Lexus: Luxus-Alternative aus Japan

Der aktuelle RX 450h zeigt, dass Lexus seine Grundprinzipien weiterhin vertritt.

Georg Ueding
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Grosse Ambitionen hatte Toyota mit der luxuriösen Tochtermarke Lexus von Anfang an. Die Marke kam quasi aus dem Nichts- und mischte sogleich das Luxussegment auf. 1989 gegründet, kam das erste Modell LS400 schon 1990 nach Europa und in die Schweiz. Ziel war es, ein Automobil auf den Markt zu bringen, das «besser ist als das Beste der Welt», so formulierte es seinerzeit Toyota-Präsident Eiji Toyodam. Gemeint waren die damaligen deutschen Platzhirsche BMW 7er und Mercedes S-Klasse. Keine einfache Aufgabe also, und entsprechend hochgesteckt waren die Ziele: Die Limousine sollte eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen, dabei durchschnittlich höchstens 10,5 l/100 km verbrauchen, einen Luftwiderstand von höchstens 0,29 cW haben und im Innenraum auch noch besonders leise sein – 58 Dezibel bei 100 km/h war hier die Vorgabe.

Dazu musste ein komplett neuer Motor konzipiert werden, was hohe Entwicklungskosten nach sich zog. Fast 1000 Versuchsträger wurden gebaut, bis man sich für eine finale Version entschied: einen V8 mit vier Litern Hubraum und 241 PS. 450 weitere Prototypen spulten insgesamt über 4,4 Millionen Testkilometer ab, bevor der LS400 auf der North American International Auto Show 1989 in Detroit erstmals die Bühne betrat.

Der Ursprung: Lexus LS400 (1989).

Der Ursprung: Lexus LS400 (1989). 

zvg

Der Aufwand zahlte sich aus

Der hohe Entwicklungsaufwand zahlte sich aus: 42 000 Fahrzeuge wurden im ersten Jahr verkauft. Ausschlaggebend für diesen Erfolg war auch der mit 38000 US-Dollar vergleichsweise niedrige Preis: Ein BMW 7er schlug damals mit mindestens 55000 Dollar zu Buche, eine Mercedes-Benz S-Klasse lag bei 63000 Dollar. Erschüttert von der plötzlichen Konkurrenz sah man sich bei Mercedes genötigt, kurzfristig Verbesserungen an der neuen S-Klasse, die 1991 vorgestellt wurde, vorzunehmen. Das führte zu massiven Kostenüberschreitungen – und kostete dem damaligen Chefentwickler schliesslich den Job.

Lexus hatte bewiesen, dass man sich auch in Japan auf den Bau von Luxuslimousinen versteht, und gleich von Anfang an seine Position als ernstzunehmende Konkurrenz klar gemacht. Da störte es auch nicht, dass das Design der ersten LS400 stark an die deutschen Vorbilder erinnerte.

Im Verlaufe der Zeit hat sich Lexus fest im Strassenbild etabliert, vor allem in den USA, aber auch in der Schweiz: Über die letzten drei Jahre wurden hierzulande im Schnitt fast 800 neue Lexus jährlich zugelassen, Tendenz steigend. Neben dem Luxusaspekt ist die Marke mittlerweile auch für ein breites Angebot an Modellen mit Hybridantrieb, bei dem man von der Expertise von Konzernmutter Toyota profitiert.

Ein gutes Beispiel für das, wofür die Marke heute steht, ist der RX450h.

Weiterhin eine interessante Alternative?

Das Vollhybrid-SUV gibt es schon seit 2009, die vierte Generation seit 2015. Sein jüngstes Facelift erhielt es dieses Jahr. Wie vor 30 Jahren liegt das Hauptaugenmerk auf Luxus. Das Fahrgefühl lässt sich als entspanntes Dahingleiten beschreiben: Das adaptive Fahrwerk bügelt alle Bodenwellen zuverlässig weg, die Kombination aus V6-Saugmotor und zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse beschleunigt das 2-Tonnen-Schiff dank 313 PS Systemleistung sanft, aber mit Nachdruck. Der Verbrauch bleibt mit 5,9l/100km im WLTP-Zyklus erfreulich niedrig; im Testalltag waren es in der Regel rund 7 l/100 km Benzin. Dabei merkt man als Fahrer kaum, ob der Lexus gerade rein elektrisch oder im Hybridmodus unterwegs ist – die Technik arbeitet unmerklich im Hintergrund. Auch im Innenraum muss sich der Lexus keineswegs vor der Konkurrenz verstecken: Feine Materialien treffen auch eine ausgezeichnete Verarbeitungsqualität, von der sich manch anderer «Premiumhersteller» eine Scheibe abschneiden könnte.

Design hebt sich der Lexus deutlich von den etablierten Konkurrenten ab – in Sachen Luxus und Platzangebot spielt er in derselben Liga.
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Das Cockpit wirkt sehr edel verarbeitet, die Bedienung verlangt etwas eingewöhnung.
Beim Platzangebot spielt der Lexus in einer Liga mit der etablierten Konkurrenz.

Design hebt sich der Lexus deutlich von den etablierten Konkurrenten ab – in Sachen Luxus und Platzangebot spielt er in derselben Liga.

HO

Das Mark Levinson-Soundsystem klingt erstklassig und mit den heute üblichen Assistenzsystemen ist das SUV üppig ausgestattet. Einziger Wermutstropfen ist das behäbige, stufenlose E-CVT-Getriebe, das bei stärkerer Beschleunigung den Motor konstant auf einer hohen Drehzahl hält. Bei entspannter Fahrweise fällt das allerdings kaum auf.

Mit 69 200 Franken ist auch der Basispreis weiterhin konkurrenzfähig: Ein BMW X5 kostet fast 15000 Franken mehr, als Plug-in-Hybrid sogar fast 30000 Franken mehr. Somit bleibt Lexus auch nach 30 Jahre seinen Prinzipien treu – und stellt eine echte Alternative zu den etablierten «Premiumherstellern», bei der man trotz geringerem Preis kaum Abstriche machen muss.

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