Fantasy Basel

Auffahrt in den Himmel der Mangafiguren

Zum ersten Mal findet in Basel vom 14. bis 16. Mai die Fantasy-Messe statt. Comic-Künstler und Verkäufer von Fantasy-Artikeln breiten ihr Angebot auf 100 Ständen aus.

Elena Manuel
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Fantasy Basel 2015
5 Bilder
Invasion der Fantasyfreunde am Eröffnungstag.
Die Bunte und die Kriegerin friedlich vereint.
Der böse Spiderman ist auch zu Gast.
In der Spielhölle gehts rund.

Fantasy Basel 2015

Keystone

«Möchtest du einfach ein bisschen Blut?» Claudia Rindler schaut ihre Kundin erwartungsvoll an und tupft ihr mit einem feinen Pinsel Hautleim auf die Wange. Die Kundin nickt. Reden darf sie nicht, sonst verrutscht alles. Rindler drückt ihr sorgfältig eine Schusswunde auf die zarte Wange und träufelt Kunstblut darüber. Die international freischaffende Maskenbildnerin hegt eine Vorliebe für Horrorfratzen. Auf ihrem Aufstelltisch liegen bluttriefende, abgeschlagene Köpfe, eingemachte Föten und Latexwunden in lebensechter Grösse.

Den Fötus im Glas kann man für 160 Franken erhalten, ein lebloser Kopf kostet 350 Franken. Auch Blusen mit Messern im Rücken stehen im Angebot. Rindler ist eine der vielen auserwählten Künstlerinnen und Künstler, die an der diesjährigen Fantasy Basel ausstellen. An der lang ersehnten Kunst- und Spielmesse für Comic-Begeisterte, Gamer und Schaulustige.

Lexikon: Mit diesem Wissen sind sie dabei

Manga: Ist die Bezeichnung für japanische Comics. Die Bücher werden von rechts nach links gelesen.

Cosplay: Ist ein Verkleidungsspiel. Die Teilnehmer stellen einen Charakter aus einem Manga, Anime, Computerspiel oder Film dar. Die Kostüme und das Verhalten sollen dabei möglichst nah am Original sein.

E-Sport: Ist der Begriff für den sportlichen Wettkampf unter Menschen mithilfe von Computerspielen. An der Messe können solche Kämpfe besichtigt werden.

Grosser Andrang

Die Messe schlägt ein wie Thors Hammer. Bei der Eröffnung am Donnerstagmorgen stehen die Zuschauer bereits um 10 Uhr unter dem riesigen Auge der Messe an. Die Schlange reicht bis zur Tramhaltestelle der Nummer 14 am Riehenring. Alle Dreitagespässe sind ausverkauft.

Der Andrang ist der reinste Wahnsinn. Tausende strömen bei der Türöffnung durch den Eingang der Halle 1 und 4. Die Stimmung ist fröhlich ausgelassen — das Spektakel beginnt schon vor den Türen der Messehallen. Viele der Zuschauer erscheinen kostümiert. Am Ticketschalter stolpere ich über die seidene Schleppe einer grazilen jungen Dame, die sich als japanisches Mangawesen präsentiert. Weiter vorne in der Schlange blitzen schneeweisse Haare zwischen den sich umblickenden Gesichtern hervor. Dort steht eine täuschend echte Version des weisen Zauberers namens Gandalf aus Tolkiens Fantasy-Roman «Der Herr der Ringe».

Perücken und Gummihosen

Programm - was es auch noch gibt:

Lesung: mit Jungautor Stefan Bachmann, 16. Mai, 14 Uhr, Podium 1

Zombie-Make-up-Kurs: bei Claudia Rindler, täglich von 14 bis 15 Uhr, Event Halle, Stand 210

Ausserirdischer Vortrag: mit Astrophysiker Prof. Dr. Ben Moore, 15. Mai, 20 Uhr, Elisabethenkirche

Fantasy-Party: 15. Mai ab 20 Uhr, das Schiff

Weitere Informationen:
www.fantasybasel.ch

Ein paar Gesichter will man dann lieber nicht sehen. Beim Auftritt von Horrorklassikern wird mir fast schlecht. Vor mir schleppen sich zwei massakerfreudige Texaner mit Kettensägen in Richtung Eingang. Auf ihren Hinterköpfen kleben Hautfetzen, ihre Münder stecken in Maulkörben. Vor irdischen Sicherheitsmassnahmen sind auch sie nicht gefeit. Die Horrorfiguren kommen beim Türsteher nicht durch. Dieser schickt sie und ihre Mordinstrumente mit einem Kopfnicken zur Waffenkontrolle. Ohne Sicherheitsprüfung wird hier keine Kanone durchgelassen, möge sie noch so rostig sein.

Comic-, Game- und Partnerbörse

In den Hallen vermischen sich Comic-Kunst und virtuelle Spielwelten. Im Erdgeschoss der Halle 4 stehen die Stände der Zeichenkünstler. Sie signieren und verkaufen Bücher.

Aus dem Untergeschoss dröhnen Geräusche von metallenem Gemetzel. Dort rumort die Spielhölle, in der man gemeinsam oder als Einzelkämpfer virtuelle Spielwelten erkunden kann.

Besonders futuristisch ist der Auftritt des Smartphone-Herstellers Samsung. Bei ihm kann man sich Virtual-Reality-Brillen anziehen und in diverse Spiele eintauchen. Das Spezielle: Die Brille vermittelt eine 360-Grad-Umsicht. Das bedeutet, dass sich bei jeder Kopfbewegung das Bild mitbewegt. Man kann gewissermassen auf der Flucht über die Schulter blicken und das Monster sehen, das einen verfolgt.

Ob bunt verkleidet oder normal gekleidet, die Messe nimmt jeden Besucher auf. Unter den Kostümierten herrscht friedliche Stimmung, obwohl sie Wettkampfgegner sind. Einmal pro Tag werden die besten Nachahmer prämiert. Das scheint keinen zu stören. Im Gegenteil: Die Messe fungiert sogar als Partnervermittlungsbörse. Zwei Mangafiguren fallen einander lachend in die Arme. Sie haben ihre bessere Hälfte gefunden, denn die beiden bilden in einem japanischen Comic ein Paar. Vielleicht werden sie es auch im richtigen Leben. Möge die Macht mit ihnen sein.