicht alle Erwartungen erfüllbar sein werden. Es wird immer auch Anspruchsgruppen geben, die unzufrieden sind. Aber das Ziel muss sein, wieder eine grössere Zustimmung zur Stadtentwicklung zu erhalten.

Welche weiteren Projekte stehen in Kriens an, bei denen eine Abstimmung möglich ist?

Im Raum Kriens Mattenhof wird sich noch einiges bewegen und verändern. Derzeit sind dort aber keine weiteren Bebauungspläne in Arbeit. Im Zentrum aber laufen die Vorbereitungen für die Umgestaltung des Bell-Areals. Das ist ein Gebiet mitten im Herzen der Stadt, auch hier wollen wir die Leute mitnehmen in den Entwicklungsprozess.

Beim Bell-Areal hat der alte Stadtrat bereits vor dem Planungswettbewerb, der derzeit läuft, partizipative Anlässe durchgeführt.

Ja, das Projekt hat sehr positiv angefangen und wir wollen diesen Weg weiterführen. Für den neuen Stadtrat ist klar: Solche Prozesse, in der die Bevölkerung die Entwicklung begleiten und auch in diese eingreifen kann, sind heute nicht mehr einfach nur «nice to have», sondern gehören zum Pflichtprogramm bei grösseren Bauprojekten. Dies nicht nur in Kriens, sondern auch in anderen Zentrumsgemeinden. Die Menschen stehen ein für ihre höheren Qualitätsansprüche in der Stadtentwicklung. Schliesslich handelt es sich um deren Lebensraum, der verändert wird.

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