Innenstadt
Aufgewertete Meile: Ein frischer Wind weht durchs Kleinbasel

Die einst schlechten Lage rund um die Clarastrasse wird durch innovative Gastronomie aufgewertet und zieht dadurch mehr Leute an die totgeglaubte Hauptachse des Kleinbasels.

Benjamin Rosch
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Das Klara 13 lockt mit Speisen aus aller Welt.
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Klara 13
Konkurrenz belebt das Geschäft: ein neuer Coop in der Greifengasse.
Zweimal Nachhaltigkeit: «B. Good» und «Stripped Pizza» ziehen an den Claraplatz.

Das Klara 13 lockt mit Speisen aus aller Welt.

Roland Schmid

In der Kleinbasler Einkaufsmeile tötelets schon länger. Ob Möbelladen Jysk, Schuhgeschäft Fricker oder sogar der Erotikladen Magic X: Sie alle erlagen der schlechten Lage, die zu wenig Kunden bringt. Doch nun weht ein frischer Wind in der Clarastrasse. Verantwortlich dafür ist unter anderem das Klara 13, so etwas wie eine Mini-Ausgabe der Markthalle unweit des Bahnhof SBB. Vor einigen Wochen eröffnete die Halle, welche – ganz gemäss Grossbasler Vorbild – mehrere kleine Kochnischen für Food aus aller Welt beherbergt, sei dies Japanisch, Äthiopisch oder Thai-Insekten. Seither sieht man dort bis spät in die Nacht Leute bei einem Bier sitzen – ein völlig neues Bild. Auch unter der Woche sind die Essensstände abends lange offen, die Bar gar bis um 2 Uhr morgens.

Und das Konzept geht auf: Gestern zur Mittagszeit war im vorderen Teil jeder Platz besetzt. Keine Seltenheit, berichten zwei, die seit der Eröffnung hinter dem Tresen werken. «Es läuft besser, als ich erwartet hätte», sagt Sonam Yankartsang, der beim Stand «Momo» tibetanische Speisen feilbietet. Insbesondere am Abend würden die Leute ins Klara 13 strömen. Auch Jakob Leonard vom «No. 7» ist zufrieden. Zwar sei es jeweils schwierig, das Gästeaufkommen vorherzusehen: «Das schwankt stark und ist von vielen Faktoren abhängig.» Doch allmählich erkenne er Stammgäste, die in den vergangenen fünf Wochen seit der Eröffnung schon mehrmals vorbeigeschaut haben.

Minze-Pizze statt Schuhe

Zur Aufwertung der Clarastrasse trägt auch ein neues Fitnessstudio der Migros bei, das dem Vernehmen nach «gut angelaufen» sei. Für mehr kulinarische Aufwertung dürften zudem zwei Angebote sorgen. Da ist zum einen die Eröffnung der neuen Beschle-Filiale in unmittelbarer Nähe zum Klara 13. Im Dezember soll der Traditionsconfiseur in das Clara-Colosseum einziehen.

Zudem macht seit einigen Tagen eine grosse Schaufenster-Werbung am Claraplatz auf die Eröffnung eines Restaurants aufmerksam. Dort, wo Bata früher Schuhe verkaufte, sollen bald Pizze serviert werden. 2015 gründeten die HSG-Absolventinnen Patricia Jacobs und Lucienne Fricker «Stripped Pizza» und wollten damit die italienische Nationalspeise gesund machen. Der Teig besteht bei ihren Pizze aus Leinsamen und Mehrkorn, eine simple «Quattro Stagioni» führt die Speisekarte nicht. Die Kreationen tragen hippe Namen wie «Damn Ham» oder «#Foodporn»; statt Sardellen gibt’s frische Minze und Granatapfel obendrauf.

Die Filiale am Claraplatz wäre bereits die fünfte und nach der Aeschenvorstadt die zweite in Basel. Gleich daneben dürfte die US-Burger-Kette «B. Good» ein neues Zuhause gefunden haben. So zumindest verspricht es ein Plakat. Auch diese Fastfood-Firma setzt auf den anhaltenden Trend mit der Nachhaltigkeit.

Coop statt Confodéco

Im untersten Teil der Achse Messeplatz-Mittlere Brücke könnte ebenfalls ein wenig Ruhe einkehren. Nach Jäggi, Thalia, Möbel Pfister und Confodéco innert weniger Jahre ist nun Coop in das Haus unmittelbar bei der Tramhaltestelle Rheingasse eingezogen, während vor der Haustüre die letzten Arbeiten zur Verbreiterung des Trottoirs abgeschlossen werden. Um die Ecke, vis-à-vis vom «Ufer 7», hat sich zudem seit geraumer Zeit ein kleiner Geheimtipp für Fashion-Fans eingenistet: Im «Ahoi Ahoi» geht ein und aus, wer modisch ausgehen will.
Am anderen Ende des einst versprochenen Boulevards hingegen sieht es weiterhin etwas trostlos aus. Hier ist wenig zu spüren vom Aufschwung des vorderen Abschnitts. Noch immer stehen zwischen den Billig-Kleiderläden zahlreiche Verkaufsflächen leer und es ist nicht lange her, da vermeldete die «Tageswoche» eine weitere Verzögerung des Claraturms.

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