Strassennamen

Antilopen, Arabien, Auf der Alp: 21 Namen von Basler Strassen, die Sie verblüffen

Einige Basler Strassen tragen skurile Namen, andere Bezeichnungen führen in die Irre. Und dann sind in den letzten drei Jahren auch noch acht neue Namen hinzugekommen. Wir schaffen Klarheit.

Benjamin Wieland
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Nix Feierabend machen. Feyerabend hiess der Besitzer der Flur, für die Strasse übernahm man die Bezeichnung.

Nix Feierabend machen. Feyerabend hiess der Besitzer der Flur, für die Strasse übernahm man die Bezeichnung.

bwi

Basel-Stadt will es wissen. Der Kanton lässt seit drei Jahren die Schilder von allen 1024 Strassen auswechseln. Neu gibt es jeweils eine kurze Erläuterung zu den Namen.

Einige haben es bitter nötig. Oder haben Sie etwa gewusst, dass in der Malzgasse weder Malz, noch Hopfen verloren ist? Dass in der Dachsfelderstrasse kaum je Dachse gesehen wurden? Oder dass die Zwingerstrasse nichts mit einer Burg zu tun hat? Eben!

  1. Antilopenweg, Flamingosteg, Pelikanweg: Die exotischen Tiere, die sich in Basler Stadtplänen tummeln, haben eines gemeinsam: Sie verweisen alle auf den 1874 gegründeten Zolli, wo man die genannten Viecher anschauen kann. Eine Zoostrasse gibt’s in Basel aber keine, dafür den Tiergartenrain. Auch wenn der Zolli streng genommen mehr als «nur» ein Tiergarten ist. Aber lassen wir das.
  2. Arabienstrasse: «In Arabien» wahr wohl ein ehemaliger Flurname. Der Boden war offenbar so schlecht, dass dort kaum etwas wuchs. Wüste halt. Flurnamen sind häufig äusserst fantasievoll. Einigermassen berühmt ist einer in Magglingen: «Ende der Welt».
  3. Auf der Alp: Wieder ein Flurname, der das Stück Land gut beschreibt: Es liegt hoch, sehr hoch, zumindest für Basler Verhältnisse – auf dem Bruderholz.
  4. Batterieweglein: Wer einen Recyclingpark oder eine Fabrik erwartet, liegt falsch. Vielmehr befand sich hier eine 1815 angelegte Geschützstellung.
  5. Bauhinweglein: Das ist kein Imperativ («Bau hin!»), auch wohnte hier kein Baulöwe, nein, es geht um eine ursprünglich hugenottische Familie namens Bauhin, die unter anderem bekannte Mediziner und Botaniker hervorbrachte.
  6. Buremichelskopf-Promenade: Der Besitzer des Landes auf der runden Anhöhe (darum «Kopf») auf dem Bruderholz hiess tatsächlich Buremichel. So entstand der Flurname.
  7. Brennerstrasse: Es geht nicht um den berühmten Alpenpass und auch nicht um Schnaps. Die Ehre gebührt Ernst Brenner (1856–1911), Regierungsrat, Nationalrat und vor allem: erster baselstädtischer Bundesrat.
  8. Dachsfelderstrasse: Gemeint ist Tavannes im Berner Jura, deutscher Ortsname: Dachsfelden. Das wissen nicht mal Berner.
  9. Dorfstrasse: Die Strasse hiess schon vor 1908 so, also bevor Kleinhüningen eingemeindet und – eben – noch ein Dorf war.
  10. Erikastrasse: Eine Sackgasse im Kleinbasel bei der Dreirosenbrücke. Wohnte da eine hübsche Erika, die ein Stadtplaner verewigte? Nein. Erika ist eine einheimische Wild- und Zierpflanze.
  11. Feierabendstrasse: Hat nichts mit Feierabend zu tun. Feyerabend hiess der Besitzer der Flur, welche die Strasse erschloss. Ob der Herr Feyerabend kein sonderlich fleissiger Zeitgenosse war, ist nicht bekannt.
  12. Galgenhügel-Promenade: In der Nähe stand wirklich ein Galgen. Die Hinrichtungsstädte wurde 1823 abgebrochen – der Name überlebte.
  13. Hexenweglein: Volkstümlicher Strassenname, verweist wohl auf einen Trampelpfad, auf dem allerlei obskure Gestalten unterwegs waren. Hexenweglein gibt es an vielen Orten.
  14. Hochstrasse: Die heisst hoch, weil sie wirklich hoch liegt. Sie war sogar die höchste Strasse Basels, zumindest 1871, als sie ihren Namen erhielt. Einige Jahre danach wurde das Gundeldingerquartier angelegt.
  15. Hölleweglein: In der Hölle nannte man die Flur, weil es dort eine Bodensenke gab. Es muss die Hölle gewesen sein, mit der Kutsche dort durchzufahren.
  16. Im Heimatland: So hiess ein Landgut im Gebiet des heutigen Hirzbrunnen-Quartiers. Heute trägt auch eine Busstation den heimeligen Namen.
  17. Lachenstrasse: Dieser Flurname ist nicht zum Lachen. Mit «In den Lachen» sind Wasserpfützen gemeint.
  18. Luftgässlein: «Zum Luft» ist ein 1537 erstmals erwähnter Hausname.
  19. Malzgasse: Hier waren keine Bierbrauer ansässig. Als Malenzei bezeichnete man im Mittelalter ein lokales Spital.
  20. Nasenweg: Strassen und Wege werden eher selten nach Körperteilen benannt. Hier ist es nicht anders. Es geht um einen Fisch: Die Nase ist eine Karpfenart. Die Karpfen sind in den Strassennamen auch verewigt: Mit dem Karpfenweg.
  21. Zwingerstrasse: Eine ehemalige Befestigungsanlage? Oder eine Hundezucht? Nein. Theodor Zwinger (1533-1588) war Arzt und Universalgelehrter.

Speziell an Basel: Die Stadt hat etliche Strassen nach anderen europäischen Städten benannt (Mailand, Hamburg, Helsinki, Freiburg und so weiter) – im Gegensatz etwa zu Zürich, dass lediglich eine Strassburgstrasse kennt. Basel hat aber keine einzige Strasse, keinen Weg, keinen Platz, keinen Rain und keine Anlage mit Basel respektive Basler im Namen. Dazu muss man sich schon nach Riehen begeben. Oder in die Agglomeration. Oder nach Zürich.

Übrigens: Basel hat in den letzten drei Jahren, seit dem Beginn der Umrüstung der Schilder, acht neue Namen erhalten, wie Paul Haffner, Präsident der Basler Nomenklaturkommission mitteilt. Die Kommission sucht jeweils neue Strassennamen und schlägt sie dem Justiz- und Sicherheitsdepartement vor. Weil jedoch parallel zu den acht neuen Strassennamen neun abgeschafft worden seien, fügt Haffner an, resultiere in der Summe -1.

Hier die acht neuen Namen:

  • 2017: Fasnachtsgasse
  • 2018: Konzertgasse
  • 2018: Attila-Passage (neuer öffentlicher Durchgang zwischen der Kleinhüningeranlage und der Dorfstrasse)
  • 2018: Im Westfeld (künftige Erschliessung der Neubauten im Bereich der ehemaligen Gebäude des Felix Platter-Spitals)
  • 2019: Beckenweg (Erschliessungsweg im Süden des Lysbüchel-Areals)
  • 2020: Anne Frank-Platz (eine offizielle Einweihung gab es noch nicht)
  • 2020: Lehenmattweg (Umbenennung des Teilstücks der Lehenmattstrasse entlang der Breitematte)
  • 2020: Friedrich Miescher-Weg (Umbenennung des Teilstücks der Friedrich Miescher-Strasse im Süd-Westen)

Und die neun gestrichenen Bezeichnungen (es handelt sich fast ausschliesslich um Autobahn-Abschnitte oder -Bauwerke, die keine eigene Bezeichnung brauchen):

  • Sportplatz Schützenmatte
  • Galerie Gellerthochhaus
  • Horburgtunnel
  • Luzernerringtunnel
  • Oberer Tunnel
  • Prattelertunnel
  • Schwarzwaldtunnel
  • Singertunnel
  • St. Johanns-Tunnel

Die Liste mit den Erklärungen zu allen Strassennamen finden Sie hier:

bz