Geschäftsreise

12'000 Chinesen auf Mega-Trip in die Schweiz: Luzern wird überrannt, geschlafen wird in Basel

Luzern macht sich auf einen gewaltigen Ansturm chinesischer Touristen gefasst: Ein amerikanischer Konzern bringt rund 12'000 seiner tüchtigsten Mitarbeiter in die Schweiz. Geschlafen wird allerdings nicht vor Ort – sondern in Basel und Zürich.

Andreas Schwald
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Chinesen stürmen Luzern und schlafen in Basel
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Die Gruppen sollen unter anderem den Titlis besuchen – der Berg ist sich Anstürme von Besuchern aus China gewohnt, doch die Aktion sprengt das bisher bekannte Mass.
Der Titlis ist als ikonischer Berg in asiatischen Ländern beliebt, nicht nur Chinesen stürmen den Gipfel (per Bahn), sondern besonders auch Inder.
Majestätisch: Der Titlis in der Zentralschweiz.
Auch der Rheinfall wird dem Ansturm gewachsen sein müssen.
Einen nächtlichen Anblick wie am St. Patrick's Day wirds aber nicht geben, denn geschlafen wird in Hotels in Basel und Zürich.

Chinesen stürmen Luzern und schlafen in Basel

Corinne Glanzmann

Luzern macht sich schon mal bereit: Extra-Toiletten, Grosseinkäufe für die Gastronomie, das Touristengewerbe befindet sich im Alarmzustand. Grund dafür sind rund 12'000 chinesische Touristen, die in drei Wellen seit Donnerstag bis Ende Mai in einer gewaltigen konzertierten Aktion durch die Schweiz tingeln – als Dankeschön ihres Konzerns, einer amerikanischen Multi-Level-Marketing-Firma, die ihren tüchtigsten chinesischen Mitarbeitern die Schönheiten dieses Landes präsentiert.

Mit 95 Bussen werden sie aus Basel und Zürich zu Sehenswürdigkeiten wie dem Vierwaldstättersee, dem Titlis und dem Schaffhauser Rheinfall chauffiert. Genächtigt wird aber nicht vor Ort, sondern zentral in Basel und Zürich.

Ein einziger Ausflug, 17'000 Logiernächte

Laut Christoph Bosshardt, dem Vizedirektor von Basel Tourismus, wurden in den Hotels in der Region Basel durch die Organisation rund 17'000 Logiernächte gebucht. Zuerst war geplant, die Reisenden nur in Zürich übernachten zu lassen. Doch die schiere Menge überschritt sogar die Kapazitäten der Schweizer Wirtschaftsmetropole.

Mehr Abfallkübel gibt es hier allerdings nicht und auch die Infrastruktur soll nicht überbelastet werden, denn die Gäste verbringen nur den Feierabend und die Nacht hier. Basel Tourismus gehe zwar schon davon aus, dass die Chinesen daher Basel besichtigen werden – «man wird sie sicher in der Stadt antreffen», so Bosshardt –, aber im Gegensatz zu den gezielt angesteuerten Sehenswürdigkeiten eher in kleineren Gruppen.

Selbst Firma war überrascht

Insgesamt dauert das Reisevergnügen der chinesischen Mitarbeiter und Franchisenehmer von «Jeunesse Global» vom 9. bis am 28. Mai und wird in drei Wellen à je sechs Tagen durchgeführt. Die rund 12'000 werden also nicht alle auf einmal das Bergpanorama fotografieren wollen, sondern «nur» jeweils rund 4000 Personen.

Derweil der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren gegenüber der «Luzerner Zeitung» auf Anfrage bereits sagte: Ursprünglich sei Jeunesse Global davon ausgegangen, dass etwa 3000 Verkäuferinnen und Verkäufer die gesteckten Ziele erreichen und sich so die Reise verdienen würden. «Von den Dimensionen waren wir dann alle überrascht.»