Strom als neue Lebensquelle

Mit dem Enyaq präsentiert Skoda 2021 sein erstes Elektro-SUV. Wir haben den Stromer bereits als Prototyp getestet.

Philipp Aeberli
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Noch stark getarnt, begibt sich der Skoda Enyaq auf Testfahrt. Das Serienmodell wird wohl frühestens Ende 2020 vorgestellt.

Noch stark getarnt, begibt sich der Skoda Enyaq auf Testfahrt. Das Serienmodell wird wohl frühestens Ende 2020 vorgestellt. 

Bild: ZVG

Verheissungsvoller könnte der Name kaum sein: Enyaq heisst der neue Elektro-SUV, den Skoda Anfang 2021 auf den Markt bringen will. Der Name bezieht sich auf das gälische Wort «Enya», was so viel bedeutet wie «Quell des Lebens». Das angehängte «Q» steht in der Skoda-Namenslogik für alle SUVs. Auf Kodiaq, Karoq und Kamiq. Was den Enyaq von seinen Brüdern unterscheidet: Er wurde als erster Skoda von Grund auf als Elektroauto konzipiert – und wird auch ausschliesslich als solches erhältlich sein. Als Basis nutzt Skoda den «Modularen Elektrifizierungsbaukasten» aus dem VW-Konzern, auf dem auch die VW-Modelle ID.3 und ID.4 aufbauen. Der Akku sitzt also platzsparend im Unterboden, je nach Modellvariante werden entweder nur die Hinterräder oder beide Achsen. Christian Strube, Skoda-Vorstand für Technische Entwicklung, sagt: «Die vielfältigen Möglichkeiten des Modularen Elektrifizierungsbaukastens erlauben uns, den perfekten Enyaq für verschiedenste Anforderungen und Einsatzbereiche anzubieten.» Das Einstiegsmodell mit Heckantrieb, 180 PS und 62 kWh Batteriekapazität (Netto: 58 kWh). Damit sind laut WLTP-Zyklus bis zu 380 Kilometer möglich.

Der grössere Akku speichert maximal 82 kWh(Netto 77 kWh). So sind mit Heckantrieb und 204 PS-Maschine bis zu 500 Kilometer Reichweite laut WLTP möglich.

Auch mit Allrad

Am beliebtesten dürften hierzulande die Versionen mit Allradantrieb sein, hier kommt ein zweiter E-Motor an der Vorderachse zum Einsatz. Zwei Leistungsstufen sind hier geplant, als «80+» sind es 265 PS, im Topmodell «vRS» sollen es 306 PS werden, womit die Beschleunigung auf 100 km / in sechs Sekunden gelingen soll. Für beide Allrad-Versionen verspricht Skoda 465 Kilometer Reichweite. Nebst Reichweite ist bei einem E-Auto natürlich das Aufladen ein zentraler Punkt. An Wechselstrom-Ladesäulen, wie man sie zu Hause als Wallbox installieren kann, aber auch häufig an öffentlichen Plätzen findet, lädt der Stromer mit maximal 11 kW und ist damit nach sechs bis acht Stunden voll geladen. Unterwegs lädt der Enyaq an Gleichstrom-Schnellladesäulen mit maximal 125 kW; damit lädt der Akku in 40 Minuten von 10 auf 80% geladen. Im Notfall lässt sich der Enyaq freilich auch an der Haushaltssteckdose laden, das dauert dann allerdings mehr als 24 Stunden. Mit der Möglichkeit zum Schnellladen und der ansehnlichen Reichweite bietet der Enyaq auf jeden Fall gute Voraussetzungen, um auch auf langen Strecken zu überzeugen.

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Erster Eindruck

Auch wenn es bis zur Markteinführung noch rund ein Jahr dauern dürfte, lud Skoda bereits zu einer ersten Testfahrt im Prototypen. Innen und aussen ist der Wagen noch stark getarnt. Was trotzdem schon auffällt: Das Platzangebot ist dank dem kompakten E-Antrieb sehr gut, sowohl vorne als auch auf der Rückbank. Bei den Abmessungen setzt sich der E-SUV genau zwischen die bekannten Modelle Kodiaq und Karoq, wobei er sich innen eher im grösseren Kodiaq wähnt. Hier werden die Vorteile des E-Antriebs, der deutlich weniger Platz einnimmt als ein konventioneller Verbrennungsmotor, deutlich.

Von seiner besten Seite zeigt sich der elektrische Antrieb auch auf der Strasse. Schon im Prototypen-Status überzeigt der tschechische SUV mit guter Geräuschisolation, elastischem und spontanem Antrieb und komfortabler Federung. Auch wenn der letzte Schliff noch fehlt, wirkt der Stromer schon sehr ausgereift.

Es werde Licht

Bereits fertig ist das Design des neuesten Skoda – allerdings bleibt es bis zur Weltpremiere gegen Ende Jahres noch geheim. Was aber schon fest steht: Der Enyaq wird sich nahtlos in die Skoda-SUV-Familie einreihen, bekommt aber ein Glanzlicht, das den Start in die elektrische Zukunft der Marke weisen soll: Der Kühlergrill kann optional mit grossflächiger LED-Beleuchtung geordert werden. Prächtig animiertes Lichtspiel beim auf- und abschliessen inklusive. Ansonsten verzichtet Skoda aber auf unnötige Effekthascherei. Viel wichtiger sind pragmatische Lösungen, auch wenn es ums Aufladen unterwegs geht.

So arbeitet Skoda noch an der «Powerpass»-App, die den Kunden Zugang zu mehr als 80% aller Ladestationen in Europa gewähren soll; die Abrechnung erfolgt auf einer Sammelrechnung. Damit will Skoda Ordnung in den Dschungel an Ladestation-Anbieter bringen.

Die Ladeinfrastruktur ist ohnehin aus heutiger Sicht noch der einzige Punkt, der dem tschechischen Stromer im Weg stehen könnte. Doch mit dem rasant wachsenden Angebot an E-Autos wird sich auch dieses Problem rasch erledigen. Allein der VW-Konzern will in den nächsten neun Jahren 75 neue Modelle auf Basis des MEB lancieren! Hinzu kommen starke Konkurrenten wie das Model Y von Tesla, der Mazda MX-30 oder der Hyundai Kona.

Skoda Enyaq

Motor: E-Antrieb, Aut. 1-Gang

Leistung: 180–306 PS

Antrieb: Heck, 4 × 4 optional

L×B×H: 4648 × 1877 × 1618 mm

0–100 km/h: min. 6,0 Sek.

Vmax: 180 km/h

Reichweite: bis 500 km (WLTP)

Schnellladen: 40 min 10–80%

Marktstart: Frühjahr 2021

Preis: noch nicht bekannt

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