Schwedisches Taschenmesser

Der Volvo XC40 T5 Twin Engine im Test: Wie vielseitig ist das Kompakt-SUV als Plug-in-Hybrid?

Philipp Aeberli
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Der Akku ist, je nach Stromstärke, in fünf bis neun Stunden voll geladen.

Der Akku ist, je nach Stromstärke, in fünf bis neun Stunden voll geladen.

Bild: zvg

Das Schweizer Taschenmesser ist weltberühmt. Es ist kompakt genug, damit es in jeden Hosensack passt, aber dennoch vollgepackt mit cleveren Funktionen für fast jede Lebenslage. Darüber hinaus ist das Sackmesser eine echte Designikone.

Insofern möchte der XC40 das Pendant aus Schweden sein, erst recht in der jüngsten Variante als T5 Twin Engine. Trotz kompakter Abmessungen, sodass das skandinavische SUV auch in engen Parkhäusern einen Platz findet, ist es vollgestopft mit modernster Technik. Das zeigt schon ein Blick ins Cockpit: digitale Instrumente, ein hochkant gestellter 9,2-Zoll-Touchscreen, fast keine Knöpfe und ein sehr aufgeräumtes und schlichtes Ambiente.

Am Display lassen sich verschiedene Fahrmodi wählen – von rein elektrisch bis sportlich.

Am Display lassen sich verschiedene Fahrmodi wählen – von rein elektrisch bis sportlich.

Bild: zvg

Nach kurzer Eingewöhnung ist die Bedienung so problemlos wie am heimischen Tablet – und man freut sich über das luftige Raumgefühl und die zahlreichen Ablageflächen. Sogar die Lautsprecher hat Volvo aus den Türtafeln unter das Armaturenbrett verbannt, damit in der Tür noch mehr Platz für dies und das bleibt. Darüber hinaus wirkt der Innenraum enorm solide und hochwertig verarbeitet, was zum gelungenen Design passt.

Für alles gerüstet

Das Schweizer Taschenmesser von Victorinox hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Auch die klassischen Versionen sind weiterhin erhältlich – doch gibt es auch Messer mit bis zu 83 Funktionen. Zwar ist dieses Klappmesser mit 351 Gramm dem Hosensack schon etwas entwachsen, doch bietet es für jede Herausforderung das richtige Werkzeug. Fast genauso vielseitig fühlt sich die Auswahl an Fahrassistenzsystemen im XC40 an. Typisch für Volvo sind die Sicherheitssysteme, wie zum Beispiel ein Notbremsassistent, ein Querverkehrswarner, der im Notfall auch bremst, um beispielsweise Kollisionen mit dem Querverkehr beim Ausparken zu verhindern, oder auch ein Spurhalteassistent, der auf der Autobahn die Lenkung übernehmen kann und damit eine teilautonome Fahrfunktion bietet.

Angenehm ist, dass sich die Systeme im Alltag keine nervigen Fehlfunktionen leisten und damit nicht negativ auffallen.

E-Antrieb auf Knopfdruck

Im XC40 verbauen die Schweden zum ersten Mal ihre neueste Antriebseinheit. Ein 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner und eine E-Maschine kommen zusammen auf maximal 262 PS und 425 Nm Drehmoment, die per 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik an die Vorderräder geschickt werden.

Im Hybrid-Modus, also wenn beide Motoren für den Vortrieb zuständig sind, wirkt der Antrieb erstaunlich gesittet. Der Benziner wurde sehr gut weggedämmt, sodass er sehr leise und ohne störende Vibrationen läuft. Er wird wenn immer möglich ausgeschaltet, beispielsweise, wenn das Auto ausrollt, und schaltet sich wenn nötig wieder zu. Dieses Zusammenspiel funktioniert sehr harmonisch und ohne Ruckeln. Trotz vermeintlich kleinem Dreizylinder fühlt sich der XC40 also sehr souverän motorisiert an – und ist dank tiefem Geräuschpegel und gutem Federungskomfort uneingeschränkt langstreckentauglich.

Bei nicht geladenem Akku lag der Durchschnittsverbrauch im Test bei 5,8 l/100 km, mit einer Tankfüllung kommt man also mindestens 800 Kilometer weit. Das kann man aber quasi beliebig verlängern, indem man den Schweden möglichst oft an die Steckdose anschliesst.

Das Batteriepaket ist im Getriebetunnel untergebracht, sodass dadurch kein Platz im Kofferraum verloren geht. Es speichert 10,7 kWh Strom, was laut Werk für 54 Kilometer elektrische Fahrt reicht. Im Test waren es jeweils 40 bis 45 Kilometer. Das reicht für fast alle Einkaufs- und Pendlerfahrten aus, die man damit rein elektrisch zurücklegen kann. Wer zu Hause eine Wallbox oder eine Steckdose am Parkplatz hat, wird den Benzinmotor also nur für die Langstrecke bemühen müssen. Auch beim Antrieb gibt sich der XC40 also so vielseitig wie ein Taschenmesser.

Das grosse Victorinox-Messer kostet 449 Franken. Viel für ein Messer – aber fair für 83 Funktionen. Insofern sind mindestens 56700 Franken für ein Kompakt-SUV zwar viel, für ein so vielseitiges Auto aber fair.

Auf Kurzsstrecken rein elektrisch: Volvo XC40 T5 TwinEngine.

Auf Kurzsstrecken rein elektrisch: Volvo XC40 T5 TwinEngine.

Bild: zvg

Volvo XC40 T5 TwinEngine

Motor: 3-Zyl. PHEV, 1477 cm3

Leistung: 180+82 PS

Drehmoment: 265+160 Nm

Antrieb: FWD, 7-Gang Aut.

L×B×H: 4425×1873×1652 mm

Kofferraumvolumen:460–1336 l

Gewicht: 1741 kg

0–100 km/h: 7,3 Sek.

Vmax: 180 km/h

Verbrauch Werk/Test: 2,4/3,3 l/100 km

Preis: ab 56700 Franken

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