Jungwachtlager auf dem Lienisberg: Ohne den Schottenrock geht gar nichts

Rahel Hug
Auf dem Walchwilerberg ist ein grosses Zeltlager entstanden. In ihrem Lager müssen sich die 82 Jungwächtler aus Malters und ihre Leiter gegen die Engländer verteidigen.

Jungwachtlager auf dem Lienisberg: Ohne den Schottenrock geht gar nichts

Rahel Hug
Auf dem Walchwilerberg ist ein grosses Zeltlager entstanden. In ihrem Lager müssen sich die 82 Jungwächtler aus Malters und ihre Leiter gegen die Engländer verteidigen.

Jungwachtlager auf dem Lienisberg: Ohne den Schottenrock geht gar nichts

Auf dem Walchwilerberg ist ein grosses Zeltlager entstanden. In ihrem Lager müssen sich die 82 Jungwächtler aus Malters und ihre Leiter gegen die Engländer verteidigen.
Rahel Hug

Bei der Jungwacht Malters legen die Kinder und Jugendlichen fleissig Hand an. Fabio Wermelinger sägt sich ein Schwert. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 10. Juli 2019)

Wo befindet sich das WC mit der schönsten Aussicht im Kanton Zug? Die Antwort lautet: Auf dem Lienisberg. Es handelt sich um ein stilles Örtchen, das nur temporär aufgebaut wurde: Auf dem Lagerplatz der Jungwacht Malters nämlich. Diese weilt zurzeit für zwei Wochen im Sommerlager auf dem Walchwilerberg. Der Ausblick auf den Zugersee, den Ennetsee und in die Ferne sucht seinesgleichen.

Die «Latrine mit Aussicht». (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 10. Juli 2019)

Das gleiche gilt für die Dusche, welche die Jungwächtler aus dem Kanton Luzern selbst gezimmert haben und die dank eines Boilers sogar Warmwasser hat. Man habe sich damit ein bisschen Luxus geleistet, sagt der Lagerleiter Cyrill Burch (20) mit einem Lachen.

Auch Hühner und 
Hasen sind mit dabei

Ortstermin auf dem Lagerplatz am Mittwochnachmittag. Die Sonne strahlt vom Himmel und die Stimmung bei den 82 Kindern und Jugendlichen ist locker. Nach dem Mittagessen – es gab Fischknusperli mit Kartoffeln – ist Abwaschen und Freizeit angesagt. Bei der Gruppe «Grizzlys» sind einige Buben gerade daran, Pfeile und Bögen herzustellen.

Junge Handwerker im Kilt. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 10. Juli 2019)

Sie wappnen sich damit für den Kampf gegen die Engländer. Das Lagermotto heisst «Bei den Schotten». Weil die Tochter des Schottenkönigs entführt wurde, herrscht böses Blut. Kürzlich kam es zum Angriff der Engländer, jetzt gilt es, sich zu schützen. «Es ist ein lustiges Motto», sagt Martin (12). «Wir tragen jeden Tag unsere Schottenröcke.» Auf die Frage, was ihm bis jetzt am meisten gefallen habe, sagt der Jungwächtler: «Wir hatten ein Nachtgame im Dunkeln, mit Fackeln. Das war cool.» Sein Kollege Andreas (13) sagt: «Das Schnitzen und dass wir selber werken können, gefällt mir besonders gut.» Die benachbarte Gruppe, die «Säbelzahntiger», ist auch schon gut ausgerüstet. Schilder, bedruckt mit dem Umriss eines Stiers, Helme und Schwerter aus Holz haben die Buben gebastelt. Beim kurzen Übungskampf, den sie den Besuchern demonstrieren, wird klar: Gegen diese starken Kämpfer kommt kein Engländer an.

Gewappnet für den Kampf. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 10. Juli 2019)

Die Teilnehmer im Alter von 8 bis 16 Jahren haben in verschiedenen Gruppen ihre Zelte aufgeschlagen. So sind auf dem hügeligen und weitläufigen Platz verschiedene kleine «Dörfer» entstanden – Hühner- und Hasengehege inklusive. «Jeden Morgen gibt es ein paar frische Spiegeleier», erklärt Leiter Cyrill Burch, der ebenfalls stilecht einen blauen Kilt trägt.

Die Hühner liefern den Lagerteilnehmern frische Eier. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 10. Juli 2019)

Bei ihren Bauten scheute die Jungwacht Malters keinen Aufwand. Auf der höchsten Stelle des Platzes steht der Fahnenturm, der jeweils abends beleuchtet wird, einige Zelte sind mit Terrassen ausgestattet, es gibt sogar eine Riesenschaukel aus einem Baumstamm. In den Gruppenzelten befinden sich selbst gemachte Bänke und Hochsitze.

Für dieses Zelt wurde eigens eine Terrasse gebaut. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 10. Juli 2019)

Das rund 40-köpfige Leitungsteam hat bereits einige Tage vor dem Lagerstart am 6. Juli mit dem Aufbau begonnen. «Vier Lastwagenfahrten waren nötig, um alles Material hierher zu schaffen», berichtet Cyrill Burch, der seit vier Jahren als Leiter aktiv ist. 16 Bund Holzschwarten und rund 200 Militärblachen der Organisation Jugend + Sport plus eigene wurden für die Lagerbauten verwendet.

Am Wochenende findet 
der Besuchstag statt

Die Leiter haben bereits im November mit den Vorbereitungen begonnen. Cyrill Burch ist zufrieden, wie das Lager bisher verlaufen ist. «Unfälle hatten wir bis jetzt glücklicherweise keine» erzählt er. «Und auch das Heimweh hält sich in Grenzen.» Ihre Eltern werden die Kinder nämlich bereits am Wochenende wieder sehen: Dann findet der Besuchstag statt.

Nächste Woche steht ausserdem eine zweitägige Wanderung mit Badibesuch auf dem Programm. Und auch das Lagermotto verspricht weiterhin viel Spannung. Man munkelt, dass demnächst einige Leiter von den Engländern entführt werden. Ob es den jungen Kämpfern gelingen wird, sich gegen die Eindringlinge zu wehren?

Die Stimmung bei den jungen Schotten ist gut. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 10. Juli 2019)