Kleines Auto, grosser Spass

Aussen Kleinwagen, innen Rallye-Auto: Der Toyota GR Yaris ist die Strassenversion des Rallye-WM-Renners.

Philipp Aeberli
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Verbreiterte Karosserie und grosse Lufteinlässe: Äusserlich ist der GR Yaris deutlich zu erkennen.

Verbreiterte Karosserie und grosse Lufteinlässe: Äusserlich ist der GR Yaris deutlich zu erkennen.

Bild: HO

«Race on sunday, sell on monday», so eine gängige Weisheit in der Autobranche. Demnach kurbeln Erfolge im Motorsport das Geschäft an – nebst der technischen Entwicklung, die der Motorsport vorantreibt, eines der wichtigsten Argumente für das Engagement einer Marke im Rennsport.

Damit das Image auch erfolgreich von der Rennpiste auf die Strasse transportiert werden kann, braucht es ein Strassenmodell, das dem echten Renner glaubhaft ähnlich sieht und auch auf ähnliche Technik setzt, soweit das möglich ist. Anders rum braucht der Hersteller auch ein geeignetes Strassenmodell als Basis, um ein möglichst gutes Rennauto aufbauen zu können – ein sogenanntes Homologationsmodell.

Mit dem neuen GR Yaris schlägt Toyota also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Der sportlichste Yaris transportiert die Rallye-Erfolge der Marke – 2019 holte der estnische Rallyefahrer Ott Tänak den WM-Titel auf einem Toyota, die aktuelle Saison führt Elfyn Evans an, ebenfalls auf einem Toyota – glaubhaft in die Showrooms. Ausserdem bietet das neue Homologationsmodell bessere Grundvoraussetzungen für die Renningenieure als ein normaler Yaris. Das sieht man schon auf den ersten Blick: Während die zivileren Yaris-Versionen ausschliesslich als Fünftürer erhältlich sind, kommt das Sportmodell als Dreitürer – und mit deutlich abgeflachter Dachlinie. Am Heck ist das Dach ganze neun Zentimeter tiefer gesetzt als beim Standard-Kleinwagen, wodurch die Renningenieure beim Wettbewerbsauto einen besser funktionierenden Spoiler montieren können. Zudem wurde der «GR» um 6 Zentimeter verbreitert und 5,5 Zentimeter verlängert.

Die Verbesserungen und Veränderungen gingen so weit, dass vom herkömmlichen Toyota Yaris fast nichts mehr übrig blieb. Lediglich Front- und Heckleuchten und die Aussenspiegel sind noch identisch. Zur Gewichtsoptimierung wurde das Dach aus Karbonfaser gefertigt, Türen und Haube aus Aluminium. Die Bodengruppe wurde ebenfalls neu konstruiert und mit Hinterachsteilen aus dem grösseren Corolla versehen – sodass nun auch ein Allradantrieb verbaut werden kann.

Toyota GR Yaris
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Toyota GR Yaris
Toyota GR Yaris
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Toyota GR Yaris

Toyota GR Yaris

Bild: HO

Traktion auf jedem Untergrund

Der Allradantrieb läutete Mitte der 1980er-Jahre eine neue Ära im Rallye-Sport ein: Die Autos mit 4×4 fuhren fast von Beginn weg aufs Podest, weil sie ihre Motorleistung deutlich besser auf den Untergrund brachten – ganz egal, ob dieser aus Asphalt, Schotter oder Schnee besteht. Inzwischen ist der Allradantrieb aus dem Rallye-Sport fast nicht mehr wegzudenken und ist auch bei fast allen leistungsstarken Strassenautos eine Selbstverständlichkeit. Toyota hat für den GR Yaris ein komplett neues Allradsystem entwickelt, das die Kräfte variabel auf die beiden Achsen verteilen kann. Über einen Drehschalter im Cockpit kann der Fahrer die Kraftverteilung einstellen.

Im Normalmodus geht die Leistung zu 60% an die Vorderachse, um im Alltag möglichst sicher unterwegs zu sein. In der «Sport»-Einstellung geht die Kraft zu 70% an die Hinterachse, was den Kleinen bemerkenswert agil und fahraktiv macht. Die «Track»-Einstellung verteilt die Motorleistung gleichmässig auf beide Achsen – ideal für Bestzeiten auf der Rund- oder Rallye-Strecke.

Gegen Aufpreis von 4900 Franken kommt mit dem «Circuit Pack» unter anderem je ein selbstsperrendes Differenzial an der Vorder- und Hinterachse hinzu. Diese Option lohnt sich für all jene, die den GR Yaris voll auskosten möchten. Die Differenziale verhindern einen zu grossen Drehzahlunterschied zwischen dem linken und rechten Rad einer Achse; so kann das kurveninnere Rad nicht durchdrehen. Stattdessen wird die Leistung genutzt, um das Auto noch besser um die Kurve zu drücken. So gerüstet, gehört der kleine Toyota zu den ganz grossen, wenn es um Fahrspass auf kurvigen Strecken geht.

Er fühlt sich einzigartig kompakt an, fährt sich ungemein präzise und spielerisch und gibt sich jederzeit gut beherrschbar – selbst wenn auf abgesperrter Strecke die elektronischen Fahrhilfen ganz deaktiviert werden.

Für passenden Vortrieb sorgt ein ebenfalls neu entwickelter Motor. Der 1,6-Liter-Turbo ist der stärkste Dreizylinder in einem Serienauto und kann in unveränderter Form in der WRC2, der zweithöchsten Rallye-Kategorie, eingesetzt werden. Sein maximales Drehmoment von 360 Nm liegt zwar erst bei 3000 Umdrehungen, doch baut der Motor auch schon davor kontinuierlich Druck auf – und wirkt dadurch im nur 1280 kg leichten Kleinwagen enorm kräftig.

Abgerundet wird das sportliche Gesamtpaket durch eine knackige 6-Gang-Handschaltung mit kurzen Schaltwegen und dazu passender, überarbeiteter Pedalerie, die auch das sportliche Zurückschalten mit Zwischengas möglich macht – sofern der Fahrer dies nicht per Knopfdruck der Elektronik überlassen will.

Toyota GR Yaris

Motor: 3 Zyl. Turbo, 1618 ccm

Leistung: 261 PS/360 Nm

Antrieb: 6-Gang man., 4×4

L×B×H: 3995×1800×1455 mm

Kofferraumvolumen: 174 l

Gewicht: 1280 kg

0–100 km/h: 5,5 Sek.

Vmax: 230 km/h

Verbrauch Werk (WLTP): 8,3 l/100 km

Preis: ab 37900 Franken