Vernissage

Back in Black: Die Kunsthalle-Rückwand kehrt zurück

Die Basler Künstlerin Judith Kakon knöpft sich die Sprache der globalen Immobilienbranche vor.

Hannes Nüsseler
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Eisenbuchstaben schweben vor einem neutralen Grau.

Eisenbuchstaben schweben vor einem neutralen Grau.

Gina Folly / Kunsthalle Basel

Schmiedeeiserne Lettern, lose Wörter. «Trust» steht auf der Mauer, «Real» oder «Empire». Wessen Reich? Sicher nicht das himmlische, das die benachbarte Elisabethenkirche für sich beansprucht. Judith Kakon, welche die Kunsthalle-Rückwand neu gestaltet hat, klärt auf: «Es handelt sich um Begriffe aus dem Jargon der Immobilienbranche, die ich zerlegt habe.» Die 1988 in ­Basel geborene Künstlerin, die in Jerusalem und New York Fotografie studierte, kennt diesen Winkel gut: Ihren ersten Job hatte sie am Theater Basel.

«Als ich von der Kunsthalle den Auftrag bekam, spürte ich ein grosses Verantwortungsgefühl», sagt Kakon. «Immerhin müssen sich die Leute meine Installation ein Jahr lang anschauen.» Deshalb stellt sie Fragen in den öffentlichen Raum, die diesen definieren und beschränken: Wo hört die Allmend auf, wo fängt das Privateigentum an? Auf der Demarkationslinie zwischen den beiden Kategorien fand sie das Rohmaterial für ihre Schriftzüge: kunstvoll verdrehte Eisenstangen, wie man sie auch von den Zäunen der Basler Herrschaftshäuser kennt.

Gina Folly /Kunsthalle Basel

Die Eisenbuchstaben schweben vor einem neutralen Grau, das an einen Computerbildschirm erinnert. Kontrastiert wird die «bedrohliche Eleganz» (Kakon) durch Blumensträusse, die wöchentlich erneuert werden. Sie welken wie Trauerflor vor sich hin, und tatsächlich geht es der Künstlerin darum, die neoliberalen Begrifflichkeiten ein Stück weit zu verabschieden.

Anti-Pissoirs für Wildpinkler

«Ich könnte nicht glücklicher sein», kommentiert Kunsthalle-Direktorin Elena Filipovic ­Kakons Werk, mit dem die Kunsthalle-Rückwand nach jahrelanger Blockierung durch Bauarbeiten ihre Rückkehr feiert. «Die Arbeit ist mit ihrer räumlichen Nähe zum Bankverein politisch, trägt aber auch der Erfahrung der Pandemie Rechnung, indem sie die Kunst wieder in die Öffentlichkeit trägt.»

Kakon ist in Basel derzeit ohnehin sehr präsent. Für die Kunsttage hat sie vier subversive Bronzeskulpturen gefertigt, die sich als formschöne Fächer in Strassenecken einfügen. «Anti-Pissoirs», lacht Kakon. Der Strahl von Wildpinklern wird auf deren Füsse umgelenkt, der öffentliche Raum übt Rache an seinen Verschmutzern.

Öffentliche Vernissage des Rückwand-Projekts von Judith Kakon: Donnerstag, 17. September, 19 bis 20.30 Uhr.