Selbe Idee, anders umgesetzt

Der Audi S6 will mit V6-Diesel zum Langstreckensportler werden. Ob das gelingt, zeigt der Vergleich mit dem BMW Alpina D5S.

Philipp Aeberli
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Das Konzept für den aktuellen Audi S6 war zwar ein Stück weit aus der Not heraus geboren, ist aber durchaus schlüssig.

Um den sportlichen Kombi zum perfekten Langstreckengleiter zu machen, strichen die Ingolstädter den vergleichsweise durstigen V8-Benziner aus dem Vorgängermodell und ersetzten ihn mit einem V6-Diesel. Das bedeutet zwar, dass die Leistung von ehemals 450 PS auf nun 349 PS sinkt; doch damit reduziert sich auch der Werksverbrauch von 9,4 auf 6,5 l/100 km. Das bringt den S6 ein Stück näher an die aktuellen CO2-Vorgaben und im Autobahnalltag Reichweiten von rund 1000 Kilometer – ein grosses Plus auf langen Etappen.

Dank schwarzem Kühlergrill und grösseren Lufteinlässsen wirkt die Front des S6 dramatischer als bei den zivilieren A6-Versionen.
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1680 Liter Kofferraum und viel Show: Die vier Auspuffendrohre sind nur Attrappen, der sportliche Klang wird per Lautsprecher im Endschalldämpfer abgespielt.
Digitale Schaltzentrale: Das Cockpit wirkt futuristisch, die Bedienung gibt aber keine Rätsel auf.
Enttäuschend trotz grossem Aufwand: Der 3-Liter-Diesel mit Mild-Hybrid und elektrischem Zusatzverdichter.

Dank schwarzem Kühlergrill und grösseren Lufteinlässsen wirkt die Front des S6 dramatischer als bei den zivilieren A6-Versionen.

HO

Damit der Fahrspass nicht zu kurz kommt, setzt Audi auf aufwendige Technik. Der konventionelle Turbolader wird von einem über das 48-Volt-Bordnetz angetriebenen Zusatzverdichter unterstützt. So soll das gefürchtete Turboloch gestopft werden, der Wagen soll also verzögerungsfrei beschleunigen. So weit die verheissungsvolle Theorie.

Umso grösser dann das Staunen des Testfahrers in der Praxis: Einfahrt zum ersten Kreisverkehr, von links naht ein Lastwagen. Doch die Lücke erscheint locker gross genug. Also Fuss aufs Gas und es passiert: nichts. Gemessen sind es rund zwei Sekunden, gefühlt ist es eine Ewigkeit, bevor sich der eigentlich starke Kombi in Bewegung setzt. Dann allerdings mit unangenehm ruckartigem Nachdruck, als wolle der S6 die verlorene Zeit wiedergutmachen. Das wirkt dann eher hektisch als souverän.

Ein Bild, das sich nicht nur beim Anfahren zeigt. Schon bei leichter Beschleunigung muss die 8-Gang-Automatik einen oder mehrere Gänge zurückschalten, bevor der 2-Tonnen- Kombi Fahrt aufnimmt.

Des Rätsels Lösung findet sich schliesslich im Datenblatt: Das maximale Drehmoment von 700 Nm liegt erst bei späten 2500 Umdrehungen an. So kann der S6 trotz hochwertiger Verarbeitung, gutem Federungs- und Geräuschkomfort und tollen Sonderausstattungen, wie der Allradlenkung (2480 Franken) oder LED-Matrix-Licht (2730 Franken), nicht das sein, was er eigentlich sein will: ein souveräner, sportlich-schneller Alltagssportler. Dazu wurde das an sich schlüssige Konzept nicht konsequent genug umgesetzt.

Audi S6 Avant TDI

Motor: V6 Diesel, 2967 cm3

Leistung: 349 PS/700 Nm

Antrieb: Aut. 8, 4×4

L×B×H: 4954×1886×1481 mm

Kofferraum: 565–1680 l

Gewicht: 2095 kg

0–100 km/h: 5,1 Sek.

Vmax: 250 km/h

Verbrauch Werk/Test: 6,5/7,2 l/100 km

Es geht auch anders

Die Grundidee beim BMW Alpina D5S ist dieselbe. Auch der Kleinserien-Hersteller aus dem Allgäu setzt auf einen starken 3-Liter-Diesel, der den 5er-Touring von BMW, der als Basis dient, zum sportlich-edlen Langstreckengleiter machen soll. Alpina setzt auf drei Turbolader anstelle eines elektrischen Zusatzverdichters und kommt auf 388 PS und 800 Nm maximales Drehmoment. Allerdings stemmt der laufruhige Reihen-Sechszylinder seine höchste Durchzugskraft schon bei 1750 Umdrehungen auf die Kurbelwelle. So wirkt er im Alltag deutlich gelassener, kräftiger und agiler.

Das liegt nicht nur am spontanen und drehfreudigen Diesel, sondern auch an der gelunge- nen Getriebeabstimmung: Der 8-Gang-Automat lässt den Motor gut zur Geltung kommen, weil er ihn sein Drehmoment ausspielen lässt, statt unnötig herunterzuschalten. Zudem weiss das Getriebe per GPS, wenn Steigungen anstehen und wählt schon vorher den passenden Gang.

Klassisch: Leicht überarbeitete Frontstossstange und filigrane Speichenräder. Der Unterschied zur Basis von BMW liegt im Detail.
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Vier Endrohre und 1700 Liter Ladevolumen.
Das Lenkrad ist mit feinem Leder bezogen, die Instrumente blau hinterlegt. Auch hier sind die Details entscheidend.

Klassisch: Leicht überarbeitete Frontstossstange und filigrane Speichenräder. Der Unterschied zur Basis von BMW liegt im Detail. 

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Zum hervorragenden Antrieb passen das komfortabel abgestimmte Fahrwerk und der edel ausgestattete Innenraum. So wird der Alpina D5S zum perfekten Auto für lange Strecken – inklusive genügend Laderaum, ansprechenden Fahreigenschaften und überzeugender Effizienz: Zwar sind nach WLTP-Messnorm 8,6 l/100 km fällig, im Alltag sind es schliesslich knapp 7 l/100 km, wobei auf Überlandetappen auch Verbrauchswerte von weniger als 6 l/100 km möglich sind.

Somit setzt der BMW Alpina D5S das Konzept des sportlich-effizienten Diesel-Kombis deutlich besser in die Tat um.

BMW-Alpina D5S Touring

Motor: R6 Diesel, 2993 cm3

Leistung: 388 PS/800 Nm

Antrieb: Aut. 8, 4×4

L×B×H: 4956×1868×1466 mm

Kofferraum: 510–1700 l

Gewicht: 2035 kg

0–100 km/h: 4,6 Sek.

Vmax: 283 km/h

Verbrauch Werk/Test: 8,6/7,0 l/100 km

Preis: ab 102 700 Franken

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