Opel Astra
60 Jahre und kein bisschen müde

1962 brachte Opel den Kadett A auf den Markt und diesen Sommer, 60 Jahre später, folgt die inzwischen elfte Generation in Form des neuen Astra.

Stephan Manfredi
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Der neue Astra trägt die heute typische Vizor-Front und ist serienmässig mit LED-Licht ausgestattet. Bereits im Spätsommer folgt der Kombi.

Der neue Astra trägt die heute typische Vizor-Front und ist serienmässig mit LED-Licht ausgestattet. Bereits im Spätsommer folgt der Kombi.

Bild: zVg

Wer die Anfänge des Kadett nur in den 1960er-Jahren sucht, greift eindeutig zu kurz. Denn bereits 1936 hatte Opel einen ersten Kadett herausgebracht. Der war mit seiner selbsttragenden Karosserie ein echter Vorreiter und wurde bis 1940 über 100’000 Mal gebaut. Die Tradition des kompakten, hoch entwickelten Massenfortbewegungsmittels hat der Kadett nach dem langen, kriegsbedingten Unterbruch ab 1962 wieder aufgenommen und sie bis zum neusten Astra heute unbeirrt fortgesetzt. Die 4,37 m lange Steilhecklimousine verlässt jetzt als vorletzter Opel die GM-Vergangenheit (1929 bis 2017) und wechselt auf den Stellantis-Technologiestandard; dieser Wechsel steht nur noch dem Opel-Flaggschiff Insignia bevor.

Hochwertig

Die sogenannte EMP2-Plattform des neuen Astra hat bereits die dritte Evolutionsstufe erreicht und profitiert von den Erfahrungen, die Peugeot und Citroën mit den früheren Versionen gemacht haben. Bei der Überarbeitung der Plattform standen die Komforteigenschaften des Astra im Fokus. Aber nicht nur, denn beim Fahrwerk resultiert auch mittels steiferem Chassis eine hohe Lenkpräzision. Dies verspricht eine ansprechende Kombination, ein Spagat, den der neue Wagen locker schafft. Wir finden die Bestätigung nach nur kurzer Fahrt, denn der Astra schluckt einerseits Stösse und Bodenwellen effizient, wird zugleich aber alles andere als träge. Er gibt sich agil und kurvenfreudig und vermittelt eine Menge Fahrspass.

Pure Panel steht für ein Cockpit mit zwei 10-Zoll-Bildschirmen und einer ausgefeilten Kombination von Direkttasten zum Touchscreen.

Pure Panel steht für ein Cockpit mit zwei 10-Zoll-Bildschirmen und einer ausgefeilten Kombination von Direkttasten zum Touchscreen.

Bild: zVg

Im Innern geht der Komfort weit über die sehr gut stützenden und bequemen Sitze hinaus, denn das äusserst durchdachte und intuitive Bedienungskonzept ist ein echtes Highlight. Endgültig ausgedient haben die klassischen Rundinstrumente, sie machen dem volldigitalen Cockpit «Pure Panel» Platz, das Opel mit dem Mokka im letzten Jahr eingeführt hatte. Im Astra besteht es aus zwei 10-Zoll-Bildschirmen, einer dient als Hauptinstrument, der andere vereint als Touchscreen alle Multimedia- und Komfort-Einrichtungen. Dazu kommt eine beschränkte Anzahl einzelner Tasten.

Opel ist es gelungen, Touchscreen und Einzeltasten äusserst sinnvoll zu kombinieren. Denn Touchscreens sind ja eigentlich ein Albtraum im fahrenden Auto, lenken beim Bedienen stark ab. Auch beim Astra lässt sich der Bedienfinger nur durch Abstützen der Hand auf dem Displayrahmen sicher führen. Doch wichtige Funktionen und die Klimatisierung werden mittels der Tasten bedient, was die Handhabung wesentlich vereinfacht und Eingriffe via Touchscreen auf ein Minimum reduziert.

Pure Panel ist Standard beim Astra und weist in jeder Version die gleichen Funktionalitäten auf. Je nach Ausstattung ändert sich das Oberflächenmaterial: in teureren Modellen liegen die Displays unter Panzerglas, beim Basismodell besteht der Rahmen aus Kunststoff.

Elektrifiziert

Der Astra wird zwar ab 2023 auch als reines Elektromobil gebaut werden, bis dahin aber beschränkt sich die Elektrifizierung auf den Plug-in-Hybrid. Dieser bietet 180 PS Systemleistung, in Kürze folgt eine 225-PS-Version. Elektrisch fährt der Plug-in bis 135 km/h schnell, die Reichweite mit der 12,4-kWh-Batterie beträgt 60 km, im Stadtzyklus gar 74 km. Neckisch finden wir, dass der Tacho von weisser auf blaue Schrift wechselt, sobald der Plug-in elektrisch fährt. Die Antriebspalette umfasst zudem einen 1,2-Liter-Dreizylinder (110 und 130 PS) und einen 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel (130 PS), Benziner und Diesel gibt’s wahlweise mit Handschaltung oder 8-Stufen-Automatik.

Platzmässig verliert der Plug-in lediglich 70 Liter Kofferraumvolumen, was annähernd dem Stauraum unter dem Ladeboden entspricht. Der Kofferraum des normalen Astra beträgt 422–1339 Liter, elektrifiziert sind es 352–1268 Liter. Bereits im Spätsommer folgt der Kombi Sports Tourer mit gut 610–1635 Litern (Plug-in jeweils minus 70 l), ist aber doch nur rund 7 cm länger als der Fünftürer. Kombi und Limousine sind gleich motorisiert, somit dürfte der Astra eines der ersten, oder gar das erste Kombi-Elektromobil werden.

: Der neue Astra ist das erste Modell aus der Kadett/Astra-Reihe ausserhalb von General Motors.

: Der neue Astra ist das erste Modell aus der Kadett/Astra-Reihe ausserhalb von General Motors.

Bild: zVg

Neue Modellstrategie

Als weitere Veränderung führt Opel in der Schweiz mit dem Astra eine neue Modellstrategie ein und bringt den Astra als Swiss, Swiss Plus und Swiss Premium. Dabei kostet Swiss Plus knapp 5000 Franken mehr als Swiss, Swiss Premium zusätzliche 3750 Franken zu Swiss Plus. Neben Pure Panel erhalten alle Astra LED-Vollbeleuchtung, jedoch erst ab Swiss Plus ist es die hervorragende Lichttechnologie als aktives Matrix-Licht Intelli-Lux. Die Astra-Preise beginnen mit dem Benzinmotor bei 28’780 Franken, der Diesel kostet ab 32’840 Franken und der Plug-in-Hybrid ab 39’550 Franken.