Seat

Eher Nische statt Masse

Und noch ein neues Modell aus dem Modularen Querbaukasten (MQB) der Volkswagen-Gruppe: Seat Leon ST. Man darf ihn irgendwie als Nachfolger des Alfa 159 sehen...

Peter Ruch
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Seat Leon ST

Seat Leon ST

HO

Das spanische Brüderchen des feinen VW Golf 7, der Seat Leon, ist jetzt erstmals auch als Kombi erhältlich, genannt ST. Länglichst haben wir die einzelnen Derivate des Golf der 7. Generation schon abgehandelt, beschrieben, gefahren. Alles gute Autos, der Golf selber, der Audi A3, der Skoda Octavia, der Seat Leon, da gibt es nicht viel zu mäkeln. Und am Leon mögen wir, dass er ein bisschen hübscher, flotter sein darf, optisch zumindest, als das Normal-Programm. Es ist zwar nicht ganz einfach, die einzelnen Produkte der Volkswagen-Gruppe untereinander zu vergleichen, weil das eine Modell hat das, jenes auch, ein anderes wieder nicht. Aber gehen wir mal vom Basismodell zum Basispreis aus. Den neuen Leon ST gibt es ab 20 750 Franken, dies mit dem 1,2-Liter mit 85 PS, den aber in der Schweiz wohl eh niemand kauft. Den günstigsten Ocatvia Combi, ebenfalls mit 1,2 Liter Hubraum, aber 105 Pferden, gibt es schon ab 20 520 Franken. Der Tscheche hat ein Kofferraumvolumen von mindestens 590 Liter, maximal sind es 1740 Liter; beim Seat sind es 587 bzw. 1470 Liter. So rein nach Zahlen gewinnt also der Skoda problemlos. Und bei einem Kombi, sagt man doch, kommt es ja in erster Linie auf diese Zahlen an.

In Sachen Antrieb schenken sich die beiden auch nichts, denn sie bedienen sich ja fröhlich aus den grossen Regalen in Wolfsburg. Wir fuhren den FR (Formula Racing), also das 180-PS-Modell mit DSG und überhaupt allem, was man für das standesgemässe Vorankommen so braucht, inklusive der wirklich empfehlenswerten Progressivlenkung. Skoda hat sowas auch (und hat mit dem RS sogar noch mehr...), da kann der Spanier also auch nicht punkten. Da darf man sich dann schon die Frage stellen, was das Hauptquartier denn mit Seat plant, wenn man den potenziellen Kunden keine wirklich guten Gründe liefert, sich einen Leon ST anzuschaffen, irgendein Alleinstellungsmerkmal wäre doch noch sinnreich. Seat wird dann wohl sagen: die Optik. Und ja, tatsächlich, der Leon ist als Kombi ein hübscher Kerl, vielleicht sogar noch adretter als der Hatchback. Es gibt den Leon ja jetzt erstmals mit Rucksack, und das ist den Spaniern gut gelungen, langgestreckt wirkt er, schön flach, irgendwo zwischen aggressiv und elegant. Aber ob das reicht? Es ist nett, dass es ihn gibt - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er wird keine Chance haben gegen den Golf Variant und erst recht keine gegen den Octavia Combi. Das hingegen könnte bei einer kleinen Minderheit, die halt kein Auto will, das an jeder Strassenecke steht, eine Chance sein.