125-Jahre-Jubiläum
«Von kolonialistischem Denken geprägt»: Basler Regierung erhält wegen Zionistenkongress einen kritischen Brief

Die Basler Regierung hat am Donnerstag einen offenen Brief erhalten, der die Feierlichkeiten rund um das Jubiläum des Zionistenkongresses kritisiert.

Lea Meister
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Vom 29. bis zum 31. August 1897 fand unter dem Vorsitz von Theodor Herzl im Basler Stadtcasino der erste Zionistenkongress statt, der Jahrzehnte zspäter ur Gründung des Staates Israel führte.

Vom 29. bis zum 31. August 1897 fand unter dem Vorsitz von Theodor Herzl im Basler Stadtcasino der erste Zionistenkongress statt, der Jahrzehnte zspäter ur Gründung des Staates Israel führte.

Keystone

Über 70 Organisationen und Einzelpersonen haben den offenen Brief an die Basler Regierung unterzeichnet, darunter jüdische, pro-palästinensische, gewerkschaftliche, politische, kulturelle und akademische Organisationen. Inhalt des Briefes ist, dass es für die Unterzeichnenden keinen Grund zum Feiern gibt. «Der Zionismus ist die ideologische Grundlage des Staates Israel, eines der letzten siedlerkolonialistischen Projekte des 21. Jahrhunderts», heisst es in der Mitteilung der Organisation No to Apartheid.

Der Anlass, der Ende August unter starker Militär- und Polizeipräsenz stattfinden und etwa 5,7 Millionen Franken kosten soll, wird im offenen Brief harsch kritisiert. So blende «die politische Vertretung Basels die konkrete Realität in Israel aus, das in der Kontinuität des 1897 in Basel formulierten zionistischen Selbstverständnisses ein Apartheidregime über das palästinensische Volk errichtet hat».

Stadt soll Verantwortung übernehmen

Dass der Zionismus eine Reaktion auf die Verfolgung der Jüdinnen und Juden in Europa war, sei den Unterzeichnenden klar, er sei aber vom kolonialistischen Denken der damaligen Zeit inspiriert und habe eine neue Ungerechtigkeit geschaffen, die bis heute anhalte.

Mit dem Brief fordern die Organisationen und Personen die Stadt Basel dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und sich «auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen». Der Kampf richte sich «gegen alle Formen von Diskriminierung, für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit für alle».