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Der Škoda Octavia ist das meistverkaufte Auto der Schweiz. Die Neuauflage darf sich also keine Fehler leisten.

Philipp Aeberli
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Rundum gelungen: Der neue Škoda Octavia überzeugt nicht nur optisch. Im Test gefallen die einfache Bedienung, das gute Raumangebot und der sparsame Antrieb.

Rundum gelungen: Der neue Škoda Octavia überzeugt nicht nur optisch. Im Test gefallen die einfache Bedienung, das gute Raumangebot und der sparsame Antrieb.

Bild: zvg

Still und heimlich hat sich der Škoda Octavia nach oben gearbeitet. 2013 lag der tschechische Kombi noch auf Platz 2 der Zulassungsstatistik, 9980 Stück wurden damals verkauft, womit der Octavia einen Respektabstand von 3428 Einheiten zum ewigen Bestseller, dem VW Golf, wahrte. Bis 2016 schrumpfte der Abstand auf 267 Stück, seit 2017 steht der Octavia an der Spitze der Statistik. Sein Vorsprung auf den VW Golf per Ende 2019: 2684 Stück. Während der Golf durch die SUV aus den eigenen Reihen immer mehr in Bedrängnis kommt, setzt der Octavia seine Karriere trotz ebenfalls wachsender SUV-Konkurrenz ungehindert fort. Und will dies auch in der nun anlaufenden, vierten Modellgeneration weiterhin tun.

Das Erfolgsrezept lässt Škoda im Grunde unverändert: Der Octavia spielt zwar preislich in der Kompaktklasse, aber gerne eine Liga höher, wenn es um Nutzwert und Platzangebot geht. Möglich macht diesen Spagat die modulare Plattform aus dem VW-Konzern, auf der auch der VW Golf basiert. Die vierte Generation des tschechischen Kombis macht sich die jüngste Generation des Konzernbaukastens zu Nutzen.

Mehr Länge und mehr Platz

Eines der wichtigsten Argumente für den Škoda Octavia war schon immer sein Platzangebot. Hier hat Škoda für die neue Modellgeneration nochmals aufgetragen.

In der Länge hat der Octavia, der nur noch als Kombi erhältlich ist, um 22 Millimeter zugelegt, der Kofferraum wuchs sogar um gut 4 Zentimeter. So steigt das Ladevolumen um 30 Liter bei aufrechter Rücksitzbank. Werden die Rücksitze umgeklappt, sind es 1700 Liter. Das sind zwar 60 Liter weniger als bisher, doch ist der Laderaum weiterhin ein grosses Pro-Argument für den Škoda Octavia. Die Laderaumklappe öffnet weit und gibt eine grosse, tief ausgeschnittene Ladeluke frei. So ist der Octavia auch manch grösserem Kombi überlegen, wenn es ans Transportieren geht. Zum Vergleich: Beim grösseren und teureren Audi A6 Avant fasst der Kofferraum 565 bis 1680 Liter.

Der Kofferraum bietet bis zu 1680 Liter Ladevolumen.

Der Kofferraum bietet bis zu 1680 Liter Ladevolumen.

Bild: zvg

Mehr als nur Platz

Freilich ist es nicht nur das Platzangebot, das den Octavia so beliebt macht. Grossen Wert legt man bei der VW-Tochter auf das Design. Es geht beim Octavia vielleicht nicht primär darum, alle Blicke auf sich zu ziehen. Aber dennoch ist die Optik entscheidend. Der Kombi soll nicht nur beim Kauf gefallen, sondern auch nach ein paar Jahren noch gefallen.

Diese lösen die Tschechen bei der vierten Octavia-Generation gut. Der Neue ist zwar zweifellos als neues Modell zu erkennen. Dennoch verzichteten die Designer auf grosse Experimente und kreierten einen durchaus stimmigen – und potenziell auch zeitlosen Kombi. Das gilt auch für den Innenraum. Hier trifft Neues, wie zum Beispiel ein Head-up-Display, komplett digitale Anzeigen und ein komplett neues, hoch auf dem Armaturenbrett angesetztes Infotainmentsystem, auf angenehm reduziertes Design mit grossen Flächen und viel Licht durch grosse Scheiben. Einziges extravagantes Detail: Das Lenkrad hat nur zwei Speichen, wodurch es fast schon frei schwebend wirkt. Insgesamt ist aber schlussendlich alles so, wie man es in einem Škoda Octavia erwartet: wertig, praktisch und ohne Ärgernisse.

Lenkrad mit nur zwei festen Speichen und aufgeräumte Bedienlogik im Innenraum.

Lenkrad mit nur zwei festen Speichen und aufgeräumte Bedienlogik im Innenraum.

Bild: zvg

Das ist vor allem löblich, weil viel Technik dazugekommen ist: Nebst Online-Infotainment sind 14 neue Assistenzsysteme verfügbar. Unter anderem auch ein Stauassistent für teilautonomes Fahren oder ein Ausstiegsassistent, der vor dem Öffnen der Tür einen Blick zurück wirft.

Unaufgeregt und sparsam

Auch beim ersten Fahreindruck vermittelt der neue Octavia einen durchaus positiven Eindruck. Die Sitze und das Lenkrad lassen sich grosszügig einstellen, so dass man bequem und gut sitzt.

Hinzu kommen die tadellose Übersicht und die einfache Bedienung: losfahren und Wohlfühlen lautet hier die Devise. Dazu passt auch die 7-Gang- DSG-Automatik, welche die Kraft des 2-Liter-Dieselmotors verwaltet. Der ist zwar beim Kaltstart sofort als Diesel zu erkennen, gibt sich aber danach kultiviert, ausreichend kräftig und vor allem sparsam: 5,4 l/ 100 km verspricht die Normmessung, im Testschnitt waren es schlussendlich 5,1 l/100 km, wobei man auf dem Bordcomputer auch häufig weniger als 5 l/100 km ablesen kann, beispielsweise bei reiner Autobahnfahrt.

Wirklich negativ fällt im Test lediglich das Fahrwerk auf. Es ist zwar passend abgestimmt und nervt auch nicht mit übertriebener Härte. Doch setzt Škoda bei den Basismodellen auf eine kostengünstige Verbundlenker-Hinterachse. Und so können die Hinterräder nicht komplett unabhängig voneinander federn, was sich dann auf schlechten Strassen durch verstärkte Wankbewegungen bemerkbar macht.

Wer hier mehr Komfort will, muss auf die stärkeren Motorisierungen und die Allradversionen warten, hier wird eine aufwendigere Mehrlenkerachse zum Einsatz kommen.

Skoda Octavia 2.0 TDI

Motor: R4 Diesel, 1968 cm3

Leistung: 150 PS / 340 Nm

Antrieb: Front, 7-Gang-DSG

L×B×H: 468,9×182,9×146,8 cm

Kofferraumvolumen: 640–1700 l

Gewicht: 1487 kg

0–100 km/h: 8,8 Sek.

Vmax: 222 km/h

Verbrauch

Werk / Test: 5,4 / 5,1 l/100 km

Preis: ab 36 440 Franken

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