Skoda Enyaq iV 80X
Elektrische Normalität

Der Enyaq iV will trotz E-Antrieb ein echter Skoda sein: Praktisch, unkompliziert und geräumig. Ob es klappt, zeigt er im Alltagstest.

Philipp Aeberli
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Mit dem Enyaq iV schlägt Skoda ein neues Kapitel auf – und bleibt sich dennoch treu.

Mit dem Enyaq iV schlägt Skoda ein neues Kapitel auf – und bleibt sich dennoch treu.

Bild: zVg

Skoda zählt zu den beliebtesten Automarken der Schweiz. Die tschechische VW-Tochtermarke spielt seit Jahren ganz vorne mit in der Zulassungsstatistik und hat sich einen klaren Ruf erarbeitet: Skoda steht für Vernunft, clevere Details und viel Auto fürs Geld. Nebst dem Dauerbrenner Octavia als Kombi, der per Ende April die Schweizer Statistik anführte, und dem Kleinwagen Fabia haben, sich vor allem die SUV-Modelle Kodiaq und Karoq etabliert. Dazwischen, sowohl hinsichtlich der Zulassungszahlen, als auch auf die Abmessungen bezogen, sortiert sich der Enyaq ein. Ein weiteres SUV-Modell, jedoch mit einem wichtigen Unterschied: Der Enyaq ist das erste von Grund auf als E-Auto konzipierte Modell der Marke.

Ein wichtiger und notwendiger Schritt – und gleichzeitig auch eine grosse Herausforderung. Schliesslich erwarten die Kunden auch mit neuem Antriebskonzept die bekannten Tugenden und Stärken. Gerade bei einem E-Auto eine Gratwanderung, denn moderne Technik ist in der Regel teuer – und viel Platz im Innenraum führt in der Regel zu einer nicht besonders aerodynamischen Form, was Reichweite kostet.

Eindeutiges Familienmitglied

Trotz komplett neuer Technik hat es Skoda geschafft, den Enyaq eindeutig als Familienmitglied erkennbar zu machen, auch wenn sich die Proportionen deutlich ändern. Auch Skoda nutzt die «MEB»-Plattform, den «modularen Elektrobaukasten» aus dem VW-Konzern. Auf diesem Grundgerüst, das sich der Enyaq mit Modellen wie dem VW ID.4 oder dem Cupra Born teilt, bauen die Tschechen ein optisch eigenständiges Modell auf, das vor allem Wert auf einen praktisch nutzbaren Innenraum legt. So fällt die Dachlinie am Heck zwar etwas ab, doch liegt die Priorität weiterhin auf Stauraum; 585 bis 1710 Liter gibt der Hersteller an. Zum Vergleich: Der vier Zentimeter längere Octavia Kombi kommt auf 640 bis 1700 Liter. Trotzdem bietet der Enyaq viel Nutzwert, auch weil die Ladekante für ein SUV angenehm tief ist. Nur die breiten Seitenwände neben der Kofferraumklappe wirken störend, wenn Sperriges verladen werden soll. Unter dem Ladeboden gibt es ein weiteres Fach zum Verstauen der Ladekabel; das ist zwar geräumig genug, bei voll beladenem Kofferraum aber umständlich zu nutzen. Ein Kofferraumabteil unter der vorderen Haube gibt es nicht.

Serienmässig wird der Enyaq mit voll digitalem Cockpit geliefert.

Serienmässig wird der Enyaq mit voll digitalem Cockpit geliefert.

Bild: zVg

Dafür bietet das familientaugliche SUV auch auf der Rückbank ordentlich Platz und bequeme Sitze. Auch vorne sitzt man im Enyaq bequem und mit guter Übersicht. Der Innenraum wirkt indes gut verarbeitet und ansprechend zeitlos gestaltet. Auch hier nimmt der Stromer die bekannten Skoda-Stärken gut auf. Zum Konzernbaukasten gehört auch das Infotainmentsystem mit frei stehendem Touchscreen und digitaler Tachoeinheit. Grundsätzlich lässt sich das System gut und einfach bedienen, die notwendigsten Funktionen sind auch während der Fahrt ohne unnötige Ablenkung erreichbar. Nur bei den E-Auto-relevanten Funktionen gibt es noch etwas Nachholbedarf. Das Planen von Routen mit Zwischenstopps und die Prognose über den Ladezustand am Ziel geht noch nicht intuitiv genug, was sich aber per Software-Aktualisierung beheben lässt.

Angenehm unterwegs

Auf der Strasse gibt sich das Elektro-SUV angenehm souverän. Trotz fast 2,2 Tonnen Leergewicht wirkt der Wagen verhältnismässig wendig und agil. Durch die im Unterboden verstauten Akkus neigt sich der Enyaq nicht zu sehr in die Kurve, ohne dass die Ingenieure dafür auf ein allzu hartes Fahrwerk setzen müssten. So federt er auch auf groben Unebenheiten noch ausreichend gut. Das sorgt für einen harmonischen Gesamteindruck – was sehr zu einem praktischen und bequemen Alltagsauto passt. Ein echter Skoda eben. Das kann auch bisherige Kunden der Marke durchaus überzeugen.

Platzangebot, Preis/Leistung und Qualität sind auf gewohntem Niveau.

Platzangebot, Preis/Leistung und Qualität sind auf gewohntem Niveau.

Bild: zVg

Doch spätestens jetzt stellt sich die bei Elektroautos am häufigsten gestellte Frage: Wie sieht es mit Reichweite und Ladeleistung aus? Skoda verspricht immerhin mehr als 500 km Reichweite. Im Alltag ist dies aber kaum erreichbar. Der Verbrauch pendelte sich im Test auf der Autobahn bei gut 21 kWh/100 km ein, im gemischten Fahrprofil waren es um die 18 kWh/100 km. So wären bei vollgeladenem Akku (77 kWh netto) immerhin 430 km möglich, auf der Autobahn rund 365 km. Lädt man den Akku zu 80%, was vor allem auf Reisen praktikabel ist, sollte man also nach gut 250 km eine Ladepause einlegen. Die Ladung von 10 auf 80% sollte unter idealen Bedingungen mit 135 kW Ladeleistung in rund 35 Minuten erledigt sein. Im Test erreichten wir allerdings nur rund 90 kW Ladeleistung – auch, weil der Enyaq seine Batterie vor dem Schnellladen nicht vorheizen kann. Auch hier könnte Skoda die Software noch anpassen. Auch wenn der Enyaq bei Reichweite und Laden nicht zum Klassenprimus wird: Aus den Möglichkeiten des Konzernbaukastens holt Skoda am meisten heraus – und bleibt preislich trotzdem attraktiv.

Skoda Enyaq iV 80X

Motor: 2× E-Maschine

Leistung: 265 PS/310 Nm

Antrieb: Aut. 1-Gang, 4×4

L×B×H: 4653×1879×1620 mm

Kofferraumvolumen: 585–1710 l

Gewicht: 2193 kg

0–100 km/h: 7,0 Sek.

Vmax: 160 km/h

Reichweite WLTP: 508 km

Preis: ab 53310 Franken